
Teure Lärmschutzwand auf falscher Straßenseite?
1,3 Mio. Euro teure Wand für wenige Häuser hinter Straße wirkt deplatziert
Was ist passiert?
Eltville am Rhein (HE). Täglich fahren zahlreiche Personen- und Güterzüge zwischen Wiesbaden und Koblenz am Rhein entlang. Das bedeutet eine hohe Lärmbelastung für die dort lebenden Menschen. Lärmschutzwände sollen Abhilfe schaffen. Es ist jedoch fraglich, ob diese Investitionen an allen Stellen sinnvoll sind – wie ein Beispiel aus Eltville am Rhein zeigt.
Im Rahmen des Projekts „Leiseres Mittelrheintal“ setzt die Deutsche Bahn zahlreiche Maßnahmen zwischen Koblenz und Wiesbaden um, um den mittleren Lärmpegel für die Anwohnerinnen und Anwohner dauerhaft auf unter 55 Dezibel zu senken – so auch in Eltville. Dafür ermittelte die Deutsche Bahn in den Jahren 2014 und 2017 zunächst einen Nutzen-Kosten-Index und ein Nutzen-Kosten-Verhältnis. Neben dem akustischen Schleifen der Gleise und dem Einbau von Schienenstegdämpfern auf 2,2 Kilometer Länge wurde für Eltville dabei auch der Bedarf für eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand ermittelt – unter anderem für die etwa einen Kilometer lange Strecke zwischen dem Ortsausgang Eltville und dem Straßenübergang nach Oberwalluf.
Diese Lärmschutzwand kostet rund 1,3 Mio. Euro und stößt vor Ort auf Unmut. Kritisiert wird, dass direkt neben den Schienen zwei Radwege und die vielbefahrene Straße K 638 (ehemals B 42) liegen. Erst auf der anderen Straßenseite, etwa 100 Meter von den Gleisen entfernt, stehen einige wenige Häuser, die stark vom Bahnlärm betroffen sind. Kritikerinnen und Kritiker fragen sich, ob die Lärmschutzwand nicht eher die Straßengeräusche reflektiert und so die Lärmbelastung sogar noch steigert, anstatt sie zu reduzieren. Die Deutsche Bahn verweist in einer Antwort an den Bund der Steuerzahler im August 2025 auf das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Analyse, wonach dort teilweise Dezibelwerte von mehr als 70 gemessen wurden. Durch die Schallschutzwand verringere sich die Lautstärke um neun bis zwölf Dezibel. Doch damit fällt der Wert für die betroffenen Häuser schließlich immer noch nicht unter die anvisierten 55 Dezibel.
Foto: Moritz Venner
Alternative Investition
Statt der fragwürdig platzierten Lärmschutzwand hätten mit dem Geld moderne Fenster mit Schallisolation für die betroffenen Haushalte finanziert werden können.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Diese Lärmschutzwand wirkt deplatziert – und das für viel Steuergeld. Vielleicht wären Lärmschutzfenster sinnvoller gewesen, die die Bewohnerinnen und Bewohner unabhängig von den anderen Maßnahmen beantragen können.
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Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Ausführliche Recherche, gut und verständlich formulierter Bericht.
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