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14.09.2022

Doppeltes Bundeskanzleramt

Teurem Erweiterungsbau droht zudem Kosten-Explosion

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Aktuelle Entwicklung

Berlin. 777 Mio. Euro wird der geplante Erweiterungsneubau des Bundeskanzleramts in Berlin laut der aktuellen Kostenermittlung kosten. Das sind 292 Mio. Euro mehr als zunächst genehmigt wurden. Die ohnehin schon hohen Kosten für den Erweiterungsneubau des Bundeskanzleramts in Berlin laufen somit bereits vor dem ersten Spatenstich aus dem Ruder.

Zur Erinnerung: Für den Neubau wurden Gesamtkosten von 485 Mio. Euro genehmigt. Später wurde bekannt, dass die Bundesregierung davon ausgeht, dass der Bau zuzüglich Baukostensteigerungen und Risikokosten rund 601 Mio. Euro kosten könnte. Nun steigt die Kostenprognose erneut. Die Bundesregierung geht von Gesamtbaukosten in Höhe von rund 637 Mio. Euro aus. Hinzu kommen 140 Mio. Euro Risikopuffer für erwartete Baukostensteigerungen – zusammen eben 777 Mio. Euro.

Die gestiegenen Kosten sind nach Angaben der Bundesregierung vor allem Auf Baukostensteigerungen zurückzuführen. Hinzu kamen Umplanungen und Anforderungen des Landes Berlin aus dem Bebauungsplanverfahren.

Der Grund für die Erweiterung ist, dass die Anzahl der Mitarbeiter sich seit dem Umzug nach Berlin stark gestiegen ist – von 530 Beschäftigte, als das aktuelle Gebäude im Jahr 2021 bezogen wurde, auf aktuell 846 Mitarbeiter, wie ein Regierungssprecher auf BdSt-Anfrage erklärt. Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus mit 400 neuen Büros sollen alle Berliner Beschäftigen an einem Standort untergebracht werden, heißt es weiter.

Durch den Aufwuchs der Mitarbeiter wurden seit 2006 Büros in anderen Gebäuden angemietet und sukzessive ausgeweitet. Mittlerweile werden mehr als 11.000 qm Bürofläche angemietet, was alleine in diesem Jahr rund 6,6 Mio. Euro kostet. Insgesamt sind seit Beginn der Anmietungen Kosten von mehr als 30 Mio. Euro angefallen.

Seit Jahren gibt es Kritik an hohen Baukosten für den Erweiterungsbau. Auf BdSt-Anfrage, warum die Pläne für den Neubau trotz gestiegener Kosten und öffentlicher Kritik nicht überarbeitet werden, um eine kostensparendere Lösung zu finden, antwortet ein Regierungssprecher: „Aufgrund des Urheberrechtes von Schultes Frank Architekten, die 1993 als erste Preisträger aus einem Realisierungswettbewerb für das heutige Bestandsgebäude hervorgegangen waren, wurde das Büro auch mit der Planung für den Erweiterungsbau beauftragt.“

Was ist passiert?

Bund. Das Bundeskanzleramt in Berlin ist mit mehr als 25.000 qm Nutzfläche größer als das Weiße Haus in Washington, D.C. oder der Élysée-Palast in Paris. 2001 wurde der 262,5 Mio. Euro teure Bau bezogen. Weniger als 20 Jahre nach dem Erstbezug ist der Amtssitz der Bundesregierung bereits wieder zu klein.

So wird ein Erweiterungsbau am gegenüberliegenden Spree-Ufer vorbereitet. Wenn das neue Gebäude wie geplant 2028 bezogen wird, würde sich damit die Nutzfläche des Regierungssitzes verdoppeln. 2023 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Grund für den Erweiterungsbau sei laut Bundesregierung akuter Platzmangel. Die Zahl der Beschäftigten im Kanzleramt sei von 410 auf 750 gestiegen, hieß es im Januar2019, als die Pläne erstmals vorgestellt wurden. Mittlerweile dürften es noch mehr Mitarbeiter sein. Da der Kanzleramtsbau für maximal 460 Arbeitsplätze ausgelegt worden war, sind viele Mitarbeiter längst in anderen Gebäuden außerhalb des Kanzlerparks untergebracht. Durch den Neubau sollen bis zu 400 neue Büros hinzukommen, damit künftig wieder alle Beschäftigten auf dem Gelände des Kanzleramts arbeiten können.

Für den Neubau wurden Gesamtkosten von 485 Mio. Euro genehmigt. Doch bereits heute – vor dem ersten Spatenstich – ist abzusehen, dass das Gebäude noch teurer wird. Die Kostenermittlung beruht auf dem Preisstand 2019. Seitdem sind insbesondere die Baupreise teils kräftig gestiegen. Zudem hegt der Bundesrechnungshof Zweifel daran, dass bereits alle zu erwartenden Kosten überhaupt bekannt sind. Das für Bau zuständige Bundesinnenministerium prognostizierte die Gesamtkosten unter Berücksichtigung möglicher Risiken auf 600 Mio. Euro. Diese Zahl gibt auch das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung auf ihrer Website als Kostenprognose an, allerdings mit der Bemerkung „ohne Tunnel“.

Zu dem Neubau war eine oberirdische Zufahrt geplant, die durch einen städtischen Park führen soll. Dies lehnt jedoch der Bezirk Berlin-Mitte ab. Deshalb soll nun ein Tunnel gebaut werden, der nach ersten neuen Planungen zusätzliche Kosten von rund 39 Mio. Euro verursachen wird. Somit könnte der Bau am Ende stattliche 639 Mio. Euro kosten.

Foto: Philipp Behm

Alternative Investition

Für 777 Mio. Euro könnten mehr als 330 Brücken an Bundesfernstraßen saniert werden.

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Der Bund der Steuerzahler fordert

Angesichts hoher Schulden und voraussichtlich knapp gefüllter Kassen in den nächsten Jahrzehnten wirkt eine Verdopplung des Kanzleramts wie aus der Zeit gefallen. Zudem ist zu bezweifeln, dass die Kosten im geplanten Rahmen bleiben. Diese Pläne sollten dringend überdacht werden!

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Autor des Artikels

Philipp Behm

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Bemerkungen :

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    Hannes Vittel 09/09/2022 um 10:24

    Moin,


    hat unsere Bundesregierung völlig den Verstand verloren?


    Braucht das Bundeskanzleramt noch mehr Möglichkeiten, um die schon viel zu vielen Mitarbeiter im neuen Erweiterungsbau zu verstecken.


    Über 700 Sitze/Sitzplätze im Bundestag, von denen nur bei sehr wichtigen Anlässen mehr als die Hälfte belegt sind. Bei allen anderen sind ev. 50-100 Abgeordnete anwesend..


    Was noch viel schlimmer ist, angefangen bei Kanzler Scholz und der Regierungsbank, alle beschäftigen sich mit ihren Smart- und iPhones während der Debatte. Sieht man in keinem anderen Land.


    Das Volk muss sparen, damit die Politiker das Geld zum Fenster werfen kann.


    Ludwig der Vierzehnte hat mit dem Schloss Versailles die Vorlage für Deutschlands Regierung gegeben.


    Sollte der Bau beginnen, dann reicht die veranschlagte Summe bei weitem nicht mehr. Staatliche Bauten kosten bei weitem immer mehr wie bei der Planung.


    Berlin ist das Vorbild dazu, man nehme nur den neuen Flughafen


    Es ist eine Schande, dass sich unsere Politiker in so schwierigen Zeiten zu solchen Ideen hinreissen lassen.


    Vom Volk wird erwartet, dass es sparen soll, dies gilt nur für die Regierung nicht.

  • user
    Ulrike Ensslen 09/09/2022 um 10:07

    Die Politiker mit ihrem Hang zur luxuriösen Selbstdarstellung bringen sehenden Auges das Volk in Rage .Was geht in diesen Köpfen eigentlich vor ? Diesen Wasserkopf sollte man schrumpfen und nicht vergrößern .


    WIR SCHAFFEN DAS !! Wir schaffen uns selbst . Armes Deutschland .

  • user
    Ulrike Ensslen 09/09/2022 um 09:55

    Mir fehlen bei diesem unangebrachtem Wahnsinnsbau die Worte.


    Wer kann hierzu seine uneigennützige Stimme abgeben . Ich sehe hier viele offene Taschen , die gefüllt werden wollen . Es geht ganz gewiss verantwortungsvoller. Denkmäler gibt es genug und die sind immer kostspielig . Die Gelder für diesen Prunkbau könnten bevölkerungsnahe Politiker besser einsetzen . Deutschland ächzt an vielen Orten vor NOTSTAND !! Bis zur Fertigstellung dieses Projektes muss man gewiss 100% dazurechnen , die Bürger werden sich freuen . Die steigenden Preise in sozialen Einrichtungen haben in ihren Taschen Löcher , die kaum zu schließen sind . Luxus gegen Menschlichkeit , Sparsamkeit sieht anders aus .bedauernswertes Deutschland ......Deutschland hat des aufgeblasensten Regierungsapparat von Europa .


    Ulrike Ensslen

  • user
    Maggus 26/08/2022 um 13:22

    6,6 Mio Miete vs. 640 Mio. Baukosten...da muss man nur knapp 100 Jahre (ohne Zinsen und Erhaltungskosten) mieten und schon hat mans raus...



    Hört sich nach einem Top-Deal an....

  • user
    Michael Z. 03/04/2022 um 13:47
    Ich kann dem Beitrag von Simons M. nur beipflichten.
    Unsereins wenn wir in Rente gehen müssen uns mit weniger als 50% zufriedengeben. Frechheit und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Steuerzahlers. Es wird Zeit dieser Verschwendung von Steuergeldern entgegen zu treten. Deshalb Reduzierung des Bundeskanzleramtes, und die vorstl. 630 Mio. Für Sinnvolle Projekte nutzen.
  • user
    Heike Jachmann 02/04/2022 um 17:56
    Ich bin schockiert! Ware die Regierung ein Unternehmen, wäre es längst pleite. Aber es gibt ja uns, die Geldgeber!!
  • user
    Klaus Kaißling 17/03/2022 um 11:25

    es fällt auf, dass bei öffentlichen Aufgaben niemand daran zweifelt, das Geld auszugeben, das ja - so ihre nicht zugegebene Ansicht- nicht ihr eigenes Portmonne betrifft. Sie haften ja auch nicht für hre Fehlleistungen. Ausnahme Deubel. In Gerichten und sonstigen öffentlichen Stellen, gibt man/frau schließlich nicht sein eigenes Geld aus! Gut, dass die Steuerzahlvereinigung gibt!

  • user
    Hans-Hermann Göring 16/03/2022 um 18:17
    Der Bundestag wird immer grösser, das Kanzleramt muss mitwachsen: Alles gut, wenn nicht bestens dotierte Stellen, aber es hakt an allen Ecken und Enden. Man versorgt sich selbst - und seine Parteigenossen.
    Die Bürger werden gemolken, belogen und betrogen.
    Mal sehen, ob es dieses Jahr eine ebenso großzügige Rentenerhöhung gibt. Versprochen hat man uns über 5 %. Bis es soweit ist 01.07.2022 findet man bestimmt Lösungen, wie man das noch kürzen kann.
    Hauptsache die Diäten und Pensionen werden erhöht, und Gazprom Gerd wird weiterhin fürstlich durchgefüttert.
  • user
    Kurt Heinrich 16/03/2022 um 16:15

    Kanzleramt-Neubaukosten schiessen durch die Decke ! Warum braucht man dort eigentlich immer mehr "Mitarbeiter" (Postengeschachere im vollen Gange ?!?);


    was kann der BdSt dagegen unternehmen, um ungezügelte Verschwendung von Steuergelder zu verhüten ?


    Die Rentner warten seit Jahren auf eine der Inflation angepasste Rentenerhöung, aber darüber schweigt die dt. "Volksvertretung" in ihrem üppigen Selbstversorgungssystem....

  • user
    Dr. H.-H. Elend 27/12/2021 um 21:14

    Warum fragt der Bund der Steuerzahler nicht, wozu diese Menge von Angestellten/Beamten im Bundeskanzleramt erforderlich ist?

  • user
    Simons, M. 10/11/2021 um 13:22
    Deutschland ist zum Selbstbedienungsland für die Politik, Unternehmen und die Oberschicht geworden. Vor allem für Arbeitnehmer u. Rentner wird vielzuwenig getan. Dafür ist immer kein Geld da. Ein erster Schritt zu mehr Gerechtigkeit währe dieBürgerversicherung gewesen, so dass endlich alle in die Sozialkassen einzahlen (Beispiel Österreich, dort bekommen alle eine Pangsion von über 80%).
    Wofür ist eine Vergrößerung des Bundeskanzleramt notwendig. Unsere Regierung föhrt doch eh nicht auf ihre Sachverständigen Beamten sondern lieber auf die Lobbyisten. Aber klar sonst wären ja lukrative Posten in der Industrie nach der Politiker edit gefährdet. Es lebe Deutschland mit seiner Nachgelagerten Bestechung und hohen Nebenverdienst für Politiker. Pfui Teufel!
    • user
      Hans-Hermann Göring 16/03/2022 um 18:20
      Diesem Kommentar kann ich nur beipflichten, und vor Wut in die Tischkante beißen.