Infektionsmeldungen elektronisch übermitteln – DEMIS

Eine etablierte Möglichkeit zur elektronischen Meldung von Infektionskrankheiten stand zum Ausbruch der Corona-Pandemie nicht flächendeckend zur Verfügung. Im Ergebnis wurden Daten aufwendig verarbeitet und Meldungen verzögerten sich.
Der Einsatz des Faxgerätes in den Gesundheitsämtern ist hierbei nicht nur eine Anekdote. Der Datenaustausch mit den Laboren erfolgte im Sommer 2020 bei rund zwei Dritteln der Gesundheitsämter zumindest teilweise mit dem (Digital-)Fax. Dies hat eine repräsentative Umfrage des Deutschen Landkreistages und des Deutschen Städtetages unter den unteren Gesundheitsbehörden ergeben.


Datenaustausch der Gesundheitsämter mit Laboren (Stand: Sommer 2020, Antwort von 252 Gesundheitsämtern, Mehrfachnennung möglich)

Mit DEMIS, dem Deutschen Elektronischen Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz, steht seit Mitte Juni 2020 ein System zur Verfügung, das den Datenaustausch sowie die Zusammenarbeit aller Beteiligten erleichtern soll, indem die Informationen von Laboren, Ärzten und Behörden durchgängig digital bearbeitet werden. Die Labore haben damit die Möglichkeit, Corona-Testergebnisse elektronisch an die zuständigen Gesundheitsämter zu melden. So die Theorie. Doch waren Schnittstellen zu der genutzten Software in den Gesundheitsämtern im Sommer 2020 meist gar nicht vorhanden oder nicht aktiviert.
Nahezu flächendeckend war DEMIS in den Gesundheitsämtern im Januar 2021 im Einsatz. Seitdem müssen auch die Labore angeschlossen sein. Mitte 2021 waren jedoch noch immer nicht alle Ärzte und Apotheker, die auch Corona-Schnelltests durchführen, an das elektronische Meldesystem angeschlossen. Kurzum: Obwohl sich seit Ausbruch der Pandemie viel getan hatte, konnten ein Jahr später nicht alle Meldungen zu Infektionen zwischen den Beteiligten verlässlich und flächendeckend elektronisch übermittelt werden.
Dabei ist die Idee eines einheitlichen elektronischen Meldesystems nicht neu. Erkannt wurde das Melde-Defizit spätestens mit dem EHEC-Ausbruch 2011. Noch im selben Jahr erteilte die Gesundheitsministerkonferenz den Auftrag, entsprechende Verbesserungen zu erarbeiten.