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29.10.2019

TEMPOräre Parklets

Teure Fahrradstellplätze für den Prenzlauer Berg

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Was ist passiert?

Berlin. Gleich das erste von vier neuen Parklets am U-Bahnhof Schönhauser Allee hatte im Oktober 2018 negative Schlagzeilen gebracht. Weil es in den Radweg hineinragte, hatte das Bezirksamt Pankow die Konstruktion aus Stahl und Holz Medienberichten zufolge als „Verkehrsgefährdung“ eingestuft und dem Verkehrssenat die Abnahme verweigert. Erst nach dem Umbau erfolgte mit vier Wochen Verspätung die Einweihung.

Drei der zwölf Meter langen Konstruktionen sind mit Fahrradbügeln ausgestattet und ergänzen laut Senatsverwaltung zunächst das Angebot der bestehenden Fahrradabstellanlagen. Sie können nach Ablauf der Förderfrist auch flexibel mit Tischen und Stühlen zum Verweilen ausgestattet werden. Eines der Parklets ist mit einer „Aktionsfläche“ versehen, was nichts anderes als eine umlaufende Bank darstellt. Die Konstruktionen nehmen jeweils die Fläche von zwei Kfz-Parkplätzen ein und sollen vorerst für ein Jahr aufgestellt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Bund der Steuerzahler sah sich die Parklets genauer an und staunte nicht schlecht: Unter dem dortigen Hochbahnviadukt der U-Bahnlinie U2 stehen bereits zahlreiche Fahrradanlehnbügel. Für viele weitere regengeschützte Fahrradstellplätze wäre noch jede Menge Platz.

Wir fragten nach, was die Parklets den Steuerzahler genau gekostet haben. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz teilte mit, dass die Parklets in der Schönhauser Allee brutto jeweils 58.263,22 Euro gekostet hätten. Zusätzlich hätten sich Mehrkosten in Höhe von 9.617,33 Euro je Parklet durch die notwendigen baulichen Kürzungen zum Radweg hin ergeben. Das macht zusammen stolze 67.880,55 Euro pro Parklet.

Dass zwei der Parklets zu 70 Prozent der Investitionssumme vom Bundesumweltministerium gefördert wurden, tröstet wenig, denn auch die Fördermittel im Rahmen des TEMPOrär-Projekts „Klimaschutz im Radverkehr” sind Steuergeld. Der Begriff TEMPOrär steht übrigens für „Temporäres Modellprojekt zur Erprobung schnell umsetzbarer provisorischer Maßnahmen zur Stärkung klimaneutraler Mobilität im urbanen Umfeld“.

Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gab es laut Aktenauskunft der Senatsverwaltung nicht, weil es sich beim Bau der Parklets um eine Pionierarbeit handle, die in Deutschland so noch nicht geleistet worden sei. Die Maßnahme ersetze klassische Straßenbaumaßnahmen und sei im Vergleich dazu per se wirtschaftlicher.

Alternative Investition

Für das Geld hätte man 1.000 Fahrradanlehnbügel regengeschützt unter der Hochbahn einbetonieren können.

Der Bund der Steuerzahler meint

Eine vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hätte sicher ergeben, dass 271.522,20 Euro für 16 Fahrradbügel eher eine Pionierleistung im Bereich der Steuergeldverschwendung darstellen.

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Autor des Artikels

Alexander Kraus

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