
Wandkalender für die Zeitenwende
Bunte Bilder für die Bundeswehrwerbung
Was ist passiert?
Bund. Mit Beginn der „Zeitenwende“ ist die Bundeswehr wieder in den Fokus der Öffentlichkeit getreten, und Werbung in eigener Sache gehört zum Geschäft – ob in den sozialen Medien oder ganz klassisch mit Printprodukten, darunter auch diverse Wandkalender, die von der Truppe verteilt werden.
Aber selbst, wenn man Bundeswehrwerbung grundsätzlich richtig findet, lohnt aus Sicht des Steuerzahlerbundes beim Thema Öffentlichkeitsarbeit immer ein genauer Blick auf die Art, den Umfang und die Kosten. Auf die Anfrage des Bundes der Steuerzahler an das Bundesverteidigungsministerium (BMVg), welche Kalender mit welchen Auflagen und Kosten produziert werden, teilte eine Sprecherin das erstaunliche Ergebnis mit, dass das Ministerium selbst „keine Kalender als Werbemittel für die Öffentlichkeitsarbeit oder die Personalwerbung bereit[stelle]“ und auch „keine Übersichten zu Kalenderangeboten und dazugehörigen Kalenderkosten aus dem nachgeordneten Geschäftsbereich“ habe.
Interessant: Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) hingegen, das für den Druck der Wandkalender zuständig ist, beantwortete dem BdSt sämtliche Fragen sofort und lieferte eine aktuelle Kalenderliste gleich mit. Warum es dem BMVg nicht möglich gewesen war, mit diesem patenten Bundesamt aus dem eigenen Geschäftsbereich zu kommunizieren, erschließt sich nicht.
Doch auch die Auskünfte des BAIUDBw werfen weitere Fragen auf. Denn für 2025 wurden ganze 30 verschiedene Kalender mit einer Gesamtstückzahl von 36.090 für insgesamt 48.000 Euro hergestellt, mit unterschiedlichsten Motiven und Formaten. Die Auflagen reichen von exklusiven 15 Stück für den Kalender der „Sanitätsstaffel Quakenbrück“ bis zu 7.000 Exemplaren des Luftwaffen-Kalenders. Die jährlichen Kosten sind seit 2022 trotz gestiegener Materialkosten in etwa gleichgeblieben. Doch jeder Kalender muss schließlich geplant, designt und verteilt werden, mit entsprechendem Logistik- und Personalaufwand. Da scheint die Frage gerechtfertigt, warum die Bundeswehr partout 30 verschiedene braucht.
Kalenderthemen wie „Marineflieger“ oder „Luftwaffe“ sind als Truppenwerbung recht naheliegend, das Jubiläum „50 Jahre Materiallager Rheine“ oder das „Munitionsversorgungszentrum West“ in Dorsten- Wulfen schon weniger. Für Sportfans gibt es den „CISM Basketball“-Kalender der Bundeswehrmannschaft und für Tierliebhaber den „Hundekalender 2025“ und den „Tragtierwesen“-Kalender der Gebirgsjägerbrigade 23 mit Haflingern und Maultieren. Dank des Sondervermögens für Verteidigungsausgaben stehen derzeit zwar üppige Mittel zur Verfügung – aber das Steuergeld sollte vor allem in die Wehrfähigkeit fließen, nicht in hübsche Wandkalender.
Foto: Anna Hierlwimmer
Der Bund der Steuerzahler meint
Werbung für die Bundeswehr ist richtig und notwendig. Doch 30 verschiedene Wandkalender schießen über das Ziel der Truppenwerbung deutlich hinaus. Hier sollte genauer hingeschaut werden, damit das Steuergeld da ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird – bei den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.
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Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Bin hier gelandet weil ich unbedingt wieder einen Luftwaffenkalender für 2026 möchte und danach gesucht habe. Ich denke nicht das man bei einem Stückpreis von 1,33 von Verschwendung reden kann, zumal das Einsparpotential, wenn man dennoch die gleiche Menge an Kalendern anbietet, wohl sehr gering ausfällt. Und bei den kleinen Stückzahlen für irgendwelche kleineren Einheiten sollte man auch den Aspekt sehen das so die Bundeswehr als ganzes abgebildet wird und nicht nur das zehnte Bild eines Leopards oder eines Eurofighters. Man sollte sowas eher noch viel mehr ausbauen, schließlich können immer noch viel zu wenige Menschen sich vorstellen was die Bundeswehr alles macht.
Sehr geehrter Herr Weil,
haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und die konstruktiven Worte, auf die ich gerne näher eingehen möchte.
Ihre Berechnung eines Durchschnittspreises von 1,33 Euro greift zu kurz, da die im Text erwähnten 48.000 Euro lediglich die reinen Produktionskosten der Kalender darstellen – die sicherlich nicht unerheblichen Kosten für Planung, Design und Versand müssten hier noch hinzuaddiert werden, wurden uns jedoch nicht mitgeteilt. Die Kosten pro Kalender sind aufgrund der genannten sehr unterschiedlichen Auflagen und Formen jeweils verschieden.
Unabhängig von den Kosten zielte unsere Kritik, wie im Text erwähnt, nicht darauf, grundsätzlich Werbung für die Bundeswehr zu machen. Hier würde ich Ihnen vollkommen zustimmen, dass der Informationsbedarf in der Bevölkerung sicherlich sehr groß ist. Gerade deshalb stellt der BdSt stets die Frage, ob mit den verausgabten öffentlichen Steuermitteln der größtmögliche Nutzen für eine möglichst breite Adressatenzahl erzielt wurde, was in diesem Fall aus unserer Sicht zumindest zweifelhaft ist. Wie Sie selbst beschreiben, ist ein einfacher Zugang zu den Kalendern für interessierte Bürger (ggf. auch gegen eine geringe Schutzgebühr) überhaupt nicht gegeben – umgekehrt werden zumindest einige der Kalender unaufgefordert verteilt und landen potentiell im Altpapier.
Mehr Kostentransparenz und ein effizienterer Mitteleinsatz wären bei diesem und anderen Projekten der Bundesregierung also aus Sicht des BdSt weiterhin wünschenswert.
Mit freundlichen Grüßen
Das Recherche-Team der Bundesgeschäftsstelle
Hinweis am Rande: Die Kalender u.a. gegen Spenden für z.B. das Bundeswehr-Sozialwerk ausgegeben. Mitnichten ist es umfassende "Streuware"!
Sehr geehrter Herr Seim,
vielen Dank für Ihren interessanten Hinweis zur Verwendung einiger Kalender. Seitens des BMVg und des BAIUDBw wurden uns solche Informationen leider nicht geliefert. Die Frage, ob das Steuergeld für die 30 verschiedenen Bundeswehr-Wandkalender optimal eingesetzt ist, bleibt aus unserer Sicht jedoch weiterhin berechtigt.
Mit freundlichen Grüßen
Das Recherche-Team der Bundesgeschäftsstelle