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29.10.2019

Zwischen Venus und Saturn

Berlin zahlt astronomischen Preis für Kosmosviertel

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Was ist passiert?

Berlin. Das Kosmosviertel wurde in den Jahren 1987 bis 1991 als Plattenbausiedlung im Ortsteil Treptow errichtet und grenzt im Süden direkt an die Brandenburgische Gemeinde Schönefeld. Ende der 1990er Jahre waren die 17 Gebäude mit jeweils 6 bis 11 Geschossen an Straßen mit kosmisch klingenden Namen wie Pegasuseck, Saturnring und Uranusstraße privatisiert worden. Laut Senat sind die Einkommen der Bewohner niedrig und der Anteil an Erwerbs- und Langzeitarbeitslosen hoch. Das Jugendamt verzeichne dort überdurchschnittlich viele Kinderschutzmeldungen. Der Aufwertungsbedarf für den öffentlichen Raum sei hoch.

Im Februar 2019 kaufte eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft nach jahrelangen Verhandlungen das Kosmosviertel mit 1.821 Wohnungen und 22 Gewerbeeinheiten von einem privaten Investor zurück. Über den Kaufpreis sei zwischen beiden Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart worden, heißt es bei der Wohnungsbaugesellschaft. Dieser dürfte aber astronomisch ausgefallen sein, weil sich das Land Berlin mit einem Zuschuss an dem Kauf beteiligte. Zu seiner Höhe wurde im Abgeordnetenhaus ebenfalls Vertraulichkeit beschlossen. Laut Medienberichten soll sich der Kaufpreis auf angeblich 250 Mio. Euro belaufen haben. Der Bund der Steuerzahler schätzt, dass der Quadratmeterpreis damit mindestens 2.000 Euro beträgt.

Der Zustand der Gebäude wird vielfach als schlecht und der Sanierungsbedarf als hoch beschrieben. Viele Experten halten den Kaufpreis daher für völlig überzogen. Selbst der Finanzsenator wird im Rundfunk damit zitiert, dass der Wohnungsankauf im Berliner Kosmosviertel für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „nur bedingt wirtschaftlich“ gewesen sei. Weil die Wohnungen teurer waren, als es sich wirtschaftlich rechnen würde, habe Berlin der Wohnungsbaugesellschaft gut 36 Mio. Euro zum Kauf dazugegeben, so der Finanzsenator weiter.

(Foto: Steffen Bernitz)

Alternative Investition

Mit 250 Mio. Euro hätte Berlin rund 1.000 neue Wohnungen zusätzlich bauen können

Der Bund der Steuerzahler meint

Durch den Aufkauf abgewirtschafteter Plattenbauwohnungen zu völlig überteuerten Spekulantenpreisen wird die Versorgung mit Wohnraum um keinen einzigen Quadratmeter ausgeweitet.

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Alexander Kraus

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