
Kupferpalast für Millionen – und die Stromgebühren steigen
Eingang aus Kupfer: Baukosten steigen auf 4,3 Mio. Euro – Stromkunden zahlen mit
Was ist passiert?
Hamburg. Die Besucher der Hamburger Energienetze GmbH werden in einem Kupferkubus empfangen – ein architektonisches Statement mit hohem Anspruch, dessen Kosten jedoch aus dem Ruder liefen. Geplant war das Eingangsgebäude 2023 mit 2,6 Mio. Euro. Nun belaufen sich die Kosten auf 4,3 Mio. Euro – ein Plus von rund 65 Prozent.
Doch damit nicht genug: Ein neues Parkhaus mit 575 Stellplätzen verteuert sich – von 14,7 auf 20,4 Mio. Euro. Das ebenfalls geplante Funktionsgebäude mit Büroflächen, Kantine und Konferenzräumen, das 2026 fertiggestellt werden soll, klettert von 36,3 auf nun 46,6 Mio. Euro. Der Umbau des „Standorts Süd“ schlägt jetzt mit 14,6 Mio. Euro zu Buche. Bei Projektbeginn waren für die Sanierung des Firmengebäudes 6,9 Mio. Euro vorgesehen. Der „Neubau Standort West“ kostet nun 26,4 statt der zunächst veranschlagten 18,2 Mio. Euro. Der Neubau eines Betriebsreservelagers schlägt mit 10,4 statt der geplanten 8,7 Mio. Euro zu Buche. Und die Separierung einer Netzführung wird voraussichtlich 15,4 statt der geplanten 12,0 Mio. Euro kosten. Zusammengenommen ergibt das eine Mehrbelastung von rund 38,7 Mio. Euro. Bezahlen müssen das letzten Endes alle Stromkunden – über ohnehin schon hohe Netzentgelte.
Begründet werden die Mehrkosten mit altbekannten Schlagworten: Corona, Ukrainekrieg, Tarifabschlüsse, Bauverzögerungen, Gründach- und Photovoltaik-Pflichten, fehlende Tragfähigkeit des Bodens sowie eine Handwerkerfirma, die zwischenzeitlich Insolvenz anmeldete. Es ist eine Liste, wie man sie aus vielen öffentlichen Bauprojekten kennt – aber selten mit so wenig Selbstreflexion.
Noch brisanter: Die Geschäftsführung räumt ein, dass ein Projektstopp am Ende teurer gekommen wäre – ein Offenbarungseid moderner Bauplanung. Währenddessen will man künftig „integrierte Projektallianzen“ ausprobieren – offenbar in der Hoffnung, dass beim nächsten Großprojekt jemand mit dem Taschenrechner dabeisitzt.
Der Fall reiht sich ein in eine ganze Kette ausufernder Projekte in städtischer Verantwortung. Und was macht der mit Top-Politikern besetzte Aufsichtsrat? Er ist laut, wenn es Applaus gibt, still, wenn es teuer wird.
Foto: Sascha Mummenhoff
Alternative Investition
Mit 38,7 Mio. Euro hätte man über 262 Grundschulen in Hamburg mit Photovoltaikanlagen ausrüsten können.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Projekt als ein Paradebeispiel für Maßlosigkeit und Missmanagement. Öffentliche Unternehmen sind keine Architekturbühnen, sondern sie tragen Verantwortung für sparsamen Mitteleinsatz. Die Bürger zahlen längst genug.
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