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09.11.2021

Kostensteigerung bei der Sanierung des Hauses Marteau in Lichtenberg

Sanierung und Erweiterung des Hauses Marteau laufen aus dem Ruder

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Was ist passiert?

Lichtenberg (BY). Die „Villa Marteau“ am Ortsrand von Lichtenberg ließ einst der berühmte Geigenvirtuose Henri Marteau (geb. 1874, gest. 1934) für sich erbauen. Heute betreibt dort der Bezirk Oberfranken die internationale Musikbegegnungsstätte „Haus Marteau“, eine namhafte Kultureinrichtung. Dort können zum Beispiel internationale Talente der klassischen Musik Meisterkurse besuchen.

Der Bezirk Oberfranken ließ die „Villa Marteau“ umbauen. Es wurden neue zusätzliche Übungs- und Wirtschaftsräume im Gartengeschoss der Villa eingebaut. Bei der Gestaltung der neuen Übungsräume wurden akustische, ästhetische und praktische Gesichtspunkte sorgfältig abgewogen und umgesetzt. Auch wurde ein neuer, weitgehend unterirdischer Konzertsaal errichtet. Der Konzertsaal erhält ein Gründach, wodurch die freie Ansicht auf die denkmalgeschützte „Villa Marteau“ erhalten bleibt und der Saal sich harmonisch in die historische Parkanlage einfügt.

„Mit der nun umgesetzten Lösung können künftig mehrere Meisterkurse parallel stattfinden, was einen effizienteren Personaleinsatz ermöglicht. Zudem ist der Saal so konzipiert, dass er nicht nur für Konzerte, sondern auch als Unterrichtsraum eingesetzt wird, was die Auslastung deutlich verbessert und den Nutzen der Einrichtung erhöht“, so der Bezirk Oberfranken.

Doch leider mussten bei dem ehrgeizigen Projekt die Kosten immer wieder nach oben korrigiert werden – von ursprünglich veranschlagten 3,32 Mio. Euro auf rund 5,1 Mio. Euro. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Man hatte zum einen mit einem sehr felsigen Untergrund zu kämpfen. So haben sich nach Mitteilung des Bezirks Oberfranken zum Beispiel „beim Eintiefen der Baugrube, trotz vorher erfolgter Sondagebohrungen, erhebliche Schwierigkeiten ergeben, die dann auch zu Verzögerungen und Kostenmehrungen bei anderen Gewerken geführt haben“. Die Gewährleistung der Barrierefreiheit bei der Um- und Neubaumaßnahme – so zum Beispiel ein innenliegender Aufzug in der denkmalgeschützten Villa, ein barrierefreier Zugang zum Konzertsaal, die Sanierung von außenliegenden Treppenanlagen und weitere barrierefreie Zuwegungen im Außenbereich – zollte weiteren Tribut. Generelle Baupreissteigerungen und konjunkturbedingte höhere Ausschreibungsergebnisse taten ihr Übriges.

Doch nicht nur die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. Auch der geplante Fertigstellungstermin musste immer wieder verschoben werden. Statt im Jahr 2019 wird die frisch sanierte Musikbegegnungsstätte erst dieses Jahr ihre Pforten öffnen können. Auch wenn das Prestigeprojekt des Bezirks Oberfranken mit 852.600 Euro vom „Kulturfonds Bayern“ und mit 668.000 Euro von der „Oberfrankenstiftung“ gefördert wird, bleiben immerhin knapp 3,6 Mio. Euro beim Bezirk Oberfranken hängen.

Foto: Maria Ritch/Michael Stocker

Der Bund der Steuerzahler meint

Letztlich sind wieder einmal die Steuerzahler die Leidtragenden dieser Kostensteigerung. Zu hoffen bleibt, dass die neu sanierte Musikbegegnungsstätte zu hoher Akzeptanz nicht nur bei Musikern, sondern auch in der Bevölkerung führen wird.

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Autor des Artikels

Maria Ritch

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  • user
    Halgard Stolte 17/02/2022 um 12:28
    Der Konzertsaal (!) in Lichtenberg wurde für eine Summe gebaut, die für ein städtisches Umfeld geradezu lachhaft sind. Hier wird für das Land wieder einmal andere Massstäbe angelegt, wie für die Stadt.

    Der Konzertsaal der Villa Marteau ist eines der wenigen Säle in der Region, und kann von den Landkreisen Kronach, Hof, Plauen, Coburg, Saale-Orla, Saalfeld-Rudolstadt, Kulmbach und sogar bis nach Cheb (CZ) genutzt werden. Es gibt im ganzen Umkreis kein vergleichbares kulturelles Highlight.

    Wie sehen Sie denn im Vergleich die Kosten der Renovierung der Isarphilharmonie als "Zwischenlösung" für 40 Millionen? Die Grünen sprechen gar von einem "Kostendeckel" bei ganzen 450 Millionen Umbaumassnahme für den Gasteig. In Nürnberg wird gerade auch ein Konzertsaal zu 240 Millionen gebaut.

    Es ist wirklich schade, dass so ein tolles Projekt wie der Konzertsaal des Hauses Marteau zu geringen Kosten von 4-5 Millionen von diesen Artikeln und Initiativen verunglimpft wird.

    Im Gegenteil - das Projekt sollte als Leuchtturmprojekt einer Kulturförderung im ländlichen Raum zu minimalen Kosten erwähnt werden.

    Sie sollten sich schämen.