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  • Berlin
  • Kostenexplosion
11.11.2020

Golda-Meir-Steg

Fußgängerbrücke wird fünfmal teurer

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Was ist passiert?

Im Schwarzbuch 2017 hatte der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass die geplanten Baukosten für eine Fußgängerbrücke schon vor Baubeginn um 1 Mio. Euro gestiegen waren. Damals war der Standort in der „Europacity“ noch eine wüste Baustelle. Drei Jahre später ist die Brücke in dem neuen Stadtquartier zwar noch nicht ganz fertig, ihre Baukosten sind aber schon ähnlich in den Himmel gewachsen, wie die Gebäude ringsherum.

Nördlich des Berliner Hauptbahnhofs entsteht seit Jahren das neue Stadtquartier „Europacity“ als eines der zentralen Entwicklungsgebiete der Hauptstadt. Das Areal war zuvor jahrzehntelang ein „Niemandsland“ zwischen Ost und West.

In einem städtebaulichen Vertrag hatte sich das Land Berlin 2011 dazu verpflichtet, unter anderem eine Fuß- und Radwegbrücke über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal zu bauen. Im Jahr 2014 fand daher ein Realisierungswettbewerb statt. Der Sieger wurde dann auch mit der weiteren Planung beauftragt. Allerdings ging der Berliner Senat schon 2017 davon aus, dass die bisher auf Basis dieses Wettbewerbs geschätzten Baukosten von knapp 1,9 Mio. Euro nicht ausreichen würden. Bereits vor Baubeginn plante er mit Gesamtkosten von 2,9 Mio. Euro.

Laut einer Berichtsvorlage des Senats aus dem Jahr 2017 resultierten diese Mehrkosten „ausschließlich aus technisch notwendigen Änderungen“ im Zuge des Planungsfortschritts sowie auf „Anpassungen aufgrund der aktuellen Baupreisentwicklung“. Im Rahmen der vertiefenden Planung sei lediglich der Wettbewerbsentwurf umgesetzt worden. Gegenüber dem Bedarfsprogramm gebe es „daher keine inhaltlich-konzeptionellen Abweichungen“.

Der Bericht zeigte allerdings auch, dass die Kostenschätzung in den Wettbewerbsunterlagen viele Positionen offenbar nicht ausreichend berücksichtigt hatte. So fehlte z. B. die Position Schwingungsdämpfer, weil im Wettbewerb die Schwingungsanfälligkeit nicht geprüft worden war. Der Aufwand für die architektonische Gestaltung der Treppenanlage und der Brückenwiderlager waren damals ebenfalls nicht ausreichend berücksichtigt worden. Für das Stahlgeländer war zu wenig Material veranschlagt und der Aufwand für das Ausschneiden der Ornamente unterschätzt worden. Die Erhöhung der Baukosten führte wiederum zu einer Erhöhung des Kostenansatzes für Planung, Bauüberwachung und den statischen Prüfer.

Eigentlich sollte die Stahlbrücke mit der auffällig ornamentierten Brüstung bereits ab Dezember 2018 ein wichtiges Element der touristischen Infrastruktur zur Verbindung der ehemals geteilten Stadtteile Moabit und Mitte bilden. Nach zunächst erfolglosen Ausschreibungen begannen aber erst ein Jahr später überhaupt die Arbeiten zur Baustelleneinrichtung. Im Oktober 2020 wurde dann der 78 Meter lange und 190 Tonnen schere stählerne Brückenüberbau angeliefert und zwar mit dem Schiff über 1.600 km Wasserweg aus dem bayerischen Deggendorf.

Die Gesamtkosten für das Land Berlin wurden zuletzt mit ca. 9,6 Mio. Euro angegeben und liegen damit um mehr als das fünffache über der ursprünglichen Kostenschätzung.

 

Foto: Alexander Kraus, BdSt Berlin

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Der Bund der Steuerzahler meint

Wenn die Kostenschätzung so eklatant von den tatsächlichen Kosten abweicht, stellt sich die Frage, welchen Wert diese für das Parlament, das letztlich über den Bau und das Budget entscheidet, überhaupt hat. Gegebenenfalls hätte sich die Wettbewerbsjury bei realistischen Kostenschätzungen für eine andere Wettbewerbsarbeit entschieden.

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Autor des Artikels

Alexander Kraus

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Bemerkungen :

  • user
    Dr. Paul Werner Ungerer 04/12/2020 um 17:09
    Leider kann man Text nicht herunterladen. Wieso?
  • user
    Gert-U. Sandmann 20/11/2020 um 11:57
    "Die Gesamtkosten für das Land Berlin wurden zuletzt mit ca. 9,6 Mio. Euro angegeben und liegen damit um mehr als das fünffache über der ursprünglichen Kostenschätzung."
    So lautet der letzte Absatz. Wie schon vorher im Text wird auch hier leider die deutsche Sprache missachtet. Natürlich teile ich die Ansicht, dass in diesem wie auch in vielen anderen Fällen das Geld der Bürger zum Fenster hinausgeworfen wird. Und ich finde es gut, dass Sie und anderen solche Misswirtschaft aufdecken und veröffentlichen.
    Sie sollten dabei aber bei der Wahrheit bleiben. 5 x 1,9Mio. sind 9,5Mio.
    Das heißt die Kosten sind 5 mal so hoch wie die ursprüngliche Schätzung, liegen also nicht um das 5-fache darüber, sondern um das 4-fache.
    • user
      Alexander Kraus (BdSt Berlin e.V) 20/11/2020 um 13:19
      Sehr geehrter Herr Sandmann,

      mhmm, jetzt muss ich tatsächlich grübeln, ob Sie damit nicht womöglich recht haben. Nun funktioniert Sprache oftmals nicht so wie mathematische Formeln. Nehmen wir einmal an, eine Maßnahme würde das fünffache kosten. Sie würde 500% vom ursprünglichen Plan oder 400% mehr kosten.

      Man kann jedenfalls sagen, dass sie über der ursprünglichen Kostenschätzung liegt. Nur um das wievielfache? Um den Faktor 5 darüber, also um das das fünffache, würde ich sagen?

      Wenn etwas dreimals so teuer wird, würde man denn sagen, dass etwas um das doppelte über der unsprünglichen Kostenschätzung liegt?

      Also ich tendiere jedenfalls zu der Aussage, dass die Brücke über der ursprünglichen Kostenschätzung liegt und zwar multipliziert um das fünffache und nicht ursprüngliche Kostenschätzung plus nochmals das vierfache der Kostenschätzung.

      Immerhin dürfte wenigstens die Überschrift unstrittig sein, dass die Brücke fünfmal teurer wird, oder?

      Mit freundlichen Grüßen
      Bund der Steuerzahler Berlin e.V.
      Dipl.-Volkswirt Alexander Kraus
      Vorstandsvorsitzender