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19.10.2022

So schön soll Steuern zahlen sein

80.000 Euro, um fragwürdiges Spiel „Taxlandia“ am Leben zu halten

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Was ist passiert?

Europäische Union. Die Europäische Union gibt seit Jahren Steuergeld dafür aus, jungen Menschen die Vorzüge des Steuerzahlens und von Staatsausgaben spielerisch nahezubringen. Bereits im November 2017 hatte sie ein Spiel veröffentlicht, mit dem künftige Steuerzahler lernen sollen, wie toll es ist, Steuern zu zahlen.

In diesem taucht der Spieler über sein Smartphone, Tablet oder den Browser in die fiktive Welt eines Staates namens „Taxlandia“ ein. Dieses Land ist laut Spielbeschreibung heruntergekommen, die Infrastruktur in einem desolaten Zustand, die Bevölkerung unzufrieden. Aufgabe des Spielers ist es nun, das Land als Ministerpräsident wieder auf Vordermann zu bringen. Im Spiel ist dies ganz einfach: Steuern rauf, kräftig investieren – und schon steigt die Zufriedenheit. Es dauert nur wenige Spielzüge und das Ziel des Spiels ist erreicht: Der Aufschwung in „Taxlandia“ ist da. Die Botschaft ist klar: Höhere Steuern und Staatsausgaben steigern die allgemeine Zufriedenheit der Gesellschaft.

Rund 75.000 Euro hatte die EU damals für die Entwicklung des Spiels ausgegeben. Es ist Teil eines größer angelegten EU-Projekts zur Nachhilfe für künftige Steuerzahler. So soll das Internetportal „TAXEDU“ (engl. tax: Steuern; education: Bildung) einen „Beitrag zur Bildung junger europäischer Bürger im Bereich Steuern“ leisten, so die EU. Der Zielgruppe der 9- bis 25-Jährigen soll vor Augen geführt werden, welche Vorteile es hat, Steuern zu zahlen.

Durch „Taxlandia“ sollen diese Vorteile anschaulich gemacht werden: Im Spiel macht es die Menschen glücklich, wenn der Staat Feuerwehren, Polizei- oder Verwaltungsgebäude saniert. Das Glück vergrößert sich, wenn der Staat unternehmerisch tätig wird und das Geld der Steuerzahler für Hotels, Fabriken und sogar für Villen und Banken ausgibt. In den Träumen der EU-Beamten sind die meisten Bürger selbst bei Steuersätzen von mehr als 75 Prozent noch immer zufrieden. Ebenso erstaunlich: Flughäfen, Theater und Bahnhöfe sind in „Taxlandia“ im Handumdrehen fertiggestellt, Bauverzögerungen und Kostensteigerungen unbekannt. Steuergeldverschwendung: kein Thema.

Seit Einführung des Spiels wurden aus dem EU-Budget fast 80.000 Euro für den Betrieb sowie für kommunikative Maßnahmen aufgewendet. Dies geht aus der Antwort eines EU-Beamten auf die Anfrage des BdSt hervor.

Doch kommt ein Spiel, das dermaßen einseitig hohe Steuern und Staatsausgaben preist, eigentlich gut an? Offenbar nicht! In den App-Stores von Apple bzw. Google erhält es knapp 5 Jahre nach dem Start eine durchschnittliche Bewertung von lediglich 1,2 von 5 möglichen Sternen.

Foto: Philipp Behm

Alternative Investition

Für 80.000 Euro könnten rund 270 Laptops für Schüler angeschafft werden – mit denen sie sich beispielsweise im Bereich Steuern bilden können.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Eine gute Bildung zu fiskalischen Zusammenhängen ist wichtig. Diesen Bildungsauftrag verfehlt die EU jedoch – wegen Realitätsferne. Stattdessen gaukelt sie eine heile Welt der Staatswirtschaft vor, in der hohe Steuern und Staatsausgaben glücklich machen.

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Autor des Artikels

Philipp Behm

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