Newsletter

Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig. Diese Hinweise zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzrichtlinien. Diesen stimme ich zu.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder


Besuchen Sie uns

News Bild 2434
  • Berlin
  • Richtig skurril!
12.01.2026

Rätselspaß im Volkspark

Berliner Jungfernheide erhält einen Erlebnispfad Stadtnatur

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Berlin. Trotz Haushaltskrise hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf im Volkspark Jungfernheide für mindestens 100.000 Euro einen Erlebnispfad Stadtnatur errichtet. Der Löwenanteil geht dabei für die Konzeption drauf. Mehr noch: Der Bezirk plant sogar, weitere Gartenanlagen mit Erlebnispfaden auszustatten.

Im Einzelnen: Am 12.9.2025 hat der Bezirksumweltstadtrat im Volkspark Jungfernheide einen „Erlebnispfad Stadtnatur“ eröffnet. Die zehn von einem Künstler erstellten Holzstelen auf dem Rundweg verlinken mit QR-Codes direkt zu vertiefenden Informationen auf der Webseite des Bezirksamts. Zusätzlich veröffentlichte das Bezirksamt einen Faltplan mit Hintergrundtexten, Mitmach- und Rätselaufgaben. Wer alle zehn Stationen besucht und die Rätsel löst, erhält ein Lösungswort.

Auf dem Erlebnispfad durch die Jungfernheide kann sich der Besucher mit Fragen zur Lieblingsspeise von Turmfalken, dem Gewicht von Bibern oder dem Paarungsverhalten von Libellen beschäftigen. „Der Erlebnispfad Stadtnatur vermittelt allen Besuchenden – ob Jung oder Alt – auf spielerische und zugleich informative Weise Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt im Volkspark Jungfernheide. Damit wollen wir die Freude am Entdecken wecken und gleichzeitig den respektvollen Umgang mit unserer Stadtnatur fördern“, lässt der Bezirksstadtrat in einer Pressemitteilung wissen.

Auf Nachfrage des Bundes der Steuerzahler Berlin teilte das Bezirksamt kürzlich mit, dass die „Gesamtkosten der Erstellung eines Naturlehr-/ Erlebnispfades als Pilotprojekt inkl. Bearbeitung der Webseite des Grünflächenamtes sowie Entwicklung der Stele mit QR-Code“ 100.000 Euro betragen haben. 

Die Konzeptentwicklung wurde nach Angaben des Bezirksamts zu 100 Prozent aus dem Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE), also aus Landesmitteln, finanziert. Die Herstellung der Stelen inkl. der QR-Code-Platten in Höhe von 10.000 Euro wird laut Bezirk vom Umwelt- und Naturschutzamt getragen. Den Einbau der Stelen hätten Azubis an einem Tag erledigt.

Der Bund der Steuerzahler fragte den Bezirksstadtrat auch danach, wie er derartige Ausgaben angesichts der immensen Verschuldung und des Sanierungsrückstaus sowie der behaupteten Notwendigkeit, weitere Milliardenkredite auf Bundes- und Landesebene aufnehmen zu müssen, rechtfertigt. Die Antwort: Die Ausgaben seien nur zu geringen Teilen aus dem Bezirkshaushalt und größtenteils aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin bestritten worden. Die Antwort auf die Frage nach der haushaltsrechtlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung umfasste nur ein Wort: „Fehlanzeige“.

Deutlich mehr Worte fand der Bezirksstadtrat, um die Ziele des Erlebnispfads zu erläutern: Besucher sollen die Tier- und Pflanzenwelt der Parks mit allen Sinnen entdecken. Der respektvolle Umgang mit Grünflächen und Natur soll gefördert und das Wissen über die lokalen Ökosysteme, die Geschichte des Orts und die Bedeutung der biologischen Vielfalt vermittelt werden. Künftig plane der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, auch weitere Gartenanlagen mit Erlebnispfaden auszustatten.

Nach Einschätzung des Bundes der Steuerzahler ist das zumindest schon einmal ein erster kleiner Schritt zu einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, sich Gedanken über die Ziele zu machen.

Foto: Alexander Kraus

Der Bund der Steuerzahler meint

Dass sich hinter jeder der zehn Holzstelen Kosten von durchschnittlich 10.000 Euro verbergen, ist beim besten Willen nicht zu erkennen. Denn: Ob ein Parkbesucher deren Zweck ohne Kenntnis der Pressemitteilung überhaupt erkennt, erscheint uns fraglich. Angesichts der Berliner Haushaltslage stellt sich die Frage, ob es ein paar Hinweistafeln nicht auch getan hätten.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Portrait Alexander Kraus, Vorsitzender des Bund der Steuerzahler Berlin

Alexander Kraus

Spenden Sie für unsere Arbeit!

Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Marion Fröhling 22/01/2026 um 12:37

    Guten Tag Herr Kraus,

    Es werden viele Steuerverschwendungen aufgedeckt durch den Bund der Steuerzahler. Das ist gut und richtig. Internen Augen werden diese aber viel zu wenig publik gemacht und, was noch viel wichtiger ist: ICH FRAGE MICH, WIE DIESE IM VORFELD VERHINDERT WERDEN KÖNNEN?

    Würde mich über eine Antwort freuen.
    MfG
    Marion Fröhling
    • user
      Alexander Kraus (Vorsitzender Bund der Steuerzahler Berlin e.V.) 22/01/2026 um 14:24

      Guten Tag Frau Fröhling,

      die von uns z.B. im Schwarzbuch kritisierten Beispiele von Steuergeldverschwendung werden durchaus sehr umfangreich von der Presse übernommen. Insbesondere nach der Vorstellung der gedruckten Ausgabe im Herbst sind die Zeitungen voll davon.

      Aber auch unterjährig zitieren uns die Medien. So berichteten z.B. Bild und B.Z. am 26. Dezember 2025 auf fast einer ganzen Doppelseite über diesen Rätselspaß sowie über die ebenfalls gerade auf schwarzbuch.de erschienen Beiträge zur VeloFlow-Anzeige und die enormen Kostensteigerungen für den Speepark nebst Riesenrad.

      Ob Projekte aus Angst vor einem Eintrag im Schwarzbuch von der Verwaltung mal doch nicht umgesetzt werden, werden wir wohl nie herausbekommen. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass viele Verantwortliche gar nicht das Selbstverständis haben, öffentliche Mittel sparsam zu verwenden. Mir hat mal ein Staatssekretär gesagt, er sei Politiker geworden, Geld für die Menschen auszugeben und nicht einzusparen.

      Wir haben aber auch Erfolge vorzuweisen. Es gibt einige Beispiele dafür, dass Projekte zumindest nach unserer Kritik nicht weitergeführt worden sind. Sie schlafen dann sang- und klanglos einfach ein.

      Erinnern möchte ich auch an das SEZ in Berlin. Ein presserechtliches Urteil auf eine erfolglose Klage des Eigentümers gegen uns, der unsere Aussagen im Schwarzbuch verbieten lassen wollte, lieferte schließlich die Steilvorlage für die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen, das Grundstück an das Land Berlin zurückzuübertragen. Der Wert dürfte bei rund 50 Mio. Euro liegen, die aufgrund der jahrelangen hartnäckigen Kritik des Bundes der Steuerzahler wieder an das Land Berlin zurückgegangen sind. Verkauft worden war das Grundstück einst für einen Euro.

      Viele Grüße
      Alexander Kraus