
Werbung statt Infrastrukturausbau
Teure Videofilmchen sollen in Bus und Bahn locken
Was ist passiert?
Stuttgart (BW). Das Thema „Nachhaltige Mobilität“ ist seit einigen Jahren der große Renner im Stuttgarter Verkehrsministerium. Als Ziele wurden u. a. genannt, dass jedes fünfte Auto überflüssig wird, Busse und Bahnen doppelt so oft genutzt werden und die Menschen jeden zweiten Weg zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen. Um insbesondere die Zielgruppe der werdenden Eltern und Eltern von Babys und Kleinkindern bis zu zwei Jahren von diesem Bestreben zu überzeugen, hat man sich für die Kampagne „MoBABYlity“ entschieden. Damit sollen Menschen in einer sog. Lebensumbruchphase angesprochen werden, die aufgrund der Änderungen, die in ihrem Leben stattfinden, offener für Kommunikation, Anregungen sowie potenzielle Verhaltensänderungen sein sollen. Die Botschaft, die man vermitteln möchte, lautet: „Ihr [die Eltern] sorgt für das Abenteuer.Wir sorgen dafür, dass Baden-Württemberg klimafreundlicher und entspannter unterwegs ist.“ Dazu könnte man allerdings spöttisch fragen, ob im Land nicht die Bus- und Bahnnutzung das große Abenteuer ist und von entspanntem Unterwegssein eher nicht die Rede sein kann.
Um das Ziel Nachhaltigkeit zu kommunizieren, nahm das Verkehrsministerium rund 900.000 Euro Steuergeld in die Hand – für rund ein Dutzend Videofilme und bunt illustrierte „Meilensteinkarten“. Allein für die Produktion der Videos fielen rund 400.000 Euro an. Die Herstellung und Verteilung der Karten kosteten ca. 200.000 Euro, die Online-Werbung etwa 100.000 Euro. Der restliche Betrag wurde für Positionen wie Gesamtkonzeption und Webseite aufgewendet.
Zumindest das Ministerium zeigte sich laut einer Landtags-Drucksache mit den Aufrufen der produzierten Videos zufrieden. Es wollte außerdem noch evaluieren lassen, ob es infolge der Kampagne tatsächlich zu Veränderungen an Einstellungen und Verhaltensweisen kam.
Foto: 2023 Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg CC BY-SA
Alternative Investition
Die rund 900.000 Euro für „MoBABYlity“ hätte man besser für den Ausbau der Infrastruktur – sei es für Wege, Straßen oder Schienen – in Baden-Württemberg verwenden können.
Der Bund der Steuerzahler meint
Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort: Baden-Württembergs Ministerien geben immer mehr Steuergelder für Imagekampagnen aus, deren Notwendigkeit angezweifelt werden kann. Der BdSt hält dies für eine bedenkliche Entwicklung.
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