News Bild 303
  • Brandenburg
  • Brücken, Straßen und Verkehr
29.10.2019

Missglückter Beitrag zur Verkehrswende

573.000 Euro für einen Park-and-Ride-Parkplatz ohne Fahrgäste

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Geltow. 573.000 Euro wurden für den Ende März 2019 eingeweihten Park-and-Ride- Parkplatz Baumgartenbrück in Geltow ausgegeben – doch kaum jemand nutzt ihn. Der Park-and-Ride-Parkplatz soll den durch das Bevölkerungswachstum steigenden motorisierten Individualverkehr auf der nach Potsdam führenden Bundesstraße 1 reduzieren und damit auch den CO2-Ausstoß senken. Das Projekt passt zur Mobilitätsstrategie des Landes Brandenburg. Auch der Fachausschuss Verkehr des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) befürwortete das Projekt 2017, weil es sich für das Programm zu fördernder ÖPNV-Verknüpfungsstellen des Landes Brandenburg eignet.

Die ursprüngliche Kostenplanung aus dem Jahr 2009 in Höhe von 225.000 Euro erwies sich jedoch schnell als nicht haltbar. In dem 2017 gestellten Förderantrag genehmigte das Ministerium 360.000 Euro für den Umsteigeparkplatz. Mehr als 210.000 Euro kamen aus der Kasse der Gemeinde Schwielowsee. Wegen breiterer Wege für Rettungsfahrzeuge, der geänderten Stellplatzanordnung für mehr als 100 Autos, eines überdachten Fahrradstellplatzes, Kompensationsmaßnahmen im Fercher Kasselmoor sowie eines fehlerhaften Bodengutachtens, das vor Baubeginn in Auftrag gegeben worden war, wurde der primär für Pendler gedachte Umsteigeparkplatz doppelt so teuer wie geplant. Allein der ungenutzte Fahrradständer kostete mehr als 30.000 Euro.

Die Baumaßnahmen begannen am 22.10.2018, eröffnet wurde der Parkplatz Ende März 2019. Seitdem wird er so gut wie nicht genutzt. Den Grund dafür kenne man, so die Leiterin des Fachbereichs der Gemeinde Schwielowsee gegenüber dem Bund der Steuerzahler: Da es derzeit noch keine Busspur von Geltow nach Potsdam gebe, auf der der Bus an dem sich stauenden Verkehr vorbei bis zum Potsdamer Hauptbahnhof durchfahren könne, steht der Bus, wie alle anderen Autos auch, im Stau. Aus der Verwaltung Schwielowsee heißt es dazu: Man wisse, dass es, wenn überhaupt, damit nur zu einer sehr eingeschränkten zeitlichen Einsparung käme. Man hoffe aber, dass das steigende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung dazu führe, die Busverbindung zu nutzen.

Die Landeshauptstadt Potsdam hat zugesagt, ab Herbst 2019 mit dem Bau der Busspur zu beginnen – allerdings nur für einen ersten Teilabschnitt, der 300 Meter vor Potsdam beginnt. Hier liegt auch der Parkand- Ride-Parkplatz Pirschheide, der bereits gut genutzt wird und der neben dem Bahnhof weiter ausgebaut werden soll.

Foto: Ludwig Zimmermann

Der Bund der Steuerzahler meint

Ein Park-and-Ride-Parkplatz vor Potsdam ist eine gute Möglichkeit, um den innerstädtischen Verkehr zu entlasten. Der Bau des Parkplatzes an der Baumgartenbrücke scheint allerdings sinnlos zu sein, da er wegen seiner strategisch ungünstigen Lage und fehlender Busspur kaum genutzt wird. Ein weiterer Grund für den Misserfolg des Parkplatzes ist der nur 4 km weiter entfernte Park-and-Ride-Parkplatz Pirschheide, der strategisch günstiger liegt, weil man von hier nicht nur mit dem Bus, sondern auch mit der Straßenbahn in die Potsdamer Innenstadt kommt.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Steve Schulz

Sag uns deine Meinung

Teil uns mit, was du
denkst!

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Carsten Wolff 29/10/2019 um 21:07

    Ein sehr richtiger Artikel zur Steuerverschwendung. Als täglich pendelnder Radfahrer zwischen Werder und Potsdam habe ich das von Anfang an kommen sehen. Für mich und viele Betroffene ist das kein wirklicher Beitrag zur Verkehrswende, da eine selbst bis Ortseingang gehende Busspur den Ort Geltow selbst ja nicht überbrückt. Diese Busspur hat sich ja, wie erwähnt, ohnehin seit dem MAZ-Bericht vom 25.10.19 auf 300 Meter Länge reduziert.


    Das Problem für uns Pendler generell ist, dass es keine wirklich praktikablen Alternativen zum Auto und Fahrrad gibt. Der Bus steht im Stau, die Regionalbahn ist zu voll, der Parkplatz am Bahnhof in Werder ist überfüllt und zu guter Letzt steigen dann noch die Fahrpreise. Insgesamt irgendwie ein Teufelskreis. Und dann wären noch schlechte Radwege und Radspuren, die sich mit Fußgängern und Haltestellen geteilt werden müssen.


    ES IST EINFACH ALLES ZU VOLL!


    Dazu ist die Aussage der Schwielowseer Bürgermeisterin auch sehr interessant, die Busspur abzuwarten. Ich wette, dass in einem, zwei und auch drei Jahren die Situation unverändert bleiben wird. Und das an Wochenenden fast alle Parkplätze wenigstens durch Touristen belegt sein sollen, wie durch die Bürgermeisterin in den PNN berichtet, ist schon fast drollig. Wir fahren halt jeden Sonntag dran vorbei. Und auch das widerspräche ja dem eigentlichen Hauptzweck.

  • user
    Kricheldorf 29/10/2019 um 14:13

    Der Parkplatz hat sogar eine E-Ladesäule für 2 Autos, die wenn sie morgens auf dem Weg zur Arbeit dort abgestellt werden zum Laden, diese den ganzen Tag besetzen. Richtig sinnvolle Einrichtung.