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  • Nordrhein-Westfalen
  • Nachlese
11.03.2021

Sanierung der Kölner Bühnen wird teurer und dauert länger

Immer wieder Kostensteigerungen und Verzögerungen auf Großbaustelle

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Aktuelle Entwicklung

Noch eine Kostensteigerung

Opern- und Theaterfreunde in Köln werden sich weiter gedulden müssen – das Trauerspiel geht trotzdem weiter. Zuletzt wurden die Kosten für die Sanierung der Kölner Bühnen im Dezember 2020 nach oben korrigiert. Nun folgte die nächste Hiobsbotschaft: Die Zahlen wurden noch einmal nach oben geschraubt.

Ende Januar 2021 haben Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Technische Betriebsleiter Bernd Streitberger bekanntgegeben, wie und zu welchem Preis es mit der Sanierung der Kölner Bühnen weitergehen wird. Dabei zeigte sich die Oberbürgermeisterin zerknirscht: „Es ist bitter.“ Statt im dritten Quartal 2023 soll die Sanierung nun bis März 2024 beendet sein. Das heißt, statt der geplanten drei Jahre wird die Sanierung nun fast zwölf Jahre dauern.

Teurer wird die weitere Verzögerung auch noch einmal: So wurden zuletzt im Dezember 2020 für den Worst Case 899 Mio. Euro aufgerufen, nun kommen weitere 72 Mio. Euro on top. Henriette Reker dazu: „Ich bin mir bewusst, dass solche Summen, wie sie hier besprochen werden, immer wieder die Frage aufwerfen, die sich schon viele seit einiger Zeit stellen: Brauchen wir überhaupt eine solche Oper, ein solches Schauspielhaus? Das ist doch nur für eine kleine Elite. Ich sage ihnen voller Überzeugung: Köln braucht Oper und Schauspiel.“

Wie teuer es letztlich wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zuletzt hatte eine Firmeninsolvenz für eine weitere Verzögerung gesorgt – und jeder Monat mehr kostet entsprechend mehr. „Die ganze Angelegenheit ist ein Skandal“, meint Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen. „Die Stadt hat zu lange gebraucht, die Probleme rund um die Opernsanierung in den Griff zu bekommen. Es wurde ohne eine endgültige Planung gebaut, zurückgebaut und wieder neu angefangen.“ Immerhin daraus zieht Köln nun seine Lehren: „In Zukunft halten wir uns daran: Erst planen, dann bauen“, verkündet OB Reker. Man mag es kaum glauben, aber erst jetzt liegen verlässliche Pläne vor. Die Stadt fing noch einmal bei Null an und stellte das Projekt komplett neu auf. Bernd Streitberger erklärte: „Wir haben eine exzellente Planung, kann ich heute sagen. Und wir haben eine Planung in der Tiefe und Breite, wie sie dieses Haus noch nie gesehen hat, das kann man, glaube ich, ganz klar sagen.“ Ein Offenbarungseid? Bedeutet diese Aussage doch, dass jahrelang ohne Plan vor sich hingewerkelt wurde.

Teuer für den Steuerzahler fallen auch die Kredite über 40 Jahre und die Interimsspielstätte ins Gewicht. Um auf andere Spielorte ausweichen zu können, zahlt die Stadt pro Jahr zwischen 9 und 10 Mio. Euro. Das sind rund weitere 120 Mio. Euro, die die Sanierung der Städtischen Bühnen nach zieht. Der Technische Betriebsleiter Bernd Streitberger tut diese Kosten aber eher launig ab „das kann man mit einrechnen, dann ist es aber falsch.“ Bitter: Kurz darauf, im März 2021, wurde bekannt, dass die Kölner Bühnen im Januar 2021 15 Mio. Euro bei der Greensill-Bank angelegt hatten, die kurz darauf in Schieflage geraten war. Da die Anlagen der Kölner Bühnen nicht der gesetzlichen oder freiwilligen Einlagensicherung unterliegen, steht das Geld im Feuer. Unklar ist, wie es mit der Greensill-Bank weitergeht und ob die Bühnen ihr angelegtes Geld wiedersehen werden. Im Frühjahr soll immerhin der Baubetrieb wieder hochgefahren werden.

Was ist passiert?

Köln (NW). Im letzten Jahr fragten wir „Knackt die Oper in Köln die Milliarden-Marke?“, in diesem Jahr ist die Stadt diesem unerwünschten Ziel wieder ein Stück nähergekommen.

Seit Sommer 2012 wird am Offenbachplatz in Köln umfangreich saniert. Damals hieß es, dass die Oper und das Schauspielhaus im November 2015 wiedereröffnen werden. Doch im Juli 2015 musste die Stadt Köln bekanntgeben, dass der Zeitplan nicht zu halten sei. Seitdem prasseln die Hiobsbotschaften und negativen Schlagzeilen auf die Großbaustelle ein: Der Eröffnungstermin verschob sich immer weiter nach hinten, immer neue Pannen auf der Baustelle wurden bekannt, gleichzeitig explodierten die Kosten.

War man zunächst von 253 Mio. Euro ausgegangen, wurde das Budget auf 347,8 Mio. Euro, dann auf 349 Mio. erhöht (März bzw. August 2016). Im Sommer 2017 mussten die Sanierungskosten dann noch einmal nach oben korrigiert werden: Nun rechnete man schon mit 554 Mio. Euro – maximal mit 571 Mio. Euro –, und als Fertigstellungstermin wurde Ende 2022 genannt. Damit sicherte sich die Kölner Sanierung einen Platz im Schwarzbuch.

 Im September 2019 veröffentlichte die Stadt die erste transparente Rechnung, in der auch die Kreditzinsen aufgeführt wurden. Insgesamt stehen mittlerweile stolze 841 Mio. Euro im Raum; allein die Zinsen für die Darlehen sind höher als laut erster Planung die ganze Sanierung hätte kosten sollen. Über die nächsten 40 Jahre werden 244,9 Mio. Euro Zinsen abgestottert; durchschnittlich 20,5 Mio. Euro pro Jahr! Trotzdem lobte sich die Stadt selbst: Die reinen Baukosten hätten sich nicht weiter erhöht, und man zeige sich nun besonders transparent, indem man auch die Zinsen nenne. Mit dieser Aussage schaffte es die Stadt erneut ins Schwarzbuch.

Im Sommer 2020 verkündete die Stadt, dass die Angebote auf neue Ausschreibungen deutlich über den Kostenerwartungen der Bühnen liegen. Man habe deshalb das Vergabeverfahren verlängert, und die Schlüsselübergabe solle nun im dritten Quartal 2023 erfolgen. Die Stadt sieht als „größte Risiken nach wie vor die Pünktlichkeit und die Qualität der Ausführungsplanung sowie das laufende Vergabeverfahren“. Deshalb wurden die Kosten neu prognostiziert: inklusive der Risikokosten lautet die Summe jetzt 600 Mio. Euro – die bisherige Maximalgrenze von 571 Mio. Euro kann also doch noch gesprengt werden.

Zum Hintergrund Ursprünglich sollte die Oper saniert und das angrenzende Schauspielhaus komplett neu gebaut werden. Damals wurde das Budget auf 230 Mio. begrenzt. Bei der Ausschreibung gewann jedoch ein Entwurf, bei dem schnell klar war, dass dessen Umsetzung die Kosten sprengen würde: 355 Mio. Euro, so hieß es damals. Die Bürger liefen Sturm, und der Rat forderte 2009 eine „abgespeckte“ Version, um unter der 300-Millionen-Marke zu bleiben. Schließlich wurde der Neubau sogar ganz gekippt und beide Spielstätten sollten „nur“ saniert werden.

Foto: Janine Bergendahl

Der Bund der Steuerzahler meint

Die Kölner Sanierung ist ein teures Mahnmal, das bei allen folgenden Bauprojekten in Köln und ganz Deutschland daran erinnert: Erst die Substanz prüfen, dann das gesamte Projekt durchplanen und erst dann mit der Sanierung beginnen. Alles andere wird eine Wundertüte, die für den Steuerzahler teuer wird.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Janine Bergendahl

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Bemerkungen :

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    Herbert Putzmann 16/03/2021 um 18:29
    Es ist ein Skandal, was den Steuerzahlern nur mit einer Wahnsinnsverschwendung mit der Kölner Oper zugemutet wird. Eine solche Oper braucht Köln deshalb nicht, weil Köln sich eine solche Oper auch nicht ansatzweise erlauben kann. Wer was anderes behauptet, kann nicht rechnen und hat den Blick nicht auf den desolaten Zustand von Schulen, Uni und Straßen gerichtet. Für die Bildung und Infrastruktur ist kein Geld da, aber für die Oper wird es lichterloh verbrannt. Ein Armutszeugnis der Politik.
    • user
      Bärbel Hildebrand 18/03/2021 um 12:28
      Gerade die Sanierung alter Gebäude ist eine Wundertüte mit vielen unliebsamen Überraschungen. Da steht die Kölner Oper nicht alleine: Beethovenhalle in Bonn, Polizeipräsidium in Düsseldorf, Schauspielhaus in Düsseldorf... Der Bund der Steuerzahler deckt die typischen Fehler auf, die zu solchen Kostensteigerungen führen und setzt sich dafür ein, sie in Zukunft zu vermeiden. Denn dann ist mehr Geld da für andere wichtige Projekte.
  • user
    Burkhard Hofmann 16/03/2021 um 16:29
    So eine Sauerei von vielen die die öffentliche Hand verplant, ohne dass jemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Der einfachste Bürger dieses Staates ist intelligenter als viele Beamten in diesen Positionen.
    Wenn er einen Hausbau so planen würde, gäbe es in Deutschland kein fertiges Haus, alle wären vorher insolvent.
    • user
      Bärbel Hildebrand 18/03/2021 um 12:23
      Der Bund der Steuerzahler hat in seinen früheren Schwarzbüchern das Problem der Baukostensteigerungen grundlegend analysiert und Lösungen vorgestellt. Wichtig ist, sorgfältig und umfassend zu planen. Das kommt immer wieder zu kurz. Wir bleiben dran und setzen uns auch dafür ein, dass Steuergeldverschwender rechtlich belangt werden können.
  • user
    Horst Spiering 16/03/2021 um 15:59
    Sehr geehrter Herr Holznagel,

    ich finde die Arbeit vom Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. sehr gut und wichtig.
    Warum werden alle Artikel inkl. der kostenlosen Bücher nicht als PDF-Datei angeboten? Dadurch würden Sie eine erhebliche Kosteneinsparung haben und auch die Umwelt ein wenig schonen.
    Ihr Angebot “Aktion Frühjahrsputz” 2021 würde ich z.B. gern lesen.
    Kann ich aber leider nur als Druck bestellen. Bei einer PDF-Version hätten Sie den Vorteil, dass sie ggf. an andere Interessierte z.B. per E-Mail weitergesendet wird. Sie hätten mit geringeren Kosten mehr Erfolg.

    Noch ein Thema:
    Die Ansprache Du in Ihren Internetseiten kommt nicht gut an.
    Ja die Umfragen ergeben ein anderes Ergebnis.
    PS: Trauen Sie keiner Umfrage, die Sie nicht selbst durchgeführt haben.
    In Deutschland ist die Amts- und Umgangssprache immer noch Deutsch und nicht Englisch oder Denglisch. Das andere Länder kein „Sie“ kennen, ist doch nicht unser Problem.
    In Deutschland hat sich die höfliche Anrede „Sie“ seit vielen Jahrzenten bewährt.
    Es wird doch in Europa immer wieder auf unterschiedlichen Länderkulturen hingewiesen und auch darauf Wert gelegt, dass sie erhalten bleiben und nicht diskriminiert werden!
    Warum sollen wir nicht weiterhin auch auf die deutsche höfliche Kultur stolz sein?
    Auf unser „Made in Germany“ sind wir ja auch stolz, auch wenn der Ursprung einen anderen Grund hat.

    In Schweden und England duzt man sich, aber die Mitglieder der Königshäuser und der Regierungen dürfen nicht geduzt werden.
    Es werden dort also nur die „einfachen/niederen“ Bürger geduzt.
    Bitte denken Sie daran, dass Sie von den einfachen Bürgern Spenden haben möchten.
    Dafür können wir jedoch zumindest eine höfliche Anrede erwarten.
    Dieser Meinung sind auch meine vielen Verwandten, Freunde, Bekannten usw.

    Wenn Sie in ein Fachgeschäft gehen, möchten Sie dann von dem Inhaber oder Verkäufer ungefragt geduzt werden?
    Ja, Fachgeschäfte, die sind ja etwas anderes……?

    Mit freundlichen Grüßen

    Horst Spiering
    Ellerneck 9
    22045 Hamburg