
Saarländisches „Tiny House“ kaum genutzt
„Saarland Experience“ für rund 330.000 Euro
Was ist passiert?
Saarland. Der Fachkräftemangel trifft das Saarland zunehmend stärker. So stellte sich das Land die Frage, wie es dazu beitragen kann, dass saarländische Unternehmen und Institutionen erfolgreicher geeignete Bewerber aus anderen Bundesländern rekrutieren können? Die Antwort der Marketingagentur des Saarlandes – Saaris – war das „Tiny House“. Hierbei handelt es sich um eine kleine mobile Wohnanlage, die mit zwei Schlafgelegenheiten, einem Fernseher, Sessel, Bad und einer kleinen Küchenecke ausgestattet ist. Interessierte Unternehmen können das „Tiny House“ bei sich aufstellen, damit dort auswärtige Bewerber übernachten und so die „Saarland Experience“ erleben können. Auch das soll die Bewerber davon überzeugen, dass das Saarland der richtige Standort für ihre berufliche Zukunft ist.
Günstig war das jedoch nicht. Die einmaligen Projektkosten – von der Konzeption der „Saarland Experience“ über den Bau des „Tiny House“ bis hin zur Website-Gestaltung – umfassen insgesamt rund 230.000 Euro. Dazu kamen noch die Kosten für den „öffentlichkeitswirksamen Projektstart“ in Höhe von rund 83.000 Euro, zu denen allerlei Kreativleistungen und Veranstaltungskosten zählen. Als Kosten pro Standort auf Basis der bereits entwickelten Tools kalkuliert die Staatskanzlei mit weiteren 21.000 Euro. Die Finanzierung erfolgte aus Landesmitteln, jedoch sollen sich die Kooperationspartner auch zu einer finanziellen Beteiligung verpflichten.
Allerdings gab es seit dem Projektstart Mitte 2023 nur einen einzigen, rund sechs Wochen langen Einsatz des „Tiny House“ – und zwar auf dem Werksgelände von
Villeroy & Boch in Mettlach. Danach wurde es aufgrund baurechtlicher Genehmigungshürden problematisch. Um das mobile „Tiny House“ für einen Zeitraum von vier bis acht Wochen bei dem Kooperationspartner aufstellen zu können, musste jedes Mal ein Bauantrag gestellt werden. Das verhinderte z. B. einen angedachten Einsatz in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Diese bürokratischen Probleme sollen aber zwischenzeitlich gelöst worden sein, sodass wieder Gespräche mit potenziellen Partnern geführt werden können. Immerhin betrachtet selbst die Staatskanzlei das „Tiny House“ als „langfristiges Akquise- und Marketing- Instrument“.
Foto: Christoph Walter
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Was sind die wichtigsten Gründe, warum Menschen einen neuen Job antreten? Die Hoffnung auf eine interessante Arbeit, ein gutes Gehalt, tolle Kollegen, perspektivische Aufstiegschancen und ein angenehmes Wohnumfeld. Aber wie viele Menschen werden wohl eine berufliche Tätigkeit im Saarland aufnehmen, weil sie ein bis zwei Nächte in einem „Tiny House“ hatten? Wohl niemand. Schade um die rund 330.000 Euro Steuergeld für einen Marketing-Gag.
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