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  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Verschwendung droht
09.12.2020

Großer Stein für großes Geld

Der Große Stein auf dem Klosterberg von Altentreptow ist nicht nur besonders groß. Es ist auch besonders teuer, ihn zu heben.

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Was ist passiert?

Altentreptow. Dieser Teil der Ortsgeschichte reicht viele zehntausend Jahre zurück. Vermutlich mit der Weichsel-Eiszeit gelangte ein großer Findling, heute von allen „Großer Stein“ genannt, nach Altentreptow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Seine Maße sind gewaltig: 8 Meter lang, 6 Meter breit und 5 hoch – das ist der oberirdische Teil des Großen Steins, von dem jedoch lediglich ein Drittel über der Erde zu sehen ist. In den Tiefen des Klosterberges versteckt sich also ein echter Koloss.

Der Große Stein ist das Wahrzeichen der kleinen Stadt.  Er ist ein beliebtes Fotomotiv und seit jeher gibt es Bemühungen, die Dimensionen des Findlings sichtbarer zu machen. Darüber bestand zuletzt auch in der Altentreptower Stadtvertretung Konsens. Industrie und Wirtschaft hat die Region kaum zu bieten, dafür ist der Treptower Tollensewinkel eine beliebte Touristenregion. Und für die braucht es, so entschieden sich die Stadtrepräsentanten schon vor einiger Zeit, einen zentralen Anlaufpunkt, ein Highlight – den Großen Stein. Seit einigen Jahren wird das Areal des Klosterberges Stück für Stück touristisch erschlossen. Insgesamt ist ein Investitionsvolumen von 1,3 Millionen Euro vorgesehen.

Ein zentrales Vorhaben jedoch ist die „Hebung“ des Großen Steins, um ihn für Besucher erlebbarer zu machen. Dass es sich dabei um ein Großvorhaben handelt, liegt in der Natur der Sache. Man entschloss sich für die „günstigste“ Variante. Über ein ausgeklügeltes Flaschenzugsystem soll der Stein weitere zwei Meter aus der Erde gehoben werden. Der Preis dafür: 180.000 Euro. Freilich liegt der Findling auch nach dieser Aktion noch zum weitaus größten Teil unter der Erde. Es ist daher fraglich, ob eine Hebung dazu führt, dass mehr Touristen als bisher den Weg zum Großen Stein finden. Eine Schätzung über den möglichen Zuwachs von Touristenströmen liegt nicht vor.

Die Mittel für das Projekt hat die Stadt jetzt erfolgreich beim Land eingefordert. Sowohl der Vorpommern-Fonds als auch der Strategiefonds fördern mit jeweils 70.000 Euro diese Maßnahmen. Die Stadt Altentreptow stemmt einen Eigenanteil von 40.000 Euro, bei dem die Hälfte aus Spenden der Bürgerinnen und Bürger stammt. Danach gefragt, ob sich in Zeiten der Corona-Pandemie, unter der auch die Tourismusindustrie besonders unter der Belastung ächzt und zahlreiche Menschen um ihre berufliche Existenz fürchten, solche Ausgaben wirklich noch rechtfertigen lassen, gibt sich der Altentreptower Bürgermeister nachdenklich aber entschlossen: „Die Corona- Pandemie hält uns alle in Atem, aber das, was viele Bürgerinnen und Bürger in dieser Zeit brauchen, ist Verlässlichkeit und eine Kultur des Miteinander und Füreinander. Aus diesem Grund sollte man nicht alle über Jahre hinweg politisch gewollte Entscheidungen in Frage stellen. Selbstverständlich betrachten wir gerade in dieser Zeit jede Ausgabe sehr kritisch, sind aber dennoch nach dem erfolgreichen Einwerben von Fördergeldern zu dem Schluss gekommen, unser Vorhaben „Großer Stein" umzusetzen.“ So scheint das auch das Land zu sehen, denn die Fördermittel wurden inmitten der Pandemie mit negativen Steuerschätzungen und hoher Neuverschuldung bewilligt.

Doch ob die Hebung von fünf auf sieben Meter diese Ausgaben rechtfertigt, noch dazu, nachdem die Stadtvertretung nur wenig später umfangreichen Steuererhöhungen und einem Haushaltssicherungskonzept zugestimmt hat.
 

Foto: anonym

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Wunsch der Gemeinde ist nachvollziehbar. Sehr offen wurde mit unserer Anfrage umgegangen. Doch der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern meint, dass das zu erwartende Ergebnis die Kosten nicht rechtfertigt.  Hier droht eine Verschwendung von Steuermitteln. Hinzu kommt, dass in Zeiten von Neuverschuldung und ungewisser Einnahmesituation jede Ausgabe auf den Prüfstand gestellt werden muss – auch wenn es schmerzhaft ist.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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Bemerkungen :

  • user
    Herr Frommer 21/12/2020 um 11:59
    Ok, wenn der Stein wichtig ist, dann könnte man die Sache auch günstiger lösen. Daduch gibt es auch auch ein großes sichtbares Einsparptential.
    Das Umfeld wird nur bis zu einer Tiefe von ca. 2 m oder tiefer aufgegraben, dann läßt man es so und macht noch eine kleine Böschung.
    Und siehe da, der Stein bleibt in seiner historischen Lage und ist sichtbar!
    Ziel erfüllt und Kosten sparend.
  • user
    Erika Clasen 18/12/2020 um 19:44

    Wir haben's ja, auf jeden Fall keine anderen Sorgen!