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  • Berlin
  • Verschwendung droht
27.10.2020

Eine Utopie wird baden gehen

Flussbad im Spreekanal droht utopisch teuer zu werden

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Eine Utopie wird baden gehen

Berlin. Der Berliner Senat hat im Dezember 2019 das Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ beschlossen. Obwohl es die Idee seit mehr als 20 Jahren gibt, tauchten zum Jahreswechsel erstmals Zahlen zu den geschätzten Kosten auf. Der Bund und das Land Berlin wollen knapp 6,5 Mio. Euro für den Bau einer Freitreppe am Ufer direkt vor dem Humboldt-Forum bereitstellen. Sie ist allerdings erst der Auftakt zu einem gewaltigen Umbauprojekt, bei dem der gesamte Bereich des 1,9 km langen Spreekanals neu gestaltet werden soll.

Im Einzelnen: Auf Höhe des Märkischen Museums soll zunächst bis zur Gertraudenbrücke ein naturnaher Wasserlauf mit einer idyllischen Parklandschaft angelegt werden. Daran soll sich ein 300 m langer Abschnitt mit einem biologischen Filter anschließen, der das mit Fäkalien belastete Spreewasser auf Badewasserqualität reinigt.

Die schieren Ausmaße dieses Bauwerks lassen den Bund der Steuerzahler allerdings aufhorchen. So müsste der Spreekanal über einen längeren Zeitraum trockengelegt werden, um im Kanal auf einer Länge von 300 m einen Düker aus Betonfertigteilen einzubauen – eine Art doppelter Boden. Auf dem Düker soll der Bio-Wasserfilter aus Kies und Schilf aufgebracht werden. Damit dieses Bauwerk bei Starkregen nicht wie ein Staudamm wirkt und sich Fäkalien aus der überquellenden Mischwasserkanalisation über den Filter ergießen, öffnen sich bei Bedarf eine Etage tiefer Klappen, die das Spreewasser unter dem Filter hindurchleiten. Bei schönem Wetter sind die Klappen dieses doppelten Bodens geschlossen, sodass in dem dahinterliegenden Kanalabschnitt auf einer Länge von mehr als 800 m bis zum Bodemuseum in biogefiltertem Abwasser geschwommen werden kann.

Kritiker des Projekts bezweifeln allerdings die technische Wirksamkeit des Biofilters und stellen die Frage, warum die Mittel nicht besser für die Beseitigung der Fäkalienbelastung an ihrer Quelle eingesetzt werden. Bedenken wurden auch unter Denkmalschutzgesichtspunkten geäußert. Denn die angrenzende Museumsinsel ist als UNESCO- Welterbestätte in seiner jetzigen Form ein einzigartiges kulturelles und städtebauliches Denkmalensemble.

Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstmals Ende 2019 mit 77 Mio. Euro prognostizierten Gesamtkosten hatte der Bund der Steuerzahler angesichts der Komplexität und langen Laufzeit des Stadtumbauprojekts bezweifelt. Nach dem Rücktritt der zuständigen Senatorin berichteten Medien im August 2020, dass weitere Kosten von rund 100 Mio. Euro vorsätzlich verschwiegen worden sein sollen. Bis die Berliner am Humboldt-Forum tatsächlich in die Fluten springen können, dürfte noch einiges Wasser die Spree hinabfließen – in der Abgeordnetenhausdrucksache ist von einem Umsetzungszeitraum von 15 Jahren die Rede.

Foto: Alexander Kraus

 

Alternative Investition

Mit den Kosten könnte rund die Hälfte des Sanierungsrückstaus bei den Berliner Bädern beseitigt werden.

 

 

Der Bund der Steuerzahler fordert

Angesichts der katastrophalen Neuverschuldung der Hauptstadt sollten die knappen Haushaltsmittel besser für das Schul- und Vereinsschwimmen statt für eine fragwürdige städtebauliche Utopie ausgegeben werden.

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Autor des Artikels

Alexander Kraus

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  • user
    Dr. rer. nat. Heide Ellerbrock 30/10/2020 um 17:33

    Die pekuniäre Betrachtung ist ein Aspekt der Beurteilung, die unzureichende Wasserqualität ein anderer. Haushalte, Krankenhäuser, usw. leiten ihre Abwässer ungeklärt in die Kanalisation, die dann über 26 Notüberläufe bei nur mäßig starkem Regen, 30 – 60mal pro Jahr, in die Spree gelangen. Zehn kanalisationsüberläufe fließen mit der Kloake direkt in den Spreekanal. Aus diesem Grund besteht ohne Ausnahmereglung absolutes Badeverbot, über das sich der Verein hinwegsetzt. Er lässt beim Pokalwettbewerb einen Haftungsausschluss unterzeichnen und entzieht sich damit der Verantwortung. Selbst unsere Kläranlagen schwemmen permanent sogenannte „gereinigte“ Abwässern mit gesundheitsschädlichen Stoffen in die Flüsse. Der Verein will die Reinigung allein mit dem geplanten Pflanzen-KiesFilter bewerkstelligen. 2020 musste selbst das Vorstandsmitglied des Flussbadvereins zugeben, bisher keine Lösung für die Probleme gefunden zu haben. Zunächst wären Klärwerk-Nachrüstungen und Zwischenspeicher gegen Kanalisationsüberläufe erforderlich, bevor an ein Bad überhaupt gedacht werden kann. Die über drei Monate in der Badesaison 2018/19 vorhandenen Algenteppiche im Spreekanal hätten zur Schließung eines Bades geführt und haben die Filter in der Versuchsanlage verstopft. Umbau war die Folge. Weitere Geldverschleuderungen stehen an. Stellen für Gebietsbeauftragte wurden ausgeschrieben mit der Hauptaufgabe: „Das Flussbad zum Fließen bringen“. Unerkundbar sind die Folgekosten für Instandhaltung und Pflege und bei Übernahme der Bundeswasserstraße in
    den Landesbesitz all die Kosten für die Sanierung und Erhaltung des Kanals. Die unendliche Geschichte des BER hat ein Ende, sie ließe sich hier aber fortschreiben.