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  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Verschwendung droht
11.07.2022

Das IKAREUM: Prunkbau statt Infrastruktur?

Das Leuchtturmprojekt IKAREUM in Anklam könnte ein teurer Spaß werden

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Aktuelle Entwicklung

Finanzierung noch immer nicht gesichert

Erneut scheitert die Stadt Anklam mit dem Ikareum bei der Auswahl zur Projektförderung im Rahmen des Programms „Nationaler Städtebau“ – zum vierten Mal. Damit fehlt weiterhin die Finanzierung der Turmspitze – dem prunkvollsten Außenmerkmal mit 80 m Höhe. Eine moderne Konstruktion aus Glas und Stahl soll späteren Besucherinnen und Besuchern das Gefühl des Fliegens vermitteln.

Unterdessen haben die Bauarbeiten für das Ikareum bereits begonnen. „Während unten schon fleißig gebaut wird, weiß man oben noch nicht, wie das Dach zu decken ist. Das ist doch absurd!", kritisiert der Bund der Steuerzahler. Doch die Landespolitik sowie lokale Bundespolitiker wollen weiter an dem ambitionierten Projekt festhalten: „Anstatt dass nun alle versprechen weiter nach Fördermitteln für ein Luftschloss zu suchen, sollten lieber Lösungen gefunden werden, wie der Neubau funktionsgerecht abgeschlossen werden kann“, erklärt der Bund der Steuerzahler dazu.

Was ist passiert?

Anklam. Die Hansestadt im Nordosten Deutschlands ist „das Tor zur Sonneninsel Usedom“. Von dort sind es bis in die polnische Metropole Szczecin anderthalb, bis nach Berlin zwei Stunden mit dem Auto. 12.500 Menschen leben in Anklam. Bisher wurden 80 Mio. Euro aus der Städtebauförderung in den Stadtumbau investiert.

Die Stadt ist der Geburtsort des Flugpioniers Otto Lilienthal. Man ist stolz auf den berühmtesten Sohn der Stadt. Lilienthal wurde in der Nikolaikirche getauft, und deshalb soll ihm hier − geht es nach dem Willen der Stadtplaner, des Bürgermeisters und der Landespolitik − mit dem „IKAREUM – Lilien thal Flight Museum“ ein Denkmal gesetzt werden. Auch das renommierte Otto-Lilienthal- Museum, bislang in einem anderen Stadtteil gelegen, und eine Touristeninformation sollen hier einziehen.

Der Umbau der Nikolaikirche zu Ehren Lilienthals wird pompös: Es entsteht ein futuristisch anmutender Kirchturm mit gläsernem Aufzug. Das ziegelgedeckte Kirchendach soll einer Glas-Stahl-Konstruktion weichen. Auf der Turmempore in 80 m Höhe sollen sich Besucher mit ausgebreiteten Armen auf eine leicht angeschrägte Glasfläche legen können und eine „Flug-Perspektive“ einnehmen. In der Konzeption heißt es, dass sich das Projekt als „Must-See-Freizeitattraktion und Touristenmagnet ersten Ranges für Mecklenburg-Vorpommern mit dem Potenzial, in nationale und internationale Märkte auszustrahlen“, versteht. 25 Mio. Euro soll das die Steuerzahler kosten. Die Rostocker Prüfer der Ecovis Audit AG halten die Besucherzahl von 62.000 zwar für möglich, aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, wie beispielsweise einem sehr gut ausgestatteten Marketingetat.

Neben der Frage, ob neben Ozeaneum, Müritzeum und Phantechnikum eine weitere touristische Großattraktion – und Anklam ist bei aller Nähe nicht Usedom – wirklich notwendig ist, ist der Anklamer Eigenanteil von 7,9 Mio. Euro problematisch: Der Haushalt ist defizitär. Es besteht ein großer Investitionsstau. Bereits 2018 war deshalb die notwendige Finanzierung der Planungskosten in Höhe von 650.000 Euro geplatzt. Erst im Mai 2019 sprang das Land mit 802.000 Euro ein – was als ein politisches Bekenntnis zum Großprojekt zu werten ist. Vom Bund gab es für beantragte Fördermillionen allerdings zwei Absagen.

Den Eigenanteil von knapp 8 Mio. Euro kann Anklam daher nur durch den Verkauf von städtischem Eigentum aufbringen. Ende 2018 spülte der Verkauf des Anklamer Stadtbruchs 3,5 Mio. Euro in die Stadtkasse. Doch es geht um mehr als das „IKAREUM“. Im „Anklamer Dreiklang“ sollen auch ein Schulcampus und eine Schwimmhalle gebaut bzw. saniert werden. Auch hier sind Eigenmittel erforderlich. Die seit Planungsbeginn 2016 explodierenden Baukosten am Markt sind in den Überlegungen noch gar nicht berücksichtigt.

So ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Gesamtinvestition wesentlich höher ausfallen wird als bisher berechnet, zumal der ursprüngliche Eröffnungstermin 2021, auf dem die Kostenschätzungen beruhen, gerissen wurde.

(Foto: Diana Veronika Behr)

Der Bund der Steuerzahler meint

Ob es eine weitere hochgeförderte touristische Attraktion braucht, darf bezweifelt werden. Langfristige Infrastrukturprojekte, wie zuletzt der „Industriepark Berlin-Szczecin“, sind der bessere Weg für die Region.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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