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  • Baden-Württemberg
  • Kostenexplosion
27.10.2020

„Murphys Gesetz“ wirkt beim Bau eines Schulgebäudes

Energetische Sanierung eines Schulgebäudes geht gründlich schief

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Was ist passiert?

Geislingen an der Steige. 1976 wurde in Geislingen an der Steige das Michelberg-Gymnasium, kurz MiGy, in Betrieb genommen. 2011 stellten Fachleute zahlreiche Mängel am in die Jahre gekommenen Gebäude fest, die von Juli 2014 bis September 2016 beseitigt werden sollten. So standen auf der Mängelliste: ein undichtes Dach, Geruchsbelästigung durch die Gummibodenbeläge, Schäden an Trennwänden und am Estrich im Natur- und Wissenschaftsbereich (NwT), ein unzureichender sommerlicher Wärmeschutz und, nach rund 35 Jahren, abgenutzte Oberflächen und Einrichtungsgegenstände. Aus dem Profanbau sollte nun ein vorbildliches Energie-Plus-Gebäude gemacht werden. Billig war das nicht, die bauliche und energetische Sanierung kostete 20,33 Mio. Euro – im Jahr 2014 hatte man noch mit 14,7 Mio. Euro gerechnet. Doch leider beseitigte die Sanierung die Mängel nicht, sondern verschlimmerte alles.

Eigentlich war mit der Sanierung vorgesehen, dass das MiGy einen Energie-Plus-Standard erreicht – also einen 200 Prozent Wärme-Energie-Überschuss, mit dem nicht nur das Gymnasium energetisch versorgt werden konnte, sondern auch weitere Gebäude.

Stattdessen ermittelten die von der Stadt bestellten Fachleute einen Katalog von Mängeln. Laut Pressemitteilung der Stadt stellten diese fest, „dass in vielen Bereichen nicht mit der notwendigen fachlichen Sorgfalt gebaut wurde, wie es (nicht nur) ein Sanierungskonzept mit diesem innovativen Anspruch erfordert hätte“. So listen die Fachleute einen unzureichenden vorbeugenden Brandschutz auf, Mängel bei der Heizungstechnik – wie falsch angeschlossene Deckenheizstrahler –, eine zu schlechte Klassenraumbelüftung, wiederum einen unzureichenden sommerlichen Wärmeschutz und sogar Schäden an der Tragwerkskonstruktion. Diese sind so gravierend, dass der NwT-Bereich wegen Einsturzgefahr ab August 2018 gesperrt werden musste. Darüber hinaus werden Hitzeschäden an der Dachhaut, Grünalgenbildung und Feuchtigkeitsschäden an der Fassade und zu guter Letzt flächendeckende Kollateralschäden bei der Elektrotechnik bemängelt. Kurzum, die Sanierung war eine teure Katastrophe. Mit den 2,67 Mio. Euro für die Instandsetzungs- und Sicherungsmaßnahmen belaufen sich die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahmen aktuell auf mittlerweile 23 Mio. Euro.

Schuld an dem Fiasko ist nach Ansicht der Stadt das Architekten- und Planerteam, das mit den Arbeiten betraut worden war. Es sind bereits verschiedene Klageverfahren auf dem Weg, in denen die Stadt versucht, so viel wie möglich vom entstandenen finanziellen Schaden zurückzubekommen. Wie die Verfahren ausgehen, muss sich erst noch zeigen.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende, im Grunde geht sie jetzt erst richtig los. Das MiGy-Gebäude darf nämlich aufgrund der völlig missratenen Sanierung und Baumängel und insbesondere wegen der Defizite beim Brandschutz ab dem 31.7.2021 nicht mehr genutzt werden. Dies bringt die Stadt in Zugzwang, weil die Schüler schließlich unterrichtet werden müssen. Jetzt wird es richtig teuer.

Drei Möglichkeiten werden geprüft: Abbruch und Neubau an gleicher Stelle für 31,3 Mio. Euro inklusive Containermieten für den Interimsbetrieb; Abbruch und Neubau an anderer Stelle mit einem Sporthallenneubau für 43,8 Mio. Euro inkl. Containern und die Sanierung der fehlgeschlagenen Sanierung – also die Sanierung der Sanierung – für 24,3 Mio. Euro. Diese Kostenschätzungen treffen aber nur unter der Voraussetzung zu, dass sich die Stadt vor Gericht mit ihrer Schadenersatzforderung durchsetzt – sonst kommen bei allen drei Varianten nochmals 7 Mio. Euro oben drauf. Welche Variante das Rennen macht, soll in einer offenen Standortdiskussion mit den Umlandgemeinden bei einer Schulbedarfsplanung ermittelt werden.

Der gute Wille war da, ein energetisch vorbildliches Schulgebäude zu errichten. Aber offenbar war das ganze Projekt zu ambitioniert. Jedenfalls ist bei der Umsetzung getreu „Murphys Gesetz“ so ziemlich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen konnte.

Foto: Stadtverwaltung Geislingen an der Steige

Der Bund der Steuerzahler meint

Eine weniger ambitionierte – aber dafür realistische – Planung wäre wohl allen Beteiligten zugutegekommen. Den Schaden haben nun die Stadt, die Schüler und die Steuerzahler.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Michael Weiss

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