
Nettetal favorisiert „nice to have“
Vom undichten Dach zur 25-Mio.-Euro-Sanierung
Was ist passiert?
Nettetal (NRW). Bereits seit den 2010er-Jahren gab es Überlegungen, die Werner-Jaeger-Halle in Nettetal zu sanieren, eine „zusammenfassende Gesamtbetrachtung“ stammt aus dem Jahr 2014. Zunächst sprach man über das undichte Dach. Bei genauerem Hinsehen stellte man aber fest, dass auch der vorbeugende Brandschutz den damaligen Vorgaben nicht mehr genügte. Anschließend erwog man die Sanierung der gesamten tragenden Dachkonstruktion und eine Verbesserung der Gebäudeenergetik. Außerdem sollten jetzt die technischen Anlagen aufgewertet und die Theatersaalgestaltung „ertüchtigt“ werden. Für den Hinterkopf: NetteKultur bietet laut Homepage jede Saison mehr als 30 Veranstaltungen an, wobei in der letzten Spielzeit die Plätze der Werner-Jaeger-Halle durchschnittlich zu gut 50 Prozent belegt waren. Eine erste Kostenschätzung prognostizierte fünf Mio. Euro für die Sanierung – mit dem Hinweis „mindestens“. Es wurden aber auch weitere Optionen wie Abriss und Neubau in Betracht gezogen.
Es dauerte bis 2017, bis der endgültige Entschluss zum Erhalt und zur Sanierung der Halle fiel. Dann folgten weitere Erkenntnisse zur Schadstoffbelastung, sodass die Stadt 2019 eine Komplettsanierung beschloss. 2021 wurde klar, dass die Sanierung der Halle nicht wie geplant 2023 abgeschlossen werden würde. Die Coronapandemie, neue unvorhergesehene Schadstofffunde und mehrfache Ausschreibungen hatten den Terminplan durcheinandergebracht. Aber nicht nur das. Auch die Kostenprognose belief sich jetzt auf rund 12,5 Mio. Euro – und dieser Betrag beinhaltete noch nicht die Entscheidung zur Umstellung des Heizungssystems und nicht die Anpassungen der Entwurfsplanung aus dem Jahr 2022.
Mit dem vollkommen entkernten Gebäude waren nämlich viele neue Begehrlichkeiten aufgekommen. So wird nun die technische Gebäudeausstattung komplett erneuert; u. a. werden ein hydraulischer Hubboden, ein Lastenaufzug und Beleuchtungsbrücken oberhalb des Saals/Bühnenhauses eingebaut. Wegen der Beleuchtungsbrücken steigen jedoch die Anforderungen des Arbeitsschutzes. Deshalb wird das Gebäude durch eine Erweiterung des Foyers nicht nur größer, konkret wird es auch höher. So kann außerdem die Technik besser untergebracht werden, für die Barrierefreiheit werden eine Rampe und ein Personenaufzug gebaut und zuletzt werden der Theatersaal, das Foyer und alle anderen öffentlich zugänglichen Bereiche (Garderobe, Toilette etc.) sowie der komplette Backstage-Bereich neu eingerichtet. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant.
Damit steigt die Kostenprognose für den Umbau auf 25 Mio. Euro – sehr viel Geld, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die während der Bauphase alternativ genutzten Räume aus Sicht so mancher Nettetaler in jeder Hinsicht gut funktionieren und ausreichend sind. Deren Kosten übrigens sind zum Teil noch gar nicht eingerechnet.
Foto: Jens Ammann
Der Bund der Steuerzahler meint
Es ist richtig und notwendig, dass Kommunen ihre Immobilien in Schuss halten. In Nettetal fallen jedoch vor allem die Begehrlichkeiten ins Auge, denn wenn aus fünf Mio. Euro kalkulierten Kosten 25 Mio. Euro werden, dann wurde scheinbar Nice-to-have zum Maßstab.
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