
Phantom-Pendlerparkplatz bleibt autofrei
Der Pendlerparkplatz in Borken bleibt ein Flop, Stromtankstellen sollen helfen
Was ist passiert?
Borken (NRW). Durch einen Pendlerparkplatz sollte die Parkplatznot in der Borkener Innenstadt gelindert werden, im Februar 2020 wurde er eröffnet. Da der Parkplatz recht weit außerhalb der Stadt liegt, sollte ein Shuttle-Service den Weg dorthin erleichtern. Doch der startete spät und wurde nur wenig angenommen. Und so warteten 204 Pkw-Stellplätze, acht Kraftrad- und 50 Fahrradstellplätze auf Nutzer. Kostenpunkt: rund 1,43 Mio. Euro. Davon hat ca. 800.000 Euro die Stadt bezahlt, den Rest das Land Nordrhein-Westfalen. Das Schwarzbuch 2023/2024 hat darüber berichtet. Sämtliche Ideen und Maßnahmen zur Belebung liefen weiter ins Leere, sodass im Sommer 2025 die Situation immer noch nicht besser war. Dass ein paar Betriebe den Parkplatz nutzten, um dort ihre Werbeanhänger abzustellen, kann da nicht als Erfolg gewertet werden.
Jetzt wird ein weiterer Versuch mit der Finanzierungshilfe durch ein Förderprogramm gestartet: Der Parkplatz soll mit dem Bau einer Hochleistungsladeinfrastruktur Bestandteil des vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr ausgeschriebenen Projekts „Deutschlandnetz“ werden. Der Bund möchte mit diesem Förderprogramm für ein flächendeckendes Schnellladenetz in ganz Deutschland sorgen.
Im Mai 2025 starteten die Vorarbeiten für die Einrichtung des „High-Power-Charging-Ladeparks“ mit zwölf überdachten Ökostrom-Ladepunkten und einem Snackautomaten. E-Fahrzeuge haben jetzt die Möglichkeit, „in kurzer Zeit mit einer hohen Leistung bis zu 400 kWh aufzuladen – ein wichtiges Angebot nahe der Bundesstraße B67 insbesondere für Pendlerinnen und Pendler sowie Durchreisende und auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der nahegelegenen Wohngebiete, die keine eigene Lademöglichkeit haben“, so die Stadt Borken im Juni 2025 auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler.
Gebaut und betrieben wird das Angebot von der Projektgesellschaft EWE Go HOCHTIEF Ladepartner GmbH & Co. KG. Sie zahlt der Stadt Borken eine Pacht für die Fläche – über die Höhe schweigt die Stadt jedoch. Aber sie muss dem Land 100.000 Euro Förderung zurückzahlen – und schrieb dem BdSt: „Die Umnutzung wirkt sich wirtschaftlich aber nicht negativ aus.“ Auf welchen Zeitraum sich die Stadt dabei bezieht, sagt sie allerdings nicht. Es muss sich zeigen, ob künftig im besten Fall zwölf der heute mehr als 200 Plätze regelmäßig belegt sein werden. Mit einer guten Auslastung des Parkplatzes durch Pendler und Innenstadtbesucher scheint jedenfalls niemand mehr zu rechnen.
Foto: Katrin Ernst
Alternative Investition
Für 1,43 Mio. Euro könnte die Stadt Borken für jeden Schüler ein Tablet bereitstellen.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Die Stadt Borken hat beim Bau des Parkplatzes den Bedarf an dieser Stelle falsch eingeschätzt. Sämtliche Ideen zur Belebung sind bisher ins Leere gelaufen. Und selbst wenn künftig zwölf Autos gleichzeitig Strom laden, bleiben immer noch sehr viele mit Steuergeld errichtete Parkplätze leer.
Video zum Fall
Millionen-Parkplatz bleibt leer | Schwarzbuch 2025 NRW
Spenden Sie für unsere Arbeit!
Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.


Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert