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29.10.2019

Viel Geld für ein Heimatlied

20.000 Euro Siegerprämie für eine Hymne, die keine sein darf

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Was ist passiert?

Schwerin. Im Jahr 2016 standen in Mecklenburg- Vorpommern Landtagswahlen an. Das Thema Heimat erhielt große Aufmerksamkeit und, obwohl bis dahin im Haushalt nicht verankert, beschloss die Landesregierung kurz vor der Sommerpause (und vor dem Beginn der heißen Phase des Landtagswahlkampfs) ein „Heimatprogramm“ im Umfang von 7,5 Mio. Euro.

Heimathafen, Heimatkunde, Heimatsprache, Heimatbildung und Heimatkultur sind die fünf Säulen des Programms. Es sollte Tradition und Moderne, aber auch die beiden Landesteile Mecklenburg und Vorpommern, die zu der Zeit wirtschaftlich und politisch auseinanderdrifteten, verbinden. Unter anderem sollten Kleinprojekte zur Brauchtumspflege gefördert werden. Die Landtagswahlen kamen und gingen, die große Koalition unter Führung der SPD blieb ebenso wie das Thema Heimat.

2017 schrieb der Heimatverband Mecklenburg- Vorpommern e. V. einen Wettbewerb „So klingt Mecklenburg-Vorpommern“ aus. Zunächst fand sich in der Ausschreibung für die Liedkomposition der Begriff „Hymne“. Dem Sieger der Komposition winkten 20.000 Euro – finanziert aus Steuergeld. Die Mittel dafür kamen aus dem „Heimatprogramm“. Die Abgabefrist sollte Ende August sein. Doch trotz dieser stolzen Summe schien die Einsendefrist zu kurz geplant, sodass die Ausschreibung bis Jahresende verlängert wurde und auch vom Ziel, eine „Hymne“ zu schaffen, wurde offenbar abgerückt. Plötzlich war nur noch von einem „Landeslied“ die Rede. Ein Begriff, auf den auch die Landespolitik in der Öffentlichkeit großen Wert legt. Vielleicht auch deshalb, weil das Protokoll eine eigene Landeshymne bis jetzt gar nicht vorsieht.

2018 tagte eine ehrenamtliche Fachjury und entschied über 147 Einsendungen, aus denen sie acht einer sogenannten Ehrenjury, die u. a. aus Vertretern des Landtags und des Kultusministeriums bestand, vorstellte. Diese hielt vier dieser Vorschläge für würdig, in eine öffentliche Abstimmung zu gehen. Im Frühjahr 2019 war es dann soweit: 2.402 Stimmen entschieden über das Siegerlied. Es heißt „Mein Mecklenburg-Vorpommern“. Der Sieger erhielt das Preisgeld von 20.000 Euro.

Ob das Lied jedoch im großen Stil Heimatverbundenheit fördern wird, ist fraglich. Bereits die Preisgala war mäßig besucht, selbst die Landespolitik schickte lediglich Stellvertreter. Das Werk, das schon im Vorfeld von einer Hymne zum Lied „herabgestuft“ wurde, soll nun auf Veranstaltungen des Heimatverbandes dargeboten werden, zum Beispiel auf der diesjährigen Mitgliedersitzung oder beim Landeschorfest. Insgesamt 40.277,20 Euro aus Kulturfördermitteln des Landes sind dafür geflossen. Eine offizielle Übergabe an den Landtag erfolgte bisher nicht und ist nicht geplant. Und auch, was aus der Prüfung einer Hymne „für alle Mecklenburger und Vorpommern“ wurde, ist bisher offen.

Foto (Symbolbild): Maren Wilczek on Unsplash

Der Bund der Steuerzahler meint

Musik ist Geschmackssache. Einen Wettbewerb um eine Hymne zu initiieren, die ohne Verfassungsänderung keine sein darf, scheint eher aktionistisch als durchdacht.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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Bemerkungen :

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    Herr Bobe 29/10/2019 um 19:37

    Wir haben Altersarmut Geringe Löhne Kinderarmut keine Infrastruktur auf dem Lande woanders wird das Geld raus geschmissen bin einfach nur entäuscht

    • user
      Michaela Skott 07/11/2019 um 11:50

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht! Es ist wichtig, dass die Steuergelder sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden. Dafür setzt sich der Bund der Steuerzahler e.V. ein. Mit einer Mitgliedschaft können Sie diese Arbeit unterstützen und in Ihrem Bundesland auch Mitglied werden.


      Freundliche Grüße


      Michaela Skott


      freie Pressereferentin für den Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern e.V.


      https://steuerzahler.de/mecklenburg-vorpommern/

  • user
    Henning 29/10/2019 um 19:35

    Ich kann nicht soviel fressen wie ich kotzen möchte.!!!

  • user
    Andre Demand 29/10/2019 um 14:49

    Hallo, ich verfolge das Schwarzbuch schon seit Jahren und bin ein echter Fan, es freut mich jedes Jahr wenn das Buch veröffentlicht wird. Ich bin dieses Jahr auf Ihre Webseite aufmerksam geworden, da ich jetzt viel Online mache. Vielleicht sollte man das Digital ergänzen, oder gibt es nicht genug Fälle fürs Newsletter wie beim Verbraucherschutz?. Und kann sich so ein Verein wie das Schwarzbuch auch über den Sozialfond der EU finanzieren und dort Geld anfordern?. Na ja zu meiner Meinung tolle Arbeit muss man schon mutig sein. Und das für mich dieses politische System als Demokratie dran schuld ist an der Verschwendung, würde man alle Parteien abschaffen gäbs so keine Ideen zur Verwendung oder was man mit dem Geld der Steuerzahler machen kann als politische Meinung damit irgend was befriedigt wird. Das System der Politik und des verteilen müsste nur noch aus Verwaltung und Verfassung bestehen die nach Bedarf regieren und reagieren demokratisch nach Kostenplanung den gäbs vielleicht weniger Verschwendung. Aber Budgetfehler und Geldverwendungsfehler in der Planung gibt es immer daran liegt es meistens den wohl, wenn es nicht passt oder?. Und der tollste Eintrag dieses Jahr ist die Mäusebrücke. Der Wolfsanhänger vom letzten Jahr ist eigentlich eine tolle Sache nur vielleicht etwas teuer. Und Sinn macht er auch wenn man jetzt an den Problemwolf 924m denkt der gerade in Plön rumläuft vielleicht nicht abschießen sondern einfangen, da er jetzt zum Abschuss frei gegeben wurde, aber wo will man mit dem Wolf hin in einen Container - war nur Spaß. Gibt eh nur wenig freilaufende Wildtiere in Deutschland. MFG Andre Demand

    • user
      Michaela Skott 07/11/2019 um 11:47

      Vielen Dank für Ihre Antwort. Die Fälle im Schwarzbuch werden auch unterjährig aktualisiert und sind hier nachlesbar. Der Bund der Steuerzahler e.V., der das Schwarzbuch herausgibt, lebt von den Beiträgen seiner Mitgliedschaft. Eine Finanzierung aus Steuermitteln würde die Vereinsziele aus meiner Sicht ad absurdum führen. Dafür können Sie sich selbst aktiv beteiligen! Werden Sie Mitglied im Bund der Steuerzahler e.V. (im jeweiligen Bundesland, in dem Sie Ihren Hauptwohnsitz haben) und melden Sie uns Fälle von Steuergeldverschwendung, die Sie kennen und ärgern. Wir gehen diesen Anfragen ernsthaft nach und versuchen Transparenz herzustellen.



      Freundliche Grüße


      Michaela Skott


      freie Pressereferentin für den Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern e.V.


      https://steuerzahler.de/mecklenburg-vorpommern/