
Rätselspaß im Volkspark
Berliner Jungfernheide erhält einen Erlebnispfad Stadtnatur
Was ist passiert?
Berlin. Trotz Haushaltskrise hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf im Volkspark Jungfernheide für mindestens 100.000 Euro einen Erlebnispfad Stadtnatur errichtet. Der Löwenanteil geht dabei für die Konzeption drauf. Mehr noch: Der Bezirk plant sogar, weitere Gartenanlagen mit Erlebnispfaden auszustatten.
Im Einzelnen: Am 12.9.2025 hat der Bezirksumweltstadtrat im Volkspark Jungfernheide einen „Erlebnispfad Stadtnatur“ eröffnet. Die zehn von einem Künstler erstellten Holzstelen auf dem Rundweg verlinken mit QR-Codes direkt zu vertiefenden Informationen auf der Webseite des Bezirksamts. Zusätzlich veröffentlichte das Bezirksamt einen Faltplan mit Hintergrundtexten, Mitmach- und Rätselaufgaben. Wer alle zehn Stationen besucht und die Rätsel löst, erhält ein Lösungswort.
Auf dem Erlebnispfad durch die Jungfernheide kann sich der Besucher mit Fragen zur Lieblingsspeise von Turmfalken, dem Gewicht von Bibern oder dem Paarungsverhalten von Libellen beschäftigen. „Der Erlebnispfad Stadtnatur vermittelt allen Besuchenden – ob Jung oder Alt – auf spielerische und zugleich informative Weise Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt im Volkspark Jungfernheide. Damit wollen wir die Freude am Entdecken wecken und gleichzeitig den respektvollen Umgang mit unserer Stadtnatur fördern“, lässt der Bezirksstadtrat in einer Pressemitteilung wissen.
Auf Nachfrage des Bundes der Steuerzahler Berlin teilte das Bezirksamt kürzlich mit, dass die „Gesamtkosten der Erstellung eines Naturlehr-/ Erlebnispfades als Pilotprojekt inkl. Bearbeitung der Webseite des Grünflächenamtes sowie Entwicklung der Stele mit QR-Code“ 100.000 Euro betragen haben.
Die Konzeptentwicklung wurde nach Angaben des Bezirksamts zu 100 Prozent aus dem Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE), also aus Landesmitteln, finanziert. Die Herstellung der Stelen inkl. der QR-Code-Platten in Höhe von 10.000 Euro wird laut Bezirk vom Umwelt- und Naturschutzamt getragen. Den Einbau der Stelen hätten Azubis an einem Tag erledigt.
Der Bund der Steuerzahler fragte den Bezirksstadtrat auch danach, wie er derartige Ausgaben angesichts der immensen Verschuldung und des Sanierungsrückstaus sowie der behaupteten Notwendigkeit, weitere Milliardenkredite auf Bundes- und Landesebene aufnehmen zu müssen, rechtfertigt. Die Antwort: Die Ausgaben seien nur zu geringen Teilen aus dem Bezirkshaushalt und größtenteils aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin bestritten worden. Die Antwort auf die Frage nach der haushaltsrechtlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung umfasste nur ein Wort: „Fehlanzeige“.
Deutlich mehr Worte fand der Bezirksstadtrat, um die Ziele des Erlebnispfads zu erläutern: Besucher sollen die Tier- und Pflanzenwelt der Parks mit allen Sinnen entdecken. Der respektvolle Umgang mit Grünflächen und Natur soll gefördert und das Wissen über die lokalen Ökosysteme, die Geschichte des Orts und die Bedeutung der biologischen Vielfalt vermittelt werden. Künftig plane der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, auch weitere Gartenanlagen mit Erlebnispfaden auszustatten.
Nach Einschätzung des Bundes der Steuerzahler ist das zumindest schon einmal ein erster kleiner Schritt zu einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, sich Gedanken über die Ziele zu machen.
Foto: Alexander Kraus
Der Bund der Steuerzahler meint
Dass sich hinter jeder der zehn Holzstelen Kosten von durchschnittlich 10.000 Euro verbergen, ist beim besten Willen nicht zu erkennen. Denn: Ob ein Parkbesucher deren Zweck ohne Kenntnis der Pressemitteilung überhaupt erkennt, erscheint uns fraglich. Angesichts der Berliner Haushaltslage stellt sich die Frage, ob es ein paar Hinweistafeln nicht auch getan hätten.
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