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  • Kostenexplosion
29.10.2019

Schöner Warten in Leverkusen wird richtig teuer

Haltestellendach am neuen Busbahnhof in Leverkusen wird 1,5 Mio. Euro teurer

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Was ist passiert?

Leverkusen. Ein 2.300 qm großes, halbdurchsichtiges Dach aus PVC soll den Mittelbussteig in Leverkusen überspannen. Es soll Fahrgäste vor Sonne und Regen schützen und abends – wie der gesamte Busbahnhof – beleuchtet werden. Zusätzlich wird es mehr Sitz- und windgeschützte Warteplätze geben. Auch ein Kiosk ist angedacht. Ursprünglich waren für das Haltestellendach 2,1 Mio. Euro kalkuliert. Mittlerweile rechnet die Stadt mit fast 3,6 Mio. Euro.

Planungs- und Baubeschluss waren im April 2017 gleichzeitig erfolgt. Bei der ersten Ausschreibung des Busbahnhofdachs sei der Stadt Leverkusen klargeworden, dass die Firmen nicht zu den Kosten der Entwurfsplanung anbieten würden. Eine weitere, anders strukturierte Ausschreibung erzielte einen deutlich günstigeren Preis. Eine Kostensteigerung gab es dennoch.

Die wesentlichen Kostensteigerungen ergaben sich beim Bau des Fundamentes um ca. 256 Prozent! Beim Stahlbau steigerten sich die Kosten um ca. 59 Prozent. Weitere Kostensteigerungen kamen 2019 für die Beleuchtung des Dachs und die Hochbaugewerke hinzu. Eine Notbremsung war nicht mehr möglich.

Eine Neuplanung mit einer günstigeren Dachversion sei nach Darstellung der Stadt verworfen worden, da diese nicht nur die Planungskosten von ca. 700.000 Euro obsolet gemacht, sondern außerdem Schadenersatz nach sich gezogen hätte.

Zu den viel höheren Baukosten kommen noch Folgekosten hinzu, die die Stadt zu tragen hat. Prognostiziert wird, dass die Dachmembran nach 15 Jahren erneuert werden muss; dies würde nochmals 493.000 Euro kosten. Geplant ist, das Dach einmal im Jahr für rund 10.000 Euro brutto zu reinigen und alle 2,5 Jahre für 2.500 Euro pro Jahr warten zu lassen. Zusätzlich werden Korrosionsschutz und Reparaturarbeiten an allen anderen Bauteilen nötig. Diese Kosten sind wegen des speziellen Bauwerks schwer abzuschätzen.

Zudem wurde das Dach nicht, wie geplant, Ende 2018 fertig, sondern wird voraussichtlich erst im Spätherbst 2019 fertiggestellt sein. Der Grund für die Verzögerung: Da die erste Ausschreibung zu keinem wirtschaftlichen Ergebnis geführt hatte, musste die Ausschreibung aufgehoben, neu strukturiert und ein zweites Mal veröffentlicht werden. Durch die Probleme mit der Dachkonstruktion verzögerte sich übrigens die Fertigstellung des gesamten Busbahnhofs insgesamt um ca. 1 Jahr.

Wie hoch der Eigenanteil der Stadt ausfallen wird, ist noch nicht klar. Sämtliche Förderanträge beim Nahverkehr Rheinland GmbH und beim Land Nordrhein-Westfalen seien gestellt, allerdings noch nicht alle bewilligt. Die Stadt konnte somit bis Redaktionsschluss keine exakten Zahlen nennen.

Die Kostenexplosion beim Haltestellendach hat noch weitere Folgen: Nach Aussagen der Stadt Leverkusen wird sie in den nächsten Jahren voraussichtlich verschiedene Projekte „zeitlich verschieben oder strecken“ müssen.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Planungs- und Baubeschluss sind gleichzeitig erfolgt − ein Risiko. Durch einen solchen Doppelbeschluss können Ungenauigkeiten bei der Planung und der Kostenermittlung kaum noch korrigiert werden.

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Autor des Artikels

Andrea Defeld

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Bemerkungen :

  • user
    A. Otten 29/10/2019 um 17:57

    Hallo,


    verstehe ich Ihren Artikel richtig, dass Sie primär nicht die höheren Kosten des Bauwerkes, sondern den Verfahrensablauf kritisieren, der einen Abbruch unmöglich gemacht hat?


    Wissen Sie woher die Explosion der Kosten für das Fundament stammte? War dies abzusehen?



    Viele Grüße


    A. Otten