
Immer neue Hiobsbotschaften von der A44
Kostenexplosion bei nordhessischer Autobahn setzt sich fort
Aktuelle Entwicklung
Bund/Hessen. Die A 44 in Nordhessen gilt schon lange als eine der teuersten Autobahnen Deutschlands. Deswegen tauchte sie bereits in den Jahren 2000, 2010, 2020 und 2022 im Schwarzbuch auf. Schließlich nehmen die Bauverzögerungen und Kostensteigerungen kein Ende: Im Mai 2024 lagen die genehmigten Gesamtkosten bei über 2,7 Mrd. Euro – geplant waren Anfang der 1990er Jahre ursprünglich einmal umgerechnet 460 Mio. Euro. Dabei handelt es sich bei dem Verkehrsprojekt im Rahmen der Deutschen Einheit um einen gerade einmal 70 Kilometer langen Lückenschluss, der die A 7 bei Kassel mit der A 44 bei Herleshausen-Wommen verbinden soll. Neben den immer weiter steigenden Kosten ist auch die extrem lange Planungs- und Bauzeit von inzwischen über 30 Jahren sehr ärgerlich.
Offenbar war schon 1992 absehbar, dass die Rahmenbedingungen in Nordhessen erhebliche Probleme für die A 44-Erweiterung mit sich bringen würden. Damals wies der Bundesrat in einer Stellungnahme – vermutlich auf Veranlassung des Landes Hessen – darauf hin, dass in Nordhessen „ein relativ konfliktarmer Trassenkorridor für die A 44 nicht gefunden werden kann“. Auch die erheblichen „Eingriffe in Natur und Landschaft“ kamen zur Sprache. Und genau diese schwierigen Rahmenbedingungen sorgen jetzt, 33 Jahre später, für eine weitere Bauverzögerung.
Konkret geht es um den 11,3 Kilometer langen Bauabschnitt im Lossetal zwischen der A 7 bei Kassel und dem bereits fertiggestellten Teilstück der A 44 bei Helsa. Dort finden seit Februar 2025 Kartierungs- und Vermessungsarbeiten statt. Notwendig ist das, weil während des Planfeststellungsverfahrens der aktuellen Vorzugsvariante bemerkt wurde, dass die Unterlagen unvollständig sind. Neben veralteten Umweltdaten (diese stammen aus den Jahren 2016 sowie 2017 und müssen laut Baurecht alle fünf Jahre erneuert werden) sorgt vor allem eine fehlende Alternativtrasse für Probleme. Ohne Vergleichsstrecke wäre die Genehmigung der Vorzugsvariante rechtlich angreifbar. Deswegen prüft die verantwortliche Autobahn GmbH erneut die B 7-Ausbauvariante, die ursprünglich einmal wegen zu hoher Kosten – vor allem für den Lärmschutz – abgelehnt wurde. Der steht bei der aktuellen Untersuchung neben dem Arten- und Trinkwasserschutz im Fokus.
Ein faunistisches Gutachterbüro führt deshalb bis März 2026 Kartierungsarbeiten durch, um die Umweltdaten zu aktualisieren. Die Daten müssen ein Jahr lang erhoben werden, damit die Aufenthaltsorte bestimmter Tierarten in einem vollständigen Zyklus dokumentiert sind. Geprüft wird unter anderem, ob der Lebensraum der Bechsteinfledermaus bei einer Alternativtrasse weniger beeinträchtigt würde als bei der aktuellen Vorzugsvariante. Parallel dazu erledigt die Autobahn GmbH Vermessungsarbeiten, bei denen die Topografie und vor allem die Bestandsbrückenbauwerke im Fokus stehen.
Der Kostenpunkt für die erneuten Kartierungs- und Vermessungsarbeiten liegt bei 300.000 Euro. Rund 410,5 Mio. Euro würde anschließend der Bau der jetzigen Antragsvariante kosten. Entscheiden sich die Verantwortlichen aber für die B7-Ausbauvariante, beginnt dafür zunächst das Planfeststellungsverfahren. Welche Kosten dann für den Lückenschluss anfallen würden, ist noch unklar. Frühester Baubeginn wäre 2031. Im Rahmen der Ausführungsplanung müsste bis dahin in jedem Fall (Antragsvariante oder B7-Ausbauvariante) eine weitere Aktualisierung der Vermessungsdaten erfolgen. Für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler wäre es wohl besser gewesen, wenn die Bedenken bezüglich der Rahmenbedingungen bereits 1992 ernst genommen worden wären. Komplett befahren können sie die neue A44 nach aktuellem Stand frühestens im Jahr 2036 – egal, für welche Variante sich die Verantwortlichen entscheiden.
Was ist passiert?
Bund/Hessen. Die A44 in Nordhessen gilt schon lange als eine der teuersten Autobahnen Deutschlands. Kein Wunder, dass sie nach 2000, 2010 und 2020 nun erneut im Schwarzbuch auftaucht, schließlich nehmen die Kostensteigerungen kein Ende: Allein von Juli 2020 bis Juli 2022 haben sich die genehmigten Gesamtkosten um deutlich mehr als 300 Mio. Euro auf jetzt über 2,7 Mrd. Euro erhöht. Dabei handelt es sich um einen gerade einmal 70 km langen Lückenschluss, der die A7 bei Kassel mit der A4 bei Herleshausen-Wommen verbinden soll. Neben den immer weiter steigenden Kosten ist auch die extrem lange Planungs- und Bauzeit von inzwischen rund 30 Jahren sehr ärgerlich.
Rückblick: Der geplante Lückenschluss gehört zu den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit. Anfang der 1990er-Jahre ging das Bundesverkehrsministerium noch von Kosten in Höhe von umgerechnet 460 Mio. Euro aus. 1995 schätzte das damalige Hessische Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen die Kosten auf umgerechnet 900 Mio. Euro, 2007 war schon von 1,2 Mrd. Euro die Rede, in den 2010er-Jahren von 1,8 Mrd. und im Juli 2020 bezifferte das Hessische Verkehrsministerium die Gesamtkosten auf knapp 2,4 Mrd. Euro. Trotzdem war auch dem Ministerium schon damals klar, dass dies auch nur ein Zwischenstand sein würde.
Im Juli 2022 nannte die inzwischen zuständige Autobahn GmbH des Bundes auf eine Anfrage des Bundes der Steuerzahler als bisher genehmigte Gesamtkosten insgesamt 2,729 Mrd. Euro. Bei 2 der 12 Abschnitte war es gegenüber 2020 zu Kostensteigerungen in jeweils dreistelliger Millionenhöhe gekommen. Da zum Zeitpunkt der Antwort ein Abschnitt noch in der Planung und 6 weitere noch in Bau waren, dürfte das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein. Eine Fertigstellung noch in diesem Jahrzehnt ist ebenfalls nicht zu erwarten.
Laut der Verantwortlichen gibt es eine Reihe von Gründen für die Kostenexplosionen: Neben den Rahmenbedingungen der A44 (Topografie, Ökologie und Siedlungsstruktur) sind es unter anderem Preissteigerungen im Straßenbau, detailliertere Informationen aufgrund des Planungs- und Baufortschritts sowie die Fortschreibung von Richtlinien und von technischen Standards. Außerdem kam es immer wieder zu Umplanungen, Protesten und Klagen.
Laut Autobahn GmbH kamen zuletzt sogar noch Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und – in überschaubarem Rahmen – höhere Aufwendungen für Hygiene- und Abstandsmaßnahmen infolge der Coronapandemie hinzu.
Zumindest dass die Rahmenbedingungen in Nordhessen erhebliche Probleme für die A44 mit sich bringen würden, war offenbar schon 1992 absehbar. Damals wies der Bundesrat in einer Stellungnahme – vermutlich auf Veranlassung des Landes Hessen – darauf hin, dass in Nordhessen „ein relativ konfliktarmer Trassenkorridor für die A44 nicht gefunden werden kann“. Auch die erheblichen „Eingriffe in Natur und Landschaft“ kamen zur Sprache. Für die Steuerzahler wäre es wohl besser gewesen, wenn diese Bedenken rechtzeitig ernst genommen worden wären.
Foto: BdSt Hessen
Alternative Investition
Mit 2,7 Mrd. Euro könnten in Hessen die Erhaltungsmaßnahmen von Autobahnen und Bundesstraßen für mehr als 7 Jahre finanziert werden.
Der Bund der Steuerzahler meint
Dass Planung und Bau einer 70 km langen Autobahn weit mehr als 30 Jahre dauern, ist nicht hinnehmbar, denn dann sind erhebliche Kostenüberschreitungen allein schon durch die Baupreisentwicklung unvermeidlich. Solche Planungsverfahren müssen endlich vereinfacht und beschleunigt werden.
Spenden Sie für unsere Arbeit!
Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.


Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert