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  • Nordrhein-Westfalen
  • Nachlese
27.10.2020

Sanierung der Kölner Bühnen wird teurer und dauert länger

Sanierung der Kölner Bühnen wird teurer und dauert länger

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Was ist passiert?

Köln (NW). Im letzten Jahr fragten wir „Knackt die Oper in Köln die Milliarden-Marke?“, in diesem Jahr ist die Stadt diesem unerwünschten Ziel wieder ein Stück nähergekommen.

Seit Sommer 2012 wird am Offenbachplatz in Köln umfangreich saniert. Damals hieß es, dass die Oper und das Schauspielhaus im November 2015 wiedereröffnen werden. Doch im Juli 2015 musste die Stadt Köln bekanntgeben, dass der Zeitplan nicht zu halten sei. Seitdem prasseln die Hiobsbotschaften und negativen Schlagzeilen auf die Großbaustelle ein: Der Eröffnungstermin verschob sich immer weiter nach hinten, immer neue Pannen auf der Baustelle wurden bekannt, gleichzeitig explodierten die Kosten.

War man zunächst von 253 Mio. Euro ausgegangen, wurde das Budget auf 347,8 Mio. Euro, dann auf 349 Mio. erhöht (März bzw. August 2016). Im Sommer 2017 mussten die Sanierungskosten dann noch einmal nach oben korrigiert werden: Nun rechnete man schon mit 554 Mio. Euro – maximal mit 571 Mio. Euro –, und als Fertigstellungstermin wurde Ende 2022 genannt. Damit sicherte sich die Kölner Sanierung einen Platz im Schwarzbuch.

 Im September 2019 veröffentlichte die Stadt die erste transparente Rechnung, in der auch die Kreditzinsen aufgeführt wurden. Insgesamt stehen mittlerweile stolze 841 Mio. Euro im Raum; allein die Zinsen für die Darlehen sind höher als laut erster Planung die ganze Sanierung hätte kosten sollen. Über die nächsten 40 Jahre werden 244,9 Mio. Euro Zinsen abgestottert; durchschnittlich 20,5 Mio. Euro pro Jahr! Trotzdem lobte sich die Stadt selbst: Die reinen Baukosten hätten sich nicht weiter erhöht, und man zeige sich nun besonders transparent, indem man auch die Zinsen nenne. Mit dieser Aussage schaffte es die Stadt erneut ins Schwarzbuch.

Im Sommer 2020 verkündete die Stadt, dass die Angebote auf neue Ausschreibungen deutlich über den Kostenerwartungen der Bühnen liegen. Man habe deshalb das Vergabeverfahren verlängert, und die Schlüsselübergabe solle nun im dritten Quartal 2023 erfolgen. Die Stadt sieht als „größte Risiken nach wie vor die Pünktlichkeit und die Qualität der Ausführungsplanung sowie das laufende Vergabeverfahren“. Deshalb wurden die Kosten neu prognostiziert: inklusive der Risikokosten lautet die Summe jetzt 600 Mio. Euro – die bisherige Maximalgrenze von 571 Mio. Euro kann also doch noch gesprengt werden.

Zum Hintergrund Ursprünglich sollte die Oper saniert und das angrenzende Schauspielhaus komplett neu gebaut werden. Damals wurde das Budget auf 230 Mio. begrenzt. Bei der Ausschreibung gewann jedoch ein Entwurf, bei dem schnell klar war, dass dessen Umsetzung die Kosten sprengen würde: 355 Mio. Euro, so hieß es damals. Die Bürger liefen Sturm, und der Rat forderte 2009 eine „abgespeckte“ Version, um unter der 300-Millionen-Marke zu bleiben. Schließlich wurde der Neubau sogar ganz gekippt und beide Spielstätten sollten „nur“ saniert werden.

Foto: Janine Bergendahl

Der Bund der Steuerzahler meint

Die Kölner Sanierung ist ein teures Mahnmal, das bei allen folgenden Bauprojekten in Köln und ganz Deutschland daran erinnert: Erst die Substanz prüfen, dann das gesamte Projekt durchplanen und erst dann mit der Sanierung beginnen. Alles andere wird eine Wundertüte, die für den Steuerzahler teuer wird.

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Autor des Artikels

Janine Bergendahl

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