
Mannheim gönnt sich teure Brücke – der Bund zahlt
Rund neun Mio. Euro für Leuchtturmprojekt aus Holz
Was ist passiert?
Bund/Mannheim (BW). Sogar der Bundesverkehrsminister reiste im Februar 2026 an, um den neuen Franklin-Steg in Mannheim zu eröffnen. Schließlich handelt es sich bei der Brücke, die seit ein paar Monaten über die B38 führt und die Stadtteile Franklin und Vogelstang verbindet, nicht um ein gewöhnliches Bauwerk, sondern vielmehr um ein Leuchtturmprojekt, wie der Minister bei der Einweihung des Franklin-Stegs betonte. Die exklusive Querung mit 50 Metern Spannweite gilt als weltweit längste integrale Holzbrücke, da sie ohne Lager und Fugen gebaut ist. Sie gehört mit rechnerisch rund 184.000 Euro pro Brückenmeter zu den teuersten Rad- und Fußverkehrsbrücken in Deutschland.
Die Entwicklung des Franklin-Stegs wurde nach Angaben der Stadt Mannheim schrittweise vorbereitet: Bereits im Jahr 2017 gab es eine Machbarkeitsstudie zum Standort. Nach einem europaweiten Planungswettbewerb wurde 2020 schließlich der Entwurf ausgewählt. Die Stadt rechtfertigte ihre Entscheidung für diesen Entwurf damit, dass er in der Abwägung zwischen Funktionalität, technischer Qualität und Kosten das beste Ergebnis würde liefern können. Eine Tunnellösung und eine Lösung mit Ampeln als Querungsoptionen wurden wegen der Sicherheit und des Verkehrsflusses übrigens ausgeschlossen.
Der ursprüngliche Kosten- und Zeitrahmen für das Brückenbauwerk – mit Fertigstellung im Frühjahr 2024 – lag nach städtischen Angaben bei 5,9 Mio. Euro, im Mai 2026 ging man – bei noch ausstehender Schlussrechnung – von Gesamtausgaben in Höhe von rund 9,2 Mio. Euro aus. Begründet wurde diese Steigerung von mehr als 50 Prozent mit erhöhten baulichen Anforderungen, woraus eine komplexere Ausführung und deutlich höhere Prüfanforderungen resultierten. Außerdem wurde auf die veränderte geopolitische Lage und ausgelöste Baupreissteigerungen verwiesen.
Für die Stadt Mannheim stellt dies aber kein Problem dar, denn sie profitiert von einer feudalen Förderung durch den Bund, der die bisherigen förderfähigen Gesamtausgaben vollständig trägt. Dem zugrunde liegt die „Richtlinie zur Förderung innovativer Projekte zur Verbesserung des Radverkehrs in Deutschland“. Diese sieht zwar eigentlich „nur“ eine maximale Förderung von 80 Prozent vor, bei finanzschwachen Kommunen wie der Stadt Mannheim sind es 90 Prozent. Bedingt durch die Coronapandemie gab es aber zum Zeitpunkt der Bewilligung eine zeitlich befristete Förderung von bis zu 100 Prozent Bundesmitteln. Diese Förderung wurde von der Stadt 2021 beantragt und dann entsprechend bewilligt.
Mit einer solchen Zusage im Rücken, baut es sich natürlich deutlich gelassener. Die Stadt bedankte sich im Rahmen der Eröffnung ausdrücklich für die „großzügige Unterstützung“ des Bundes – diese Formulierung spricht Bände. Auch im aktuellen „Wirkungsbericht der Radverkehrsförderung des Bundesministeriums für Verkehr“ taucht der Franklin-Steg übrigens auf: Dort wird von einer „weltmeisterlichen Ingenieurleistung“ gesprochen und betont, dass die Realisierung dieses „ehrgeizigen Projekts“ durch eine 100-prozentige Kostenübernahme durch den Bund möglich wurde.
Foto: Daniel Bilaniuk
Der Bund der Steuerzahler meint
Nach Einschätzung des BdSt ist ein weiteres Brückenbauwerk über die B38 an der gewählten Stelle vertretbar. Die großzügige Förderpolitik des Bundes sorgte jedoch dafür, dass selbst überteuerte Wünsche wahr werden und massive Kostensteigerungen dem Zuwendungsempfänger nicht wehtun. Aus Steuerzahlersicht hat der Staat jedoch nicht die Mittel für solche Freigiebigkeit.
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