
Pfungstädter Sauna geht endgültig baden
Sauna wird nach knapp eineinhalb Jahren Betrieb und elf Jahren Leerstand abgerissen
Was ist passiert?
Pfungstadt (HE). Bereits im Schwarzbuch 2014 kritisierte der Bund der Steuerzahler eine teure Fehlentscheidung, die die Verantwortlichen im südhessischen Pfungstadt über die Zukunft des dortigen Schwimmbads getroffen hatten. Dafür zunächst einen Schritt zurück: 1978 wurde in Pfungstadt ein Hallenbad mit Wellen- und Freibad errichtet. Weil es damals überdimensioniert gebaut wurde, verursachte es im Laufe der Jahre ein ständig steigendes Betriebskostendefizit. Deshalb beschloss die Stadt verschiedene Investitionen, um die Attraktivität des Schwimmbads zu steigern und das Defizit zu senken. So wurde u. a. für rund 6,1 Mio. Euro ein Saunabereich neben dem Bad gebaut, der im September 2012 eröffnet wurde. Aus dem Wellen- und Freibad Pfungstadt wurde der „Bade SaunaPark Pfungstadt“.
Doch der Bade- und Saunaspaß währte nicht lange: Ende Januar 2014 musste das Hallenbad wegen akuter Brandschutzmängel und veralteter Betriebstechnik geschlossen werden – und mit ihm die neu gebaute Sauna. Auf Nachfrage des Bundes der Steuerzahler begründete die Stadt Pfungstadt die Schließung der Sauna damit, dass sich deren gesamte technische Gebäudeausstattung in dem Schwimmbadgebäude befunden habe, separate Technikräume für die Sauna seien nicht vorhanden gewesen. Eine autarke Versorgung des Saunagebäudes sei somit unmöglich gewesen. Da eine Sanierung des Schwimmbads aus Sicht der Pfungstädter Entscheidungsträgerinnen und -träger unwirtschaftlich gewesen wäre, beschlossen sie einen Neubau. Nach acht Jahren im Dornröschenschlaf wurde das Schwimmbad 2022/23 inklusive aller technischen Einrichtungen abgerissen. Die Sauna blieb zunächst noch stehen.
Die Pfungstädter Verantwortlichen teilten dem BdSt mit, die Planungsgruppe sei zunächst davon ausgegangen, dass das Saunagebäude erhalten wird. Nach eingehender Prüfung wäre die vorhandene Sauna bei einer Wiedereröffnung jedoch „relativ unattraktiv geblieben und hätte nicht den gewünschten Gästezuspruch erhalten“. Zudem hätten die geschätzten Kosten für einen Sauna-Neubau die Sanierungs- und Anschlusskosten an das künftige Schwimmbad nur um rund 50.000 Euro überstiegen.
Deshalb wurde ein kompletter Neubau beschlossen, der neben Hallen- und Freibad auch einen Naturbadeteich, Innen- und Außensaunabereiche umfassen soll. Die Gesamtkosten betragen laut Pfungstädter Kalkulation rund 44,6 Mio. Euro brutto, wovon rund 7,1 Mio. Euro auf den Saunabereich entfallen. Doch zunächst wurde Anfang 2025 auch die bestehende Sauna abgerissen: Kostenpunkt rund 237.000 Euro.
Bei Redaktionsschluss war der Baubeginn für das Schwimmbad für den 20.10.2025 vorgesehen, Anfang 2028 soll dann der neue Bade- und Saunapark eröffnet werden. Bleibt zu hoffen, dass die Investitionskosten nicht noch weiter steigen und auch der jährliche Zuschussbedarf im Rahmen bleibt. Einen zweiten Schlag ins Wasser kann sich die südhessische Stadt nicht leisten.
Foto: Carolyn Ludwig
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Es war unsinnig, eine neue Sauna an ein sanierungsbedürftiges Schwimmbad anzubauen und an dessen Technikanlage anzuschließen. Den politisch Verantwortlichen hätte von vornherein auffallen müssen, dass das damals fast 35 Jahre alte Schwimmbad einen erheblichen Sanierungsstau hatte. Dann hätten sie ein Gesamtkonzept für die Instandsetzung oder den Neubau des Schwimmbads mit oder ohne Sauna planen können, statt 6,1 Mio. Euro Steuergeld für eine Sauna zu verschwenden, die dann noch nicht einmal eineinhalb Jahre genutzt werden konnte.
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