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  • Baden-Württemberg
  • Kostenexplosion
09.11.2021

Großes Geld statt kleinem Steg

Kosten für Brückensanierung steigen rasant an

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Was ist passiert?

Nürtingen (BW). Als sich der Gemeinderat Nürtingens Anfang 2020 für die von der Verwaltung vorgeschlagene „große Lösung“ bei der maroden Tiefenbachbrücke aussprach, wunderten sich viele der 40.000 Einwohner über die Dimensionen des Bauwerks: Statt des 1,30 m breiten Holzstegs soll eine 2,50 m breite und 10 m lange Aluminium-Brücke inklusive komplett neuem Unterbau die Fußgänger und Radfahrer über den schmalen Tiefenbach führen.

Ziel ist es laut Nürtinger Tiefbauamt, für die nächsten 80 Jahre eine haltbare Brücke ohne ständige Erneuerungsmaßnahmen zu bekommen, die letztlich für noch höhere Kosten sorgen würden.

Als Gesamtbetrag für das neue Bauwerk wurden 260.000 Euro genannt. Eine stolze Summe, befanden neben vielen Gemeinderäten auch zahlreiche Bürger der Neckarstadt.

Umso größer waren Überraschung und Verärgerung, als bekannt wurde, dass diese Summe nicht annähernd zu halten sein würde. Weil beim Ortstermin mit dem Bodengutachter zur Abnahme der Baugrubensohle die Aushubbeschaffenheit nicht mit dem Baugrundgutachten übereinstimmte, musste die geplante freie Böschung durch einen Verbau standsicher gemacht werden. Diese zusätzlichen Arbeiten sorgten für Zusatzkosten ebenso wie die plötzliche Feststellung, dass das Aushubmaterial belastet ist und daher speziell entsorgt werden muss. „Die Baugrunduntersuchung wurde punktuell durchgeführt. Wenn der Schichtenaufbau dann beim Aushub der Baumaßnahme vom Bodengutachten abweicht, kann dies dem Gutachter nicht zur Last gelegt werden. Dies ist das Baugrundrisiko, welches der Bauherr trägt“, schreibt dazu die Stadt Nürtingen, Bauherrin des Brückenprojekts, auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler Baden-Württemberg.

Unverständnis für den Ablauf des Brücken-Neubaus äußert der Nürtinger Gemeinderat Raimund Braun. Für ihn sei das Projekt eine „völlige Fehlplanung“. Und zwar von Beginn an. „Dem Gemeinderat wurden hierfür nie korrekte Kostenberechnungen oder Planungsunterlagen vorgelegt“, sagte Landschaftsarchitekt Braun.

Kritik äußerte der Gemeinderat auch an der Vorgehensweise am Bau. Geht es nach ihm, hätte es das Fundament in dieser Art und Dimension für diese Brücke über den schmalen Tiefenbach nicht gebraucht. Dann hätte es die plötzlich zusätzlich notwendigen Arbeiten verbunden mit nach oben schnellenden Kosten auch gar nicht erst benötigt, ist sich der Architekt sicher. Er geht davon aus, dass man hier für „50.000 bis 80.000 Euro eine gute und absolut ausreichende Brücke hätte bauen können“.

Am Ende belaufen sich die Gesamtkosten für die im Juni eröffnete Brücke auf 330.000 Euro – satte 70.000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Hochgerechnet auf den Zeitraum von 80 Jahren schlägt die Brücke laut einem Bericht der Nürtinger Zeitung mit den – jetzt von 3.000 auf 4.000 Euro gestiegenen – Abschreibungskosten und den Investitionskosten gar mit 660.000 Euro zu Buche. Lediglich eine Sanierung des Unterbaus mit neuer Brücke als teuerste Alternative wurde mit 560.000 Euro berechnet und wäre damit um 100.000 Euro günstiger gewesen. Mittlerweile haben in diesem Fall sowohl die Nürtinger Stadtverwaltung als auch der Gemeinderat auf die vom Bund der Steuerzahler medial vorgetragene Kritik reagiert und wollen die Tiefenbachbrücke sowie auch weitere in den letzten Jahren finanziell aus dem Ruder gelaufene Projekte im Stadtgebiet ausgiebig nach Fehlerquellen unter die Lupe nehmen.

Foto: Daniel Bilaniuk

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Bau der Nürtinger Tiefenbachbrücke ist ein Negativbeispiel, wie mit Steuergeld umgegangen wird. Dabei müsste es gerade in Zeiten meist knapp gefüllter Stadtkassen bei Bauprojekten nicht immer die große Lösung, verbunden mit hohen Kosten, sein. Weniger ist manchmal mehr.

Äußerst lobenswert ist das Vorgehen der Stadt, jetzt nach den Gründen für die Kostensteigerungen zu suchen, um solche Fehler in Zukunft nicht mehr zu machen

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Autor des Artikels

Daniel Bilaniuk

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