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16.05.2022

EU-Spiel verherrlicht Staatsausgaben

80.000 Euro, um fragwürdiges Spiel „Taxlandia“ am Leben zu halten

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Was ist passiert?

Europäische Union. Die Europäische Union gibt seit Jahren Steuergeld dafür aus, jungen Menschen die Vorzüge des Steuerzahlens und von Staatsausgaben spielerisch nahezubringen. Dies geht aus Recherchen des BdSt hervor.

Zum Hintergrund: Bereits im November 2017 hatte die EU hat ein Spiel veröffentlicht, mit dem künftige Steuerzahler lernen sollen, wie toll es ist, Steuern zu zahlen. Der Spieler taucht über sein Smartphone, Tablet oder den Browser in die fiktive Welt eines Staates namens „Taxlandia“ ein. Das „Taxlandia“-Wortspiel (tax, englisch für Steuern) macht klar, wo sich der Spieler befindet: in einem Steuer-Land. Dieses Land ist laut Spielbeschreibung heruntergekommen – nicht zuletzt wegen eines niedrigen Steuersatzes, den die Vorgängerregierung festgelegt hat. Die Infrastruktur ist in einem desolaten Zustand, die Bevölkerung ist unzufrieden, da Steuern erhöht werden sollten.

Aufgabe des Spielers ist es nun, das Land als Ministerpräsident wieder auf Vordermann zu bringen. Im Spiel ist dies ganz einfach: Steuern rauf, kräftig investieren – und schon steigt die Zufriedenheit. Es dauert nur wenige Spielzüge und das Spiel lobt: „Glückwunsch! Du hast alle Aufgaben erledigt! Du gehörst zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, diesem Land wieder zum Aufschwung zu verhelfen! Du wirst direkt in die Geschichtsbücher eingehen!“. Die Botschaft mit den vielen Ausrufezeichen ist klar: Höhere Steuern und Staatsausgaben steigern die allgemeine Zufriedenheit!

Überraschend ist diese Botschaft nicht, wurde das Spiel doch von Organisationen ins Leben gerufen, die auf das Geld der Steuerzahler angewiesen sind: das Europäische Parlament und die Europäische Kommission. Rund 75.000 Euro hatte die EU damals für die Entwicklung des Spiels ausgegeben. 

Dabei ist es nur Teil eines größer angelegten EU-Projekts zur Steuernachhilfe der künftigen Steuerzahler. So soll das Internetportal „TAXEDU“ (engl. tax: Steuern; education: Bildung) einen „Beitrag zur Bildung junger europäischer Bürger im Bereich Steuern“ leisten, so die EU. Der Zielgruppe der 9- bis 25-Jährigen soll vor Augen geführt werden, welche Vorteile es hat, Steuern zu zahlen. Durch „Taxlandia“ sollen diese Vorteile anschaulich gemacht werden: Im Spiel macht es die Menschen einfach glücklich, wenn der Staat Feuerwehren, Polizei- oder Verwaltungsgebäude saniert. Das Glück vergrößert sich sogar, wenn der Staat unternehmerisch tätig wird und das Geld der Steuerzahler für Hotels, Fabriken und sogar Villen und Banken ausgibt. In den Träumen der EU-Beamten sind die Bürger selbst bei Steuersätzen von mehr als 75 Prozent noch immer mehrheitlich zufrieden. Ebenso erstaunlich ist: Flughäfen, Theater und Bahnhöfe sind im Handumdrehen fertiggestellt, Bauverzögerungen und Kostensteigerungen unbekannt. Steuergeldverschwendung: kein Thema.

Dabei sollte auch diese Seite der beleuchtet werden. Denn mit den Ausgaben für die erstmalige Entwicklung des fragwürdigen Spiels war es nicht getan. Seither wurden aus dem EU-Budget fast 80.000 Euro für den Betrieb des Spiels sowie kommunikative Maßnahmen aufgewendet. Dies geht aus der Antwort eines EU-Beamten auf die Anfrage des BdSt hervor. Demnach wurden in den Jahren 2018 bis 2022 rund 59.000 Euro für den Betrieb ("technical maintenance") ausgegeben bzw. veranschlagt. Weitere Ausgaben kamen für kommunikative Maßnahmen ("communication activities") hinzu.

Hoffnung gibt, dass ein Spiel offenbar nicht gut ankommt, das dermaßen einseitig hohe Steuern und Staatsausgaben preist. In den App Stores von Apple bzw. Google erhält das Spiel mehr als 4 Jahre nach dem Start eine durchschnittliche Bewertung von lediglich 2 bzw. 2,5 von 5 möglichen Sternen.

Foto: Philipp Behm

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Eine gute Bildung zu fiskalischen Zusammenhängen ist wichtig. Diesen Bildungsauftrag verfehlt die EU jedoch – wegen Realitätsferne. Stattdessen gaukelt sie eine heile Welt der Staatswirtschaft vor, in der hohe Steuern und Staatsausgaben glücklich machen.

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Autor des Artikels

Philipp Behm

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Bemerkungen :

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    Vinzenz Willim 31/05/2022 um 18:41

    Stimmt, nach der Logik könnt ich auch einfach in Österreich die Steuern raufdrehen und dann die Zusatzeinnahmek dazu verwenden aus Ö. eine nukleare Supermacht zu machen.

  • user
    Markus Böller 19/05/2022 um 10:50

    Deutschlands Realität ist die Weiterentwicklung von Taxlandia:



    Die Steuersätze hier sind hoch und das Land trotzdem marode.


    Kein Wunder, wenn politische Gremien erst mal beschließen müssen, dass es gut sei, Geld sinnvoll auszugeben.

  • user
    Oliver Matthiesen 18/05/2022 um 13:27

    Es überrascht mich, dass dieses (Gehirnwäsche-Steuer)-"Spiel" überhaupt Anwendung findet! Und dann auch noch mit 2 Sternen vergütet wird!?