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  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Staatliche Wirtschaftsflops
10.07.2020

Verluste mit Luxuswasser

Luxuswasser sorgt für Verluste in der Stadt Parchim

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Was ist passiert?

Parchim. Ein Luxuswasser aus städtischer Quelle erhitzt die Gemüter in der mecklenburgischen Kleinstadt Parchim. Die „Minus 181 GmbH“ erwirtschaftet unter städtischer Beteiligung große Verluste. Ein öffentlicher Zweck liegt nicht vor.

Edles Wasser sprudelt aus einer Quelle in 181 Meter Tiefe mitten in der mecklenburgischen Kreisstadt Parchim – ausgerechnet auf einem Gelände der städtischen Wasserwerke. Schnell war die Idee der Vermarktung eines Luxuswassers und damit die „Minus 181 GmbH“ geboren. Auf der Website des Unternehmens klingt das so: „Stille ist unser höchstes Gut. Und Stille liegt als Versprechen in unserem artesischen Wasser.“

Weich und besonders geschmacksneutral sei das Wasser, das in einer Manufaktur auf dem werkseigenen Gelände gefördert und abgefüllt wird. Der Liter kostet weit über 20 Euro und ist nicht im Einzelhandel, sondern nur in gastronomischen Partnereinrichtungen erhältlich. Derlei Angebote im Luxussegment sind nicht ungewöhnlich. Doch handelt es sich im Falle von „Minus 181“ um eine Luxusmarke, an der die Stadt Parchim über die örtlichen Wasserwerke mit 30 Prozent beteiligt ist. Das rief zuletzt den Landesrechnungshof auf den Plan. Denn, so hieß es bei der Vorstellung des Kommunalfinanzberichts 2019: „Ein öffentlicher Zweck, der eine solche Beteiligung rechtfertigt, liegt nicht vor. Die Beteiligung ist nach Kommunalverfassung unzulässig.“

Und es kommt noch schlimmer: Bis Ende des Jahres 2018 hatte das Unternehmen nach Angaben des Landesrechnungshofes Verluste in Höhe von 651.000 Euro erwirtschaftet und damit das Eigenkapital um rund zwei Drittel vermindert. Kurz nach Veröffentlichung des Kommunalfinanzberichts hagelte es für die Kritik von allen Seiten. Auch der Bund der Steuerzahler forderte die Stadt Parchim zum Verzicht auf die Beteiligung auf. Nun, so heißt es aus Parchim, werde eine Privatisierung der Anteile angestrebt.

Foto: Michaela Skott

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Aufbau von Luxusmarken gehört nicht zu den Aufgaben des Staates. Die nun eingefahrenen Verluste müssen aus den städtischen Einnahmen querfinanziert werden und fehlen an anderer Stelle.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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Bemerkungen :

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    Hermann Block 20/07/2020 um 14:40
    Gier tötet Hirn! Das Gute: Parchim kann die Verluste begrenzen...abschreiben und raus..liquidieren..
    Im Lk Lünebgurg sieht es viel schlimmer aus.
    Die Arena ist ein Faß ohne Boden. Invest statt ca 5 Mio wie zu Beginn der Planung jetz ca 25 Mio! Darüber hinaus ein Defizitbetrieb auf ewig.
    Die Kommunen müssen das über die Kreisumlage finanzieren. Diese ist bereits jetzt eine schwere Last.
    Typisch verarmter Landadel: Wir leben zwar über unsere Verhältnisse, aber noch lange nicht standesgemäß.......
    • user
      Michaela Skott 20/07/2020 um 19:54
      Hallo Herr Block, ganz so einfach ist es leider nicht. Die Verluste führen letztlich zu geringeren Einnahmen von kommunalen Unternehmen. Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, das an anderer Stelle dringend gebraucht würde. Ob sich schnell ein privater Investor finden lässt?
      Ihr geschilderter Fall klingt allerdings auch interessant. Bitte wenden Sie sich doch an den Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen!
      https://steuerzahler.de/landesverbandsseite/niedersachsen-bremen/?L=0
  • user
    Wolfgang Mikisch 20/07/2020 um 11:14
    Hallo, die Stadtwerke Neumünster (SWN) sind auch finanziell beteiligt...
    • user
      Michaela Skott 20/07/2020 um 19:56
      Hallo Herr Mikisch, ja, leider sind weitere kommunale Unternehmen beteiligt. Wie wäre es, wenn Sie sich in dieser Sache an den Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein wenden? Schließlich wird IHR Mandat gebraucht, um tätig zu werden.
      https://steuerzahler.de/schleswig-holstein/?L=0