Newsletter

Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig. Diese Hinweise zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzrichtlinien. Diesen stimme ich zu.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder


Besuchen Sie uns

News Bild 2736
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Förderprogramme
01.10.2026

Wasserstoff: Mit Fördergeld falsch abgebogen

Wenn Zuschüsse wichtiger als Wirtschaftlichkeit und Effizienz werden

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Güstrow (MV). Im Landkreis Rostock will man die Antriebswende schaffen und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nach und nach auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Das sieht auch der Gesetzgeber vor. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der regionale Nahverkehrsanbieter „rebus“ auf Wasserstoffbusse. Insgesamt 52 Fahrzeuge wurden in den Jahren 2024 und 2025 beschafft – gefördert mit knapp 18 Mio. Euro vom Bund. Weitere 7,8 Mio. Euro steuerte der Landkreis bei. Dieser übernimmt auch „mögliche Mehrkosten des neuen Kraftstoffs“, heißt es in einer Pressemitteilung. Denn grüner Wasserstoff ist vergleichsweise teuer. Die Gesamtkosten für die Anschaffung der Busse belaufen sich auf rund 40 Mio. Euro. Hinzu kommen zwei Wasserstofftankstellen für etwa sechs Mio. Euro.

Die Planungen für das Projekt begannen bereits 2019 – zu einem Zeitpunkt, als es gerade die ersten Brennstoffzellenbusse, aber noch keine Infrastruktur für klimafreundlich erzeugten Wasserstoff gab. Dieser sollte künftig im Land selbst aus bislang ungenutzter Windenergie hergestellt werden. Rund 540 Mio. Euro wollten Bund und Land in den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft investieren. Das wäre auch notwendig gewesen, denn wirtschaftlich ist die Herstellung von grünem Wasserstoff bis heute nicht. Gerade deshalb wäre der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft die entscheidende Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb der Busse gewesen. Doch seit der Ankündigung dieser Förderung im Jahr 2024 ist es still geworden um die Wasserstoffstrategie Mecklenburg-Vorpommerns. Die Bundesförderung für Wasserstoffmobilität wurde seinerzeit wegen der Haushaltslage gestoppt.

Grüner Wasserstoff wurde lange als Antrieb der Zukunft betrachtet und gilt vielen bis heute als Alternative zum batterieelektrischen Antrieb. Zu diesem positiven Bild trugen auch intensive Kampagnen von Energieunternehmen und Branchenverbänden bei. Tatsächlich werden einige Industriezweige auch künftig auf Wasserstoff angewiesen sein, weil sich ihre Prozesse nicht vollständig elektrifizieren lassen. Im Straßenverkehr spricht jedoch nahezu alles für den direkten Einsatz von Strom. Das bestätigte auch das Umweltbundesamt. Der Grund liegt im Wirkungsgrad: Ein batterieelektrisches Fahrzeug bringt rund 70 Prozent der eingesetzten Energie auf die Straße, ein Brennstoffzellenfahrzeug lediglich etwa 25 bis 35 Prozent.

Der Betrieb von Wasserstofffahrzeugen bedeutet, technisch einen energieintensiven Umweg zu gehen. Zunächst muss mit grünem Strom Wasserstoff erzeugt, verdichtet, gespeichert und transportiert werden. Im Fahrzeug wird dieser anschließend in einer Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt. Bei jedem dieser Schritte geht Energie verloren. Hinzu kommt der Aufbau einer eigenen Tankstelleninfrastruktur. Grüner Strom kann dagegen nahezu ohne Umwandlungsverluste direkt genutzt werden. Moderne Batterien ermöglichen heute hohe Reichweiten, leistungsfähige Antriebe und kurze Ladezeiten an Schnellladestationen. Diese Entwicklung war bereits 2019 absehbar.

Dass sich der Markt in Richtung batterieelektrischer Busse entwickeln würde, zeigte schon damals ein Blick nach Hamburg. Die Hamburger Hochbahn AG beendete ihren Testbetrieb mit Wasserstoffbussen und setzte stattdessen konsequent auf batterieelektrische Fahrzeuge. Heute umfasst ihre Flotte rund 330 E-Busse, aber lediglich vier Wasserstoffbusse.

Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Förderung von insgesamt rund 24 Mio. Euro für die Busflotte und die Tankstellen fragwürdig. Denn die eigentliche Investition – der strategische Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern – blieb bislang aus. Auch ein anderer Landkreis beschaffte testweise Wasserstoffbusse, verzichtete nach einem Förderstopp jedoch auf einen weiteren Ausbau seiner Flotte. Ohne die Fördermittel wäre die Entscheidung zugunsten von Wasserstoffbussen im Landkreis Rostock nach Angaben des Verkehrsbetreibers sicherlich anders ausgefallen. Die Folgen werden dauerhaft spürbar bleiben: Der ÖPNV im Landkreis Rostock wird auf Jahre hinaus höhere Betriebs- und Energiekosten tragen müssen, obwohl bereits zu Beginn des Projekts erkennbar war, dass batterieelektrische Busse die wirtschaftlichere und energieeffizientere Lösung sein würden.

Foto: Michaela Skott

Der Bund der Steuerzahler meint

Wer öffentliche Gelder einsetzt, muss Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Im Landkreis Rostock führte die Förderkulisse dazu, dass eine teurere Antriebstechnologie gegenüber der effizienteren Alternative bevorzugt wurde. Die Folgekosten tragen die Steuerzahler dauerhaft.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Michaela Skott

Ärger allein ändert nichts. Ihre Spende schon.

Wir machen Steuergeldverschwendung öffentlich und bleiben dran, bis sich etwas ändert. Unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende.

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der Erste, der kommentiert