
(Un-)Smarter Coworking-Space
An der Mosel Urlaub machen, arbeiten und – Steuergeld verbrennen
Was ist passiert?
Minheim (RP). Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch die kleinteiligste Kommunalstruktur in Deutschland aus. Zu ihr gehören mehr als 2.200 Ortsgemeinden, zu denen Minheim an der Mosel mit nur knapp 500 Einwohnern zählt. Die damalige Bürgermeisterin und der Gemeinderat wollten mehr Besucher in den Ort locken – auch mit der Möglichkeit, dass sie in der Moselgemeinde arbeiten können. „Coworking-Space“, so lautete das Zauberwort. Damit ist gemeint, dass sich z. B. Unternehmer und Selbstständige ein vollausgestattetes Büro anmieten und nach der Arbeit den Ort sowie die Gegend genießen können. Dass so ein Projekt die eigenen finanziellen Mittel der Gemeinde überfordern würde, war klar – aber wozu gibt es Fördertöpfe?
Im Rahmen des Modellvorhabens „Smarte.Land.Regionen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurde der Landkreis Bernkastel-Wittlich als Modellregion ausgewählt – und dann das zum Landkreis gehörige Minheim im Mai 2022 von einer Fachjury als Modellgemeinde auserkoren. Ziel war es, das Dorfgemeinschaftshaus zu einem „lebendigen Dorfmittelpunkt“ zu machen. Dabei lag der Fokus auf der Entwicklung eines Coworking-Space im Dorfgemeinschaftshaus.
Nach dem ursprünglichen Plan sollte das Coworking-Space plus Gemeindebüro in einem Nebengebäude des Bürgerhauses untergebracht werden. Die Testphase am Bürgerhaus begann im Sommer 2022 mit Containern, in denen sich die Büroräume befanden. Dazu gab es mehrere Veranstaltungen zur Begleitung. Allerdings stellte sich dann heraus, dass sich das für den Coworking-Space vorgesehene Gebäude in einem schlechten baulichen Zustand befand. Um hohe Renovierungskosten zu vermeiden, fasste Minheim den Plan, das Gebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Um das Projekt „Smartes Dorfgemeinschaftshaus“ jedoch nicht zu gefährden, fand die Ortsgemeinde als Interimslösung passende Räumlichkeiten im nahen Pflegedienst, wo im Juni 2023 ein kleines Coworking-Space mit Gemeindebüro eröffnet wurde.
Alles in allem hätte die Realisierung des ganzen Projekts inklusive Abriss und Neubau laut Presse wohl rund 1,4 Mio. Euro gekostet. Doch die kritischen Stimmen in Minheim häuften sich. Nach der Kommunalwahl 2024 änderten sich die politischen Mehrheiten und die Kritiker gaben nun den Ton an. Es folgte ein Kassensturz. Der neue Bürgermeister kritisierte im Herbst 2024 öffentlich, dass die laufenden Projektausgaben viel höher seien als die Einnahmen. Der Gemeinderat zog die Notbremse und alle Projektverträge wurden beendet.
Und wie sieht die Bilanz aus? Für das Coworking-Space-Projekt wurden bis zum Abbruch rund 208.000 Euro aufgewendet, davon ca. 108.000 Euro an Fördermitteln vom Bund und Landkreis sowie rund 100.000 Euro aus der Gemeindekasse.
Die Fördermittel wurden aber nicht an Minheim ausgezahlt, sondern als Beratungs- und als Sachleistungen erbracht, etwa von der CoWorkLand eG.
Auf der Habenseite stehen wiederum magere Einnahmen von insgesamt rund 5.200 Euro durch die Vermietung des Coworking-Space an 22 Nutzer im Zeitraum von 2022 bis 2024. Was für ein finanzieller Flop!
Foto: Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich
Der Bund der Steuerzahler meint
Das Coworking-Space-Projekt war für das kleine Minheim völlig überdimensioniert. Was in einer größeren Stadt vielleicht hätte funktionieren können, forderte in Minheim ein Debakel geradezu heraus. Gut, dass der finanzielle Schrecken von den Kommunalpolitikern selbst beendet wurde, bevor noch mehr Steuergeld verbrannt werden konnte.
Spenden Sie für unsere Arbeit!
Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.


Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert