
Stuttgart-Schriftzug für 470.000 Euro kommt nicht
Projekt kurz vor der Umsetzung gestrichen – knappe halbe Mio. Euro für ein „Stuttgart-Sign“ waren schon beschlossen
Was ist passiert?
Stuttgart (BW). Die fetten Jahre sind in Stuttgart vorbei, vielerorts regiert der Rotstift. Zuschüsse werden gestrichen, Gebühren werden erhöht. Vor diesem Hintergrund mutete es höchst seltsam an, dass Verwaltung und Gemeinderat kurz vor dem Jahreswechsel im Dezember 2025 mit äußerst knapper Mehrheit bei 30 Ja- und 27 Nein-Stimmen die Installation eines Stuttgart-Schriftzugs beschlossen. Die überdimensional großen Buchstaben sollten auf dem Marktplatz zu sehen sein, als konkretes Vorbild diente der Schriftzug in der kanadischen Metropole Toronto. Das neue „Stuttgart-Sign“ sollte mit LEDs ausgestattet werden und in verschiedenen Farben leuchten können.
Der gefasste Beschluss ging auf eine Idee der CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat zurück, die sich vom „Stuttgart-Sign“ einen neuen Selfie-Hotspot erhoffte, an dem Touristen mit ihren Fotos für einen Besuch der Landeshauptstadt werben. Was Verwaltung und Gemeinderat – neben dem Defizit im Doppelhaushalt 2026/2027 von rund 800 Mio. Euro – offenbar vergessen hatten, war, dass es in der Innenstadt bereits zwei „Stuttgart-Signs“ gibt, vor denen Einheimische und Besucher in die Kamera lächeln können. Einer der beiden Schriftzüge steht auf der Einkaufsmeile Königstraße beim Pusteblumen-Brunnen, der zweite als STGRT-Zeichen vor dem Stadtpalais am Charlottenplatz. Letzterer kostete 40.000 Euro, die Buchstaben auf der Königstraße rund 60.000 Euro. Auch bei einem Blick über die Stadtgrenze hinaus fiel schnell auf, dass andere Städte-Signs weit weniger als die 470.000 Euro kosteten, die man in Stuttgart dafür hinblättern wollte. Sindelfingen bezahlte knapp 20.000 Euro, Nagold investierte 18.000 Euro, und in Kornwestheim ließ man sich den Schriftzug 9.000 Euro kosten.
Wann die riesigen Buchstaben auf dem Marktplatz installiert werden sollten, stand lange in den Sternen. „Da der Haushalt der Stadt Stuttgart bislang nicht vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigt wurde, sind bislang keine Schritte der Umsetzung des „Stuttgart-Signs“ unternommen und keine finanziellen Mittel dafür eingesetzt worden“, hieß es im Februar 2026 auf BdSt-Anfrage aus dem Rathaus. Es gab also bereits zu diesem Zeitpunkt die leise Hoffnung, dass dieses Projekt, das der Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg sowohl in seinem Mitgliedermagazin als auch gegenüber den Medien hinsichtlich der leeren Stadtkasse als schlichtweg nicht darstellbar kritisierte, am Ende doch keine halbe Mio. Euro Steuergeld verschlingen würde.
Diese Hoffnung wurde im Frühsommer dieses Jahres, nach der Genehmigung des Haushalts durch das Regierungspräsidium, leicht genährt, als die das Projekt umsetzende Stuttgart-Marketing GmbH verlautbaren ließ, dass die 470.000 Euro eine absolute Obergrenze darstellten und man versuchen wolle, diese Summe zu unterschreiten.
Die ganz große Wende kam dann Mitte Juli 2026, als die CDU-Fraktion ankündigte, Abschied von der Idee des „Stuttgart-Signs“ zu nehmen: Sie sei nicht zu einem ganz optimalen Zeitpunkt eingebracht worden. Es gehöre zu einer verantwortungsvollen Politik zu erkennen, dass der neue Schriftzug jetzt nicht in die Zeit passe, lautete die Begründung der CDU-Fraktionsspitzen.
Foto: Daniel Bilaniuk
Der Bund der Steuerzahler meint
Fast eine halbe Mio. Euro für ein – obendrein drittes – „Stuttgart-Sign“ auszugeben, hätte sich die Stadt mit Blick auf ihre derzeit leeren Kassen nicht leisten können. Dass dieses Werbe-Projekt jetzt nicht umgesetzt wird, ist daher eine gute und richtige Entscheidung.
Ärger allein ändert nichts. Ihre Spende schon.
Wir machen Steuergeldverschwendung öffentlich und bleiben dran, bis sich etwas ändert. Unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende.


Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert