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09.11.2021

Neue Dacheindeckung der Kapelle St. Quirin am Tegernsee – Ein Malheur

Neue Dachziegeln für die Kapelle St. Quirin in Gmund am Tegernsee

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Was ist passiert?

St. Quirin/Gmund am Tegernsee (BY). Die katholische Filialkirche St. Quirin im Ortsteil St. Quirin der Gemeinde Gmund am Tegernsee zählt zu den bedeutendsten Kirchen des Erzbistums München und Freising – sowohl kirchengeschichtlich wie kunstgeschichtlich und ist eng verbunden mit dem Kloster Tegernsee. Das kleine Gotteshaus steht der Legende nach dort, wo um das Jahr 800 die Reliquien des Heiligen Quirinius auf dem Weg von Rom ins Kloster Tegernsee ein letztes Mal haltmachten, woraufhin eine heilsame Quelle entsprungen sei. Die Baugeschichte des Kirchleins war allerdings „nicht homogen und gleichsam genormt, sondern geprägt durch Veränderungen, Neugestaltungen, Ergänzungen, auch Bauschäden und deren Umgang damit. […] Heterogenität, Abweichungen von Normwerten, die Notwendigkeit, auf historisch gewachsene Strukturen zu reagieren, ist dabei eine zentrale Herausforderung.

Zu nennen ist dabei u. a. der schon seit Jahrhunderten ‚schiefe‘ Turm. Hier setzt bereits die erste Ungereimtheit der ersten Phase der jetzigen Baumaßnahme ein. In Unkenntnis des schon seit Jahrhunderten schiefen Turmes wurde der obere Teil des Turmes geradegesetzt, und damit verlor die Konstruktion ihre Kraftschlüssigkeit“, so das Erzbischöfliche Ordinariat München. Insofern muss die Frage erlaubt sein, aus welchen Gründen der „schiefe“ Turm der Kirche begradigt wurde. Es käme doch auch niemand auf die Idee, den „schiefen Turm“ von Pisa gerade rücken zu wollen.

Ähnliches passierte bei der neuen Dacheindeckung mit sogenannten Biberschwänzen. Sie wurde wie bei einem Neubau ausgeführt und konnte dadurch „nicht auf die historisch entstandene inhomogene und unveränderbare Baustruktur“ reagieren. „Hierdurch ergaben sich an mehreren Stellen der Dachfläche – im Besonderen an den Übergängen zu den angrenzenden Bauteilen mit dem umlaufenden Traufgesims des Chores – große Anschlussschwierigkeiten zu den aufsteigenden Chormauern, die auch technisch nicht bewältigbar waren und somit den Belangen des Denkmals nicht Rechnung tragen konnten“, teilte das Erzbischöfliche Ordinariat München dem Bund der Steuerzahler mit.

Mit einfachen Worten: Man hat nicht nur den schiefen Turm gerade gerückt, sondern die Kapelle auch noch mit den falschen Dachziegeln eingedeckt! Die Dacheindeckung in Biber sowie die Begradigung des „schiefen Turms“ sind jedenfalls ohne Abstimmung mit dem zuständigen Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und ohne denkmalrechtliche Erlaubnis erfolgt.

Um die Unebenheiten der vorhandenen Bausubstanz ausgleichen zu können, musste das Dach des Kirchleins abgedeckt und mit sogenannten Dachziegeln „Mönch und Nonne“ wieder neu eingedeckt werden. Dies war nach Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats München „unumgänglich, nämlich die Kirche wieder stabil, dicht und konstruktiv ‚unter Dach und Fach‘ zu bringen.“ Die Kosten für die Neueindeckung der Kapelle mit Ziegeln „Mönch und Nonne“ beliefen sich auf circa 150.000 Euro.

Die Dacheindeckung in Biber kostete circa 20.000 Euro, die Demontage circa 11.900 Euro. Somit wurden knapp 32.000 Euro fehlinvestiert oder besser gesagt verschwendet. Zu guter Letzt hatte man aber auch noch ein bisschen Glück: Eine Privatperson übernahm noch verwendbare „Biberschwänze“. Sie bezahlte für deren Abtransport rund 3.500 Euro.

Für die Gesamtsanierung der Kapelle St. Quirin ist auch ein staatlicher Zuschussantrag gestellt. Dieser war zum Redaktionsschluss noch nicht bewilligt. Das Erzbischöfliche Ordinariat München bedauerte, dass „in der ersten Planungsphase ein fachlich nicht adäquater, ja falscher Umgang – nicht nur – mit der Dacheindeckung erfolgte, der jetzt ausgebügelt werden muss“.

Foto: Maria Ritch/Michael Stocker

Der Bund der Steuerzahler meint

Auch wenn man aus den unglücklichen Erfahrungen seine Lehren gezogen hat und künftig rechtzeitig denkmalpflegerische Belange berücksichtigen wird, haben nicht nur die Kirchensteuerzahler die bittere Pille einer Fehlinvestition in Höhe von immerhin rund 30.000 Euro zu schlucken.

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Autor des Artikels

Maria Ritch

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