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29.10.2019

Umweltministerium ohne grünen Daumen

Eine Solar-Sonnenblume steht im Schatten

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Was ist passiert?

Erfurt. Vor dem Haupteingang des Thüringer Umweltministeriums steht eine ganz besondere Sonnenblume. Sie besteht aus zwölf blütenblätterförmigen Solarmodulen, die sich auffächern können. Eine elektronische Steuerung sorgt gemeinsam mit einem Motor dafür, dass sich die Blume tageszeitabhängig immer auf die Sonne ausrichtet, um eine optimale Energieausbeute zu erreichen.

Leider kann die Solaranlage ihren eigentlichen Zweck – die Stromerzeugung – an diesem Standort kaum erfüllen, da sie die meiste Zeit des Tages im Schatten steht. Östlich der Solarblume steht nämlich das ca. 12 m hohe Gebäude des Ministeriums – somit hat die Sonnenblume nur in den späten Vormittagsstunden kurzzeitig freien Blick auf ihre Energiequelle. Spätestens ab Mittag versperren dann wieder ca. 20 m hohe Bäume die Aussicht. Nur in den Sommermonaten schafft es die Sonne auf ihrer hohen Bahn am Himmel für einige Stunden, ihre Strahlen schattenfrei zur Solarsonnenblume zu schicken.

Wie kam die Sonnenblume überhaupt an diesen Platz? Ursprünglich stand sie nämlich als Werbe- und Demonstrationsobjekt für regenerative Stromerzeugung 2017 auf der Landesgartenschau in Apolda. Dort gehörte sie zu einem Informationszentrum für Umwelt- und Energiethemen, dem „Klimapavillon“ des Thüringer Umweltministeriums. Am Beispiel der Solarsonnenblume konnten sich die Besucher erklären lassen, wie wichtig z. B. die richtige Standortwahl für die Effizienz einer Solaranlage ist. Nach der Landesgartenschau und zwischenzeitlicher Einlagerung ließ das Ministerium die Sonnenblume Anfang 2019 in eine Seitenstraße direkt neben den Haupteingang des Umweltministeriums „pflanzen“. Die „Blume“ kostete mehr als 12.000 Euro, die „Pflanzkosten“ vor dem Ministerium schlugen zusätzlich mit fast 5.000 Euro zu Buche.

Die Aufgabe der Sonnenblume besteht nun laut Aussage des Ministeriums darin, sich selbst mit der notwendigen Energie zu versorgen und darüber hinaus dauerhaft auf die Bedeutung der Sonnenenergie im Thüringer Energiemix hinzuweisen. Dass die Sonnenblume nicht an der Südseite des Ministeriums, mit freiem Blick zur Sonne und an einer belebten Straße aufgestellt wurde, scheint sich damit erklären zu lassen, dass die Produktion von Ökostrom nicht die primäre Aufgabe der Solaranlage ist: „Primär ist der Bezug zur Energiepolitik des Hauses, nicht die Einspeisung“, teilte das Ministerium auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler Thüringen mit.

(Foto: Steffen Peter)

Der Bund der Steuerzahler meint

Es ist gut, dass ein solch hochwertiges Demonstrationsobjekt eine Nachnutzung gefunden hat. Kritisch sehen wir allerdings, dass dieses Ziel nur auf das Image des Ministeriums ausgerichtet ist und nicht tatsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt wird.

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