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  • Richtig skurril!
16.06.2020

Übertriebene Brücken-Sanierung

200.000 Euro für eine Brücke, die keiner kennt und niemand braucht.

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Was ist passiert?

Gifhorn. Circa 270 Jahre ist die Napoleonsbrücke alt. Sie steht einsam und abgelegen in einem Waldstück in der Nähe von Gifhorn. Wer die Brücke als nicht ortskundiger Tourist besichtigen möchte, muss unter Umständen jedoch etwas länger nach ihr suchen, denn Wegweiser oder Hinweisschilder sucht man bislang vergeblich. Ihren Namen verdankt die steinerne Brücke dem französischen Kaiser und Feldherrn Napoleon Bonaparte, der sie in den Jahren 1803 oder/und 1806 mit seinen Truppen passiert haben soll. Aus diesem Grunde steht die Bogenbrücke aus Bruchsteinmauerwerk auch unter Denkmalschutz, sodass die Stadt Gifhorn durch das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz zu ihrem Erhalt verpflichtet ist.

Insofern waren der Stadt Gifhorn bei der Sanierungsentscheidung zwar ein Stück weit die Hände gebunden, doch ist sie bei der konkreten Umsetzung der Sanierung deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Statt einem rein denkmalschutzgerechten Erhalt der Brücke, entschied sich die Stadtverwaltung dafür, die instabile Brücke wieder „erlebbar“ (sprich: begehbar) zu machen. Auf BdSt-Nachfrage teilte die Stadt mit, weitere Sanierungsvarianten, zwischen denen der Stadtrat hätte wählen können, seien verwaltungsseitig nicht erarbeitet worden.

Um die gewünschte Begehbarkeit der Brücke zu gewährleisten, muss sie allerdings den modernen Anforderungen an Statik und Sicherheit genügen. So musste beispielsweise direkt neben dem historischen Geländer – dessen Höhe aufgrund des Denkmalschutzes nicht verändert werden durfte – noch ein weiteres, nur minimal höheres Metallgeländer installiert werden, das gleichzeitig als eine Art Umlaufsperre fungiert und Kraftfahrzeuge an der Befahrung der Brücke hindert.

Besonders ärgerlich ist die aufwendige Sanierung, weil die Napoleonsbrücke von so gut wie niemandem genutzt wird, vermutlich auch weil sie genau genommen nirgendwo hinführt: Der Weg am Nordende der Brücke endet in einer Sackgasse. Auch der Wasserlauf, den sie einst überspannte, ist längst nur noch ein kleiner Tümpel, sodass die wenigen Fahrradfahrer und Fußgänger, die sich in das Waldstück verirren, ebenso gut den Weg benutzen können, der schon seit vielen Jahren unmittelbar neben der Brücke verläuft.

Foto: Jan Vermöhlen, BdSt

Bild zum Fall

Video zum Fall

Im Video des NDR bewertet der Bund der Steuerzahler die Sanierung der Brücke.

Alternative Investition

Die Gelder hätten für die Instandsetzung verkehrsrelevanter Brücken oder die Pflege zugänglicherer Denkmäler genutzt werden können.

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Denkmalschutz hat seine Berechtigung, sollte jedoch nicht zum Selbstzweck werden. Mitteleinsatz und Nutzen sollten in einem akzeptablen Verhältnis zueinanderstehen, um den „Eigentümern“ einen gewissen Spielraum einzuräumen. Das Denkmalschutzgesetz ist entsprechend anzupassen!

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Autor des Artikels

Jan Vermöhlen

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