News Bild 876
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Verschwendung droht
07.07.2022

Alternativlose Brücke?

Die Warnow-Brücke soll kommen. Doch wurde die Ausgabe ausreichend geprüft?

Scrollenaccordion-icon

Aktuelle Entwicklung

Die Bundesgartenschau in Rostock ist nun endgültig Geschichte und zwar, noch bevor sie 2025 überhaupt begonnen hat. Die Absage bedeutet dennoch nicht den Verzicht auf alle bisher geplanten stadtplanerischen Maßnahmen. Einige Projekte sollen und wollen die Hansestadt und das Land auch ohne BUGA gemeinsam weiterverfolgen. Darunter ist auch die, durch den Bund der Steuerzahler deutlich kritisierte, Warnowbrücke.

Einst mit Kosten von rund 36,6 Mio. Euro geschätzt, betragen die veranschlagten Kosten mittlerweile über 50 Mio. Euro. Der Eigenanteil von Rostock beträgt fast 15 Mio. Euro. Geld, das damit gut in die Radinfrastruktur investiert wäre, sagen die einen. Geld, das vor allem der Radinfrastruktur in Rostock in den kommenden Jahren fehlen wird, sagt der Bund der Steuerzahler.

So schön eine solche Brücke auch wäre, sie verkürzt den bereits bestehenden touristischen Radfernweg Berlin-Kopenhagen lediglich um etwa 1.000 Meter. Vielmehr fehlt es in Rostock jedoch an einer Infrastruktur für den Fahrradalltag.

Damit ist klar: Mit der Verwirklichung der Warnowbrücke droht auch weiterhin eine Verschwendung von Steuermitteln. Darüber bleibt unklar, wie jetzt plötzlich nach Jahren der Verzögerung und mangelhaften Prüfung von Alternativen eine effiziente Bauabwicklung erfolgen kann.

Was ist passiert?

Rostock. Die Hansestadt im Nordosten plant Großes. Am 21. Oktober fasste die Bürgerschaft endgültig den Beschluss über die Projekte für die Bundesgartenschau (BUGA) 2025. Bundesgartenschauen sind in erster Linie langfristig angelegte Infrastrukturprojekte, bei denen viele Fördergelder und damit Steuermittel fließen. Die Bundesgartenschau nach Rostock zu holen, das war nicht unumstritten. Denn man weiß auch, dass diese Veranstaltungen oft mit einem finanziellen Verlust enden.

Im Zuge der BUGA soll eine Brücke über den Fluss Warnow gebaut werden. Eine kombinierte Fußgänger-Rad-Brücke mit Klappmechanismus, die den unteren Teil der Warnow queren und damit die Innenstadt mit der Gehlsdorfer Uferseite verbinden soll. Aktuellen Schätzungen zufolge werden Bau und Planung der Brücke rund 36 Mio. Euro kosten. Rund ein Prozent der Baukosten wird Rostock dann für die BUGA-Brücke jährlich an Unterhaltungskosten benötigen.

Aus Sicht der Stadt soll mit dieser Querung eine feste Verbindung zwischen den Stadtteilen entstehen, die es einerseits den Innenstädtern ermöglicht, schnell ins Grüne zu kommen und andererseits den Gehlsdorfern und Toitenwinklern den schnellen Weg in die Innenstadt, bspw. auch zur Universität öffnet. Doch gerade für diese Annahme fehlen mit Zahlen unterlegte Prognosen. Genauso wie bis dato eine Einbindung in ein Verkehrskonzept fehlt, da es mit einer Brücke allein für die Fahrradfahrer nicht getan ist. Der Zeitvorteil zwischen einer Querung über die Warnow gegenüber einem ausgebauten Rundweg um die Bucht beträgt mit dem Rad in etwa 10 bis 15 Minuten.

Die Warnow-Brücke hat zahlreiche Befürworter innerhalb der Stadtpolitik. Die einen betonen die Anbindung an die Natur, die anderen sehen darin eine Stärkung des Fahrradverkehrs und positive Effekte zum Abbau der Segregation: Die durch die Warnow voneinander getrenntliegenden Stadtteile der Hansestadt sollen näher aneinander rücken. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die ihre Interessen nicht ausreichend gewahrt sehen, so wie etwa Segler in der Dierkower Bucht, die heute während der Saison einen wesentlichen Anteil zum Stadtbild der unteren Warnow beitragen. Mit einer Höhe von 8 Metern wird die Brücke für viele nur zu den Öffnungszeiten zu befahren sein. Zu Recht befürchten einige anliegende Vereine, dass die Segler mit den größeren Booten in Richtung Norden abwandern – mit Konsequenzen für die Finanzstruktur der örtlichen Anbieter. Auch der Kinder- und Jugendsport ist bedroht. Nach Aussagen der Segler können die Kinder wegen der Strömungsverhältnisse zwischen den Brückenpfeilern dort nicht mehr segeln.

Eine Kritik der Segler teilt auch der Bund der Steuerzahler: Zu wenig wurden mögliche Alternativen geprüft. Stadt und Teile der Bürgerschaft berufen sich auf eine breite Bürgerbeteiligung zu der Warnow-Brücke. Doch nur rund 1.000 Menschen haben sich beteiligt – 0,5 Prozent der Bevölkerung Rostocks. Teilnehmer der Bürgerversammlungen berichten davon, dass es zur Brücke keine gleichberechtigte Darstellung möglicher Alternativen gab. So wären u. a. innovative Fährlösungen denkbar, deren Anschaffungs- und Betriebskosten durch Einbindung in den ÖPNV refinanzierbar wären. Die benennt auch der Mobilitätsplan Zukunft Rostock (MOPZ), der im Dezember 2017 von der Bürgerschaft beschlossen wurde als gleichwertige Alternative zu einer Brücke.

Last but not least bleibt eine weitere wesentliche Frage unbeantwortet. Nämlich die, ob die Brücke überhaupt bis zur BUGA 2025 fertig werden kann. Noch im November 2019 gab es aus den zuständigen Ämtern der Stadt dazu erhebliche Bedenken. Nun heißt es, der Zeitplan sei nicht in Gefahr. Was, auch mit Blick auf die Entwicklung in der Zeit des Lockdowns, doch zumindest aufhorchen lässt.

Foto: Michaela Skott

Der Bund der Steuerzahler fordert

Hier droht die Verschwendung von Steuergeld. Die Hansestadt Rostock hat nicht in hinreichender Weise ernsthaft mögliche Alternativen zum Bau einer Brücke geprüft. Wir fordern die Hansestadt Rostock auf, der eigenen Mobilitätsplanung zu folgen und hier nachzubessern.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Michaela Skott

Spenden Sie für unsere Arbeit!

Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.

Sag uns deine Meinung

Teil uns mit, was du
denkst!

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Ingo Richter 05/09/2022 um 17:26

    Die unter der Überschrift


    „Was ist passiert?“


    dargestellten Informationen waren schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht mehr aktuell.


    Anfang Mai 2022 fanden Anhörungen zu den Einwendungen zur Brücke im Zuge des Planfeststellungsverfahrens statt.


    Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits Risikoanalysen mit einer Kostenannahme für die Brücke in Höhe von 53.226.458,06 € vor.


    Quelle:


    ( https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/bugarisikoanalyse102.pdf )


    Die Zahlen geben jedoch keine Auskunft auf welcher Grundlage sie beruhen.


    Es ist auch nicht erkennbar ob damit alle Kosten gemeint sind, z.B. ob die zusätzlichen Planungskosten und zusätzlichen Planstellen der Stadt für die Planungsbegleitung enthalten sind.


    Eine nachvollziehbare Kostenschätzung, Kostenberechnung fehlt vollständig.


    file:///C:/Users/ingo.richter/Downloads/bugarisikoanalyse100.pdf


    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Zwischen-Aster-und-Desaster-die-BUGA-2025-in-Rostock-,dskbuga100.html



    Die Bugabrücke ist aus meiner Sicht ein Projekt dass keinesfalls realisiert werden darf, da:


    - die Herstellung der Brück einer energetischen Nachhaltigkeit zuwiederlaufen würde,


    - alle folgenden Generationen den Verlust der wertvollen, ohnehin knappen nutzbaren, einzigartigen innerstädtischen Wasserfläche unwiederbringlich hinnehmen müsste


    - die endgültige Kostenentwicklung nicht absehbar ist


    - die Sinnhaftigkeit, selbst im Planfeststellungsverfahren, mit diversen Allgemeinplätzen und Phrasen, jedoch nicht mit nachvollziehbaren Fakten bewiesen werden sollte, die die Sinnhaftigkeit des Unterfangens stichhaltig begründen kann


    - ein Ausgleich der Interessen der Betroffenen, im Zuge des Planfeststellungsverfahrens nicht einmal angestrebt, geschweige denn erreicht wurde



    Damit wird der ureigenste Sinn des Planfestsellungsverfahrens misachtet, eine mögliche Plangenehmigung wäre aus meiner Sicht damit rechtlich nicht zulässig.



    Ingo Richter, Bürger der Stadt Rostock und Betroffener

  • user
    Talukan, Sabine 13/07/2022 um 10:28

    Kann leider nichts spenden.Bin noch nicht reich.Wenn ich was erben sollte, gerne.Diplombetriebswirtin