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26.08.2022

Zeitdruck führt zu Ärger und Ausgaben

Zensus 2022 – Zeitdruck und kurze Fristen verursachen Ärger und Kosten

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Was ist passiert?

Bund/Länder. Alle 10 Jahre wird in Deutschland eine Volksbefragung durchgeführt – so auch 2022. Für die Gebäude- und Wohnungszählung wurden alle privaten Eigentümer und Verwalter befragt, rund 23 Millionen Einladungen wurden versendet. Die Antworten sollten bevorzugt online erfolgen. Wurde dies nicht in vorgegebener Frist erledigt, ging ein Erinnerungsschreiben raus. Allerdings: Der Bund der Steuerzahler wurde immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass diese Erinnerungsschreiben zugesandt wurden, obwohl der Online-Fragebogen bereits ausgefüllt worden war.

Auf Anfragen des Steuerzahlerbundes erklärten die meisten Statistik-Ämter, dass sich vereinzelt die Erinnerungen mit der Online-Beantwortung überschnitten hätten, wenn Fristen zur Beantwortung nicht eingehalten wurden. Konkrete Angaben zur Häufigkeit machte das Amt aus Nordrhein-Westfalen: Rund 260.000 Eigentümer, die den Online-Fragebogen ausgefüllt hatten, haben dort dennoch ein Erinnerungsschreiben erhalten – das entspricht einer Quote von rund 10 Prozent.

Unklar ist, wie hoch die bundesweiten Zusatz-Kosten insgesamt sind, die durch Erinnerungsschreiben entstanden sind, die versendet wurden, obwohl der Online-Fragebogen ausgefüllt wurde. Die meisten statistischen Ämter machen keine konkreten Angaben zur Anzahl der zusätzlichen Erinnerungsschreiben und berufen sich bei den Kosten für diese auf zu schützende Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse ihrer Dienstleister. Aus Nordrhein-Westfalen war zu erfahren, dass sich dort die Gesamtkosten für ein Erinnerungsschreiben mit Papierfragebogen inklusive Porto auf 1,09 Euro belaufen. Für die unnötig versandten Erinnerungsschreiben ergäbe dies allein in NRW demnach rechnerisch einen Betrag von rund 280.000 Euro.

Warum kam es immer wieder zu Überschneidungen der Online-Antwort und des Erinnerungsschreibens? Das Statistische Landesamt NRW gibt zu den Gründen für die Überschneidungen u. a. an, man habe mit der Erinnerung nicht zu lange warten wollen und dass die Sorge bestanden hätte, die Terminvorgaben zur Durchführung des Zensus 2022 nicht einhalten zu können, wären längere Rücklauffristen für die Antwortschreiben möglich gewesen. Der Versand der Fragebögen vor dem 15. Mai 2022 sei methodisch ausgeschlossen gewesen, da die Befragten die Verhältnisse an eben diesem Tag angeben sollten. Zumindest dies haben andere statistische Landesämter offenbar anders bewertet. Sie haben ihre Einladungsschreiben teils eine Woche früher versendet als in NRW und so etwas Zeit gewonnen.

Kurzum: Aufgrund von Zeitdruck, kurzen Fristen für die Antworten und teils langen internen Vorläufen für die Erinnerungsschreiben kam es wohl dazu, dass unnötig viele Erinnerungsschreiben versendet wurden.

Foto: Philipp Behm

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Zensus ist eine logistische Mammutaufgabe, die die statistischen Ämter insgesamt gut meistern. Doch etwas längere Rückmeldefristen und geringere Vorlaufzeiten interner Prozesse hätten vermutlich Steuergeld und vielen Bürger ein Ärgernis ersparen können.

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Autor des Artikels

Philipp Behm

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  • user
    Thomas Luy 15/09/2022 um 11:06
    Sehr geehrter Herr Behm, zunächst einmal ein Kompliment für Ihre Recherche und den tollen Artikel. Ergänzend darf ich Sie noch darüber informieren, dass auch mir der 2. Fragebogen zugesendet wurde, da ich den ersten nicht erhalten habe. Leider hat unser Sohn das Dokument mit Kakao übergossen und es wurde unbrauchbar. Ich habe mich nach dieser Aktion an die "Hotline" gewendet, davon berichtet und um Zusendung eines neuen Fragebogens gebeten. Dieser ist nicht eingetroffen. Statt dessen erhielt ich gestern ein Einschreiben mit Rückantwort (Kosten 4,85 €). Ich gehe davon aus, dass Zigtausend weitere Sendungen dieser Art verschickt wurden und immense Kosten entstanden sind. Dem Ganzen kann man leider nur kopfschüttelnd gegenüberstehen. Lieben Gruß, Thomas Luy