
Teurer Schiffsnachbau abgeblasen
Am Ende siegt die Vernunft: maritime Förderruine in Bremerhaven verhindert
Was ist passiert?
Bund/Bremerhaven (HB). Die hölzerne Dreimastbark „Seute Deern“ war einst Aushängeschild des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Weil das Museum, die Stadt und das Land Bremen jedoch zu wenig für die Instandhaltung des Schiffs taten, war es 2018 derart marode, dass sich der Bund genötigt sah, bis zu 17 Mio. Euro für seine Sanierung bereitzustellen. Doch bevor die Arbeiten beginnen konnten, havarierte das Schiff nach einem Brand irreparabel. Im Oktober 2019 beschloss der DSM-Stiftungsrat, das Schiff abzuwracken.
Statt nun die Millionenförderung zu streichen, ließ sich der Bund von lokalen Akteuren überreden, die Förderung im November 2019 sogar noch auf 46 Mio. Euro aufzustocken und zugunsten eines Nachbaus der „Seute Deern“umzuwidmen. Der Bund der Steuerzahler nahm den beabsichtigten Nachbau als drohende Steuergeldverschwendung ins Schwarzbuch 2020/21 auf.
Dann stellte sich heraus, dass die Bundesgelder allein nicht ausreichen würden, um den Nachbau der hölzernen „Seute Deern“ zu finanzieren. Weil weder das Land noch die Stadt Bremerhaven bereit waren, einen finanziellen Eigenbeitrag zu leisten, wurden die Strippenzieher vor Ort erneut aktiv. Im November 2020 konnten sie den Bund wieder zu einer Umwidmung der Förderung überreden. Statt der hölzernen „Seute Deern“ sollte nun kostengünstiger ein Stahlschiff nachgebaut werden. Die Wahl fiel auf die „Najade“, ein Frachtsegler, der 1888 in Bremerhaven vom Stapel lief und während des Ersten Weltkriegs, unter norwegischer Flagge segelnd, von einem deutschen U-Boot versenkt wurde. Der Bund der Steuerzahler kritisierte das Manöver scharf: Statt auf die üppige Bundesförderung zu verzichten, soll nun ein Schiff nachgebaut werden, das – anders als die „Seute Deern“ – selbst eingefleischten Bremerhavenern kein Begriff ist.
Der BdSt-Kritik schloss sich 2022 auch der Bundesrechnungshof an. Neben einem fehlenden Bundesinteresse verwies der Rechnungshof auch auf die hohen Unterhaltungskosten eines Schiffsnachbaus, mit denen das DSM überfordert sein würde. Die „Najade“ drohe zur Förderruine zu werden, weshalb der Bund die Förderung zurücknehmen solle. Ohnehin werde das maritime Erbe der Seestadt durch die im Sommer 2021 erfolgte Verlegung der „Schulschiff Deutschland“ nach Bremerhaven bereits ausreichend repräsentiert. Diese Verlegung hatte der Bund der Steuerzahler ein Jahr zuvor angeregt.
Der Bund ignorierte diese Kritik jedoch und erteilte der Seestadt Bremerhaven im November 2022 die Erlaubnis zur vorbereitenden Planung. Vor Baubeginn sollte Bremerhaven jedoch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen.
Die Stadt kam dieser Forderung erst im Februar 2025 nach. Das Ergebnis der insgesamt rund 55.000 Euro teuren Untersuchung war dann wenig überraschend: Ein Betrieb des „Najade“-Nachbaus sei wirtschaftlich nicht tragfähig. Und weil Bremerhaven weiterhin jegliche finanzielle Beteiligung ablehnte, beschloss der Magistrat im Oktober 2025 schließlich, das Projekt abzublasen – so wie es der BdSt bereits fünf Jahre zuvor geraten hatte.
Foto: DSM / Lennart Edel
Alternative Investition
Mit 46 Mio. Euro könnten neun Seenotrettungskreuzer (20-Meter-Klasse) finanziert werden.
Der Bund der Steuerzahler meint
Die „Najade“ fand selbst in Bremerhaven kaum Unterstützung. Außer dem Bund wollte niemand ins Projekt einsteigen. Trotzdem liefen die Planungen lange Zeit weiter. 55.000 Euro sind dadurch zwar verloren; doch die verbliebenen rund 46 Mio. Euro Bundesmittel können nun hoffentlich sinnvoller genutzt werden.
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