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  • Bund
  • Chaotisches Controlling
27.10.2020

IT-Chaos beim Bund

Bundesregierung vermurkst die Neuaufstellung der Bundes-IT

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Was ist passiert?

Bund. Es ist eines der größten Reformprojekte der Bundesregierung – die IT-Modernisierung der Bundesverwaltung. Das seit 2015 laufende Mammutprojekt „IT-Konsolidierung Bund“ hat nicht weniger zum Ziel, als die völlig zersplitterte IT-Landschaft der rund 200 verschiedenen Bundesbehörden auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, Rechenzentren, Prozesse und Dienste zu bündeln sowie die Sicherheit und Effizienz zu erhöhen, um die gesamte Bundes-IT stabil, kontrollfähig und wirtschaftlich zu betreiben.

Der Plan ist bisher, bis 2025 alles unter Dach und Fach zu haben. Doch nach Projektbeginn zeigte sich schnell, dass die Regierung die komplexe Reformaufgabe unterschätzt hatte. So mussten fortlaufend umfangreiche Änderungen und Erweiterungen am Projekt vorgenommen und für viel Steuergeld externe Berater angeheuert werden. 257,6 Mio. Euro gab die Regierung bereits bis Anfang 2020 für teures Expertenwissen aus; bis zum derzeit geplanten Projektende sollen sich die Beraterkosten nochmals auf mindestens 578,2 Mio. Euro mehr als verdoppeln.

Wie sehr das IT-Projekt aus dem Ruder gelaufen ist, lässt sich schon allein daran ermessen, dass die Regierung die ursprünglich taxierten Projektgesamtkosten zur Bündelung der anfangs rund 100 verschiedenen Rechenzentren und mehr als 1.200 Serverräume sowie der diversen IT-Dienste und Lizenzen grob auf einen „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ geschätzt hat. Dieses Geld verschlingen jetzt allein die angeheuerten Beratungsunternehmen – die aktuell kalkulierten Gesamtkosten sind auf 3,4 Mrd. Euro in die Höhe geschossen.

Doch damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Wegen des Management-Chaos und der Kostenexplosion splittete die Regierung das Projekt inzwischen auf: Das zuvor zentral zuständige Innenministerium hat seit diesem Jahr nur noch Teil-Kompetenzen inne, wichtige Projektaufgaben werden nun vom Finanzressort verantwortet, und das übergreifende Controlling der IT-Konsolidierung ist beim Bundeskanzleramt platziert. Durch die Umorganisation wird derzeit auch das Projekt neu analysiert: Eine neue Prioritätenplanung wird erstellt sowie eine „grundlegende Aktualisierung der Maßnahmen- und Ausgabenplanung“ für bedeutsame Teilprojekte.

Das klingt bedrohlich für die Steuerzahler – so drohen weitere Mehrkosten und ein Reißen des Zeitplans über das Jahr 2025 hinaus. Damit steht die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts offen infrage, denn bereits die aktuelle, aber auch wohlwissend überholte Kalkulation sieht eine Rentabilität der neu aufgestellten IT-Landschaft frühestens für das Jahr 2037 vor. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung aus dem Jahr 2018 attestierte dem Gesamtprojekt trotz höherer Ausgaben immer noch einen messbaren Effekt, „welche aber insbesondere aus qualitativ- strategischen Gründen unverändert positiv ausfiel“, so die Antwort der Regierung. Mit anderen Worten: Die Regierung rechnet sich das Mammutprojekt schön.

Foto: Sebastian Panknin

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Abermals hat die Regierung den Aufwand eines Großprojekts maßlos unterschätzt – mit teuren Folgen für die Steuerzahler. Durch die bisherige und weiter drohende Kostenexplosion sowie das schwerfällige Vorankommen der IT-Reform droht das Projekt unterm Strich kaum positive Effekte zu entfalten.

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Autor des Artikels

Sebastian Panknin

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  • user
    Johann Haas 01/11/2020 um 16:04

    Mich (sehr erfahrener IT-Manager) würde interessieren, welche Unternehmensberatungen eingesetzt sind bzw. wurden.


    Viele Grüße


    Johann Haas