
Um jeden Preis? Eine Fischtreppe sorgt für Ärger
In Dobbin-Linstow laufen die Kosten für eine Fischtreppe aus dem Ruder
Was ist passiert?
Dobbin-Linstow (MV). Mitten durch das Land schlängelt sich der Fluss „Nebel“. Im Ortsteil Walkmöhl staut ein Wehr den Fluss zu einem Teich. Das Wehr, das einen Höhenunterschied von fast zwei Metern zum natürlichen Flusslauf aufweist, hindert die Fische und kleine Organismen am Durchwandern des Flusses. Eine europäische Richtlinie allerdings sieht vor, dass bis zum Jahr 2027 alle Flüsse, Seen, das Grundwasser und die Küstengewässer in einen „guten ökologischen Zustand“ versetzt werden sollen. Dazu gehört, dass Flüsse für Fische durchwanderbar sein müssen. Seit dem Jahr 2014 hat das Land bislang insgesamt 23 Mio. Euro für den Bau von Fischtreppen ausgegeben, weitere zwölf Mio. Euro sind bereits verplant.
Seit Jahren werden für diesen Flussabschnitt in Dobbin-Linstow Maßnahmen geplant, verworfen, wieder neu geplant, vor allem auch deshalb, weil die „Nebel“ nicht nur über öffentliche, sondern auch über private Flächen verläuft. Nun steht fest: Nach 450 Jahren soll der Mühlenteich trockengelegt werden, um den Bau einer Fischaufstiegsanlage (kurz: Fischtreppe) zu ermöglichen.
Allerdings hatte man diesen Teich im Jahr 2022 für 925.985,80 Euro ausgebaggert, um den Planungen und dem Förderantrag eines Projekts von 2016 gerecht zu werden, das vorsah, eine Fischtreppe zu bauen und gleichzeitig den Mühlenteich zu erhalten. Nun soll nur noch die Fischtreppe gebaut, aber der Mühlenteich doch nicht erhalten werden.
Dagegen regt sich vor Ort Widerstand. Eine Anwohnerin startete im vergangenen Jahr eine Petition. Sie sagt: „Fischtreppe ja – aber nicht um jeden Preis!“ und fordert den Erhalt des Mühlenteichs sowie eine Neuplanung der Fischtreppe. Schließlich liege der Mühlenteich mitten in zwei ausgewiesenen Naturschutzzonen. Seltene Tiere und Pflanzen seien hier zu Hause. Die Petentin sieht aber auch die Gefahr einer Steuergeldverschwendung. Immerhin sei die teure Ausbaggerung zwei Jahre zuvor nicht notwendig gewesen, wenn man den Mühlenteich letztlich doch trockenlege.
Im Herbst 2024 machte sich der Petitionsausschuss des Landtags vor Ort ein Bild von der Lage. Außerdem wurden durch ihn verschiedene Sachverständige befragt, ob es Alternativen gibt, beim Bau der Fischtreppe den Mühlenteich zu erhalten. Ein zertifizierter Experte aus Thüringen gab der Anwohnerin Recht: Es gebe eine weniger invasive und kostengünstigere Möglichkeit. In seinem Abschlussbericht und der Beschlussempfehlung von Anfang April äußert der Ausschuss letztlich „erhebliche Zweifel“, ob die bislang bevorzugte Variante tatsächlich „alternativlos“ ist. Die Petition wurde an die Landesregierung zur Prüfung verwiesen.
Im Landwirtschaftsministerium jedoch passiert: Nichts. Man bleibt bei den bisherigen Plänen und kann auf Nachfrage des BdSt der Auffassung des Sachverständigen aus Thüringen „nicht folgen“, ohne zu erklären, weshalb. Stattdessen wird dessen Expertise angezweifelt. Es sei fraglich, „ob sich ein Ingenieur aus Thüringen überhaupt mit den Gewässern des norddeutschen Tieflandes auskennt“.
Bei den jüngsten Projektplanungen wurde die Variante, die den Erhalt des Mühlenteichs vorsieht, gar nicht erst kalkuliert, da sie von den Projektträgern und der Kommune von vornherein nicht gewünscht gewesen sei. Wird die jetzt von den zuständigen Ämtern geplante Maßnahme mit dem Rückbau des Mühlenteichs umgesetzt, schlägt dies nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums mit 4,2 Mio. Euro zu Buche – mindestens. Dabei wäre eine umlaufende Fischtreppe deutlich kostengünstiger zu haben, weil auf die kostspielige Trockenlegung des Mühlenteiches verzichtet werden könnte.
Foto: Michaela Skott
Alternative Investition
Der Vorschlag des Petitionsausschusses sieht eine Lösung für die Fischtreppe vor, bei der der Mühlenteich erhalten werden kann.
Der Bund der Steuerzahler fordert
Fischtreppe ja – aber nicht um jeden Preis! Auch Fördermittel sind Steuergeld und müssen sparsam eingesetzt werden. Wir fordern, dass das Landwirtschaftsministerium die Argumente des Petitionsausschusses sorgfältig prüft und die Entscheidungen der Ämter transparent dargelegt werden.
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