
Teures Logo für die Stadt Leipzig
Leipzig zahlt rund 666.000 Euro für ein neues Design
Was ist passiert?
Leipzig (SN). Die Stadt Leipzig hat Ende 2025 ein neues Corporate Design inkl. Stadtlogo eingeführt. Das bisherige Wappen bleibt bestehen, wird aber durch das neue Design und Logo ergänzt. Die Ziele des neuen Corporate Designs sind eine bessere Wiedererkennbarkeit, Lesbarkeit und Anpassung an digitale Anforderungen, so die Rechtfertigung der Stadt. Doch dieses Ansinnen mündete in eine stetig wachsende Kostenexplosion.
Der Ursprung des Projekts reicht ins Jahr 2022 zurück. Damals beschloss der Stadtrat offiziell eine Weiterentwicklung des visuellen Erscheinungsbilds und stellte hierfür zunächst 50.000 Euro Steuergeld bereit. Bereits die Vorarbeiten, insbesondere Analyse und Beratung, kosteten allerdings schon 60.000 Euro. Doch dieser Anstieg war lediglich der Ausgangspunkt für eine deutliche Ausweitung des Gesamtprojekts. Es folgte eine gänzlich andere Größenordnung: Für Designentwicklung und Umsetzung wurden sodann 500.000 Euro angesetzt. Doch auch dabei blieb es nicht, denn am Ende summierten sich die Ausgaben inkl. der 60.000 Euro teuren Vorarbeiten auf insgesamt rund 666.000 Euro: für das Corporate Design, die Markenstrategie, Informationsarchitektur und Projektkommunikation rund 390.000 Euro, 93.000 Euro für die Entwicklung einer Unikat-Hausschrift „Leipzig Sans“, rund 8.800 Euro für die Koordination zwischen Schriftgestalter und Designagentur sowie weitere rund 114.000 Euro für die Umsetzung des neuen Designs auf der Website der Stadt.
Als besonders pikant betrachtet der Bund der Steuerzahler die Eigenentwicklung der Leipziger Hausschrift für rund 93.000 Euro. Während die Stadt auf langfristige Einsparungen bei Lizenzgebühren verweist, kann entgegengehalten werden, dass kostenfreie Open-Source-Schriften dieses Ziel sofort und ohne zusätzliche Ausgaben gleichfalls erreichen! Dann stünde mehr Geld für den Ausbau der sozialen und verkehrlichen Infrastruktur parat.
Mehr noch: Der Bund der Steuerzahler kritisiert vor allem die klammheimliche Kostenexplosion und mangelhafte Kostentransparenz. So wurde weder die entscheidende Budgeterweiterung vom Stadtrat gebilligt – sondern lediglich verwaltungsintern entschieden – , noch wurden weitergehende Personalkosten in der Stadtverwaltung erfasst. Da sich das Projekt über mehrere Jahre und verschiedene Ämter erstreckte, war eine umfassende Kontrolle durch den Stadtrat nur eingeschränkt möglich. Eine klare Kosten-Nutzen-Abwägung liegt bis heute nicht vor. Wären die tatsächlichen Gesamtausgaben frühzeitig offengelegt worden, hätte es sehr wahrscheinlich eine intensivere politische Diskussion über das Designprojekt gegeben.
Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt: Solche Projekte sind zwar gang und gäbe, können aber deutlich günstiger umgesetzt werden. So realisierte etwa die Stadt Marburg einen Relaunch für lediglich rund 35.000 Euro.
Foto: Appaloosa, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Der Bund der Steuerzahler meint
Ein neues Logo für eine Großstadt muss nicht zwangsläufig falsch sein – doch wenn dafür Hunderttausende Euro ausgegeben werden, reicht es nicht, das Ergebnis hinter verschlossenen Türen zu präsentieren. Der Bund der Steuerzahler erwartet Transparenz über die tatsächlichen Kosten, klare Beteiligungsprozesse und eine sorgfältige Abwägung zwischen städtischer Identität und dem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld.
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