
„Zukunftszentrum Halle“: Üppige Kosten, mageres Konzept
In Halle droht ein Großprojekt-Desaster
Was ist passiert?
Bund/Halle (Saale) (ST). Ein Ort der Begegnung und des Dialogs, für Veranstaltungen, Ausstellungen, Gastronomie und Wissenschaft – das soll das „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ in Halle (Saale) werden. Nach entsprechenden Beschlüssen von Bundestag und Bundesregierung im Jahr 2022 setzte sich die Stadt Halle beim Standortwettbewerb 2023 durch. Dafür ist die Bundesregierung bereit, eine Menge Geld springen zu lassen.
Für den Bau waren ursprünglich 200 Mio. Euro veranschlagt, doch schon jetzt liegt die Kostenschätzung bei 277 Mio. Euro. Die Begründung des Bauministeriums dafür, dass die vorläufige Haushaltsführung des Bundes 2025 schuld an dieser Kostenexplosion um fast 40 Prozent ist, darf zumindest bezweifelt werden, denn die Erfahrung zeigt, dass bei Bauprojekten dieser Größenordnung die Kosten sehr oft aus dem Ruder laufen. Das wirft die Frage auf, welchen konkreten Nutzen das „Zukunftszentrum“ für die Menschen vor Ort hätte – während überall Geld für Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur fehlt.
Auch beim Personaltableau ist man großzügig. Schon jetzt sind bei der Betreibergesellschaft knapp 16 Vollzeitstellen installiert und im Bundeshaushalt 2026 unglaubliche 30 Stellen bewilligt – und das, wohlgemerkt, obwohl der Baubeginn frühestens für 2028 anvisiert ist und die Fertigstellung erst 2032. Die Erläuterung der Ostbeauftragten der Bundesregierung klang da unfreiwillig komisch: „Das eingestellte Personal arbeitet zurzeit nach dem Prinzip ‚Programm ohne Haus‘ an der Entwicklung des inhaltlichen Programms sowie dem Aufbau der Organisation.“ Man könnte auch sagen: Es gibt nicht nur ein Programm ohne Haus, sondern auch ein Haus ohne Programm!
Wenn das „Zukunftszentrum“ mit den absehbaren Verzögerungen und Kostensteigerungen schließlich fertig sein wird, wird die Belastung für den Steuerzahler aber noch lange nicht enden: Die Kosten für den laufenden Unterhalt belaufen sich 2026 bereits auf 7,5 Mio. Euro, die der Bund trägt. Die Bundesregierung stellte auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler lapidar fest, dass „in den kommenden Jahren ein kontinuierlicher Mittelaufwuchs erforderlich“ sei. Hier drohen also weitere kaum bezifferbare Folgekosten.
Viel hängt davon ab, mit wie vielen zahlenden Besuchern das „Zukunftszentrum“ rechnen kann. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung nannte auf Anfrage des BdSt die höchst ambitionierte Prognose von bis zu einer Mio. Gäste jährlich. Zum Vergleich: Große Museen freuen sich hierzulande über eine halbe bis eine Mio. Besucher im Jahr, alle Berliner Museen zusammen kommen auf vier Mio. Gäste. Sachsen-Anhalts Kulturminister sprach im Frühjahr 2026 deutlich bescheidener von 300.000 bis 400.000 Besuchern jährlich, und selbst das scheint ambitioniert – mit entsprechenden Konsequenzen für eine Kalkulation der Unterhaltskosten. Aus Sicht der Steuerzahler sind also noch viele Fragen offen.
Foto: Ralf Seibicke
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Das „Zukunftszentrum“ steht unter keinem guten Stern. Schon in der Planungsphase explodieren Kosten und Personalzahl, während Konzept und Besucherprognose reichlich wacklig sind. Weitere Kostensteigerungen sind programmiert. Ein Prestigeprojekt für die Deutsche Einheit droht zum Mahnmal für haushälterische Unvernunft zu werden.
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