
Kostspieliger Kletterturm in Bad Tölz
Die hohen Kosten für den neuen Kletterturm sorgen für Diskussionen
Was ist passiert?
Bad Tölz (BY). Im Zuge der „Tölzer Spielplatzoffensive 2025“ hat die Stadt Bad Tölz auf dem Piratenspielplatz an der Isarpromenade einen Kletterturm errichten lassen. Das gelbfarbene Klettergerüst ist ca. sieben Meter hoch, wiegt zwei Tonnen und ist gleichsam als „Leuchtturm“ weithin sichtbar. In dem rund drei Meter breiten Stahlgerüst des Turms spannt sich ein offenbar planloses Geflecht aus 18 Millimeter starken, schwarzen Kunststoffseilen. Darauf können Kinder ab fünf Jahren rund sieben Meter hoch zu der ca. zehn Meter langen Röhrenrutsche klettern. Für Kinder wahrlich ein Spielparadies. Doch auch die Kosten für die Kletteranlage können sich sehen lassen: 140.000 Euro!
So sorgt der neue Kletterturm für Diskussionen. Während Befürworter auf den hohen Spielwert, die Förderung der Freizeitqualität für Kinder und die Langlebigkeit der Konstruktion verweisen, stellen Kritiker die Verhältnismäßigkeit infrage. Ein funktionaler, sicherer und attraktiver Spielturm wäre auch mit deutlich geringeren Kosten realisierbar gewesen.
Die Stadt Bad Tölz betonte hingegen, dass Sicherheit und Qualität im Vordergrund gestanden hätten. Sie teilte dem Bund der Steuerzahler u. a. mit: „Die Stadt hat bei dieser Anschaffung des Kletterturmes für Kinder im Außenbereich bewusst auf Sicherheit gesetzt und mit der Auswahl einer deutschen Firma die Langlebigkeit des Gerätes als wichtiges Kriterium priorisiert:
An ein Spielgerät an einem öffentlichen Platz werden heute zurecht sehr hohe Anforderungen gestellt:
- Wie Sie sehen, erfüllt der von der Stadt Bad Tölz ausgewählte Kletterturm diverse Vorschriften (DIN, EN, ASTM).
- Zusätzlich garantiert der fachgerechte Unter- und Aufbau, dass das Spielgerät nicht nur standsicher ist und gefahrenfrei durch die Kinder genutzt werden kann, sondern dass auch alle mit dem Aufbau und der Wartung betrauten Mitarbeiter frei von Haftung sind.
- Rohre, Pfosten und Kugeln sind sandgestrahlt und lösungsmittelfrei im Epoxy-Polyester-Einbrennverfahren vor Korrosion geschützt.
- Um Verletzungen und Beschädigungen vorzubeugen, ist das Befestigungssystem innenliegend organisiert.
- Verwendet werden langlebige Materialien.
- Verschleißteile können folgekostenarm und ohne Spezialwerkzeug am Gerät ausgetauscht werden.
- Mit einem wertigen Kletterturm wie dem DNA TOWER L.04 kann darüber hinaus sichergestellt werden, dass selbst Extrembelastungen durch intensive Nutzung, Witterungseinflüsse (Schnee, Frost, Hagel, Sturm …) sowie Versuche des Vandalismus weitgehend folgenlos bleiben.
[…]
Auch wenn das gegenständliche Spielgerüst mit seinen Maßen beeindruckt, ist es eben gerade diese Tatsache, die die Neugier, den Ehrgeiz und den Spieltrieb vieler Kinder weckt. Dabei hat der Hersteller auf Sicherheit geachtet und garantiert konstruktionsbedingt eine maximale freie Fallhöhe nach EN1176 von 1,53 Metern. […] Die geschlossene Rutsche gehört ebenfalls zum Konzept, des Wachsens durch Spielen: Es erfordert sicherlich einigen Mut von einem Fünfjährigen, sich in diese Röhre zu begeben. Darin herrscht jedoch keinesfalls Dunkelheit. Zudem sichert die überdachte Konstruktion, dass bei Nässe oder Sonneneinstrahlung die Rutsche weiterhin nutzbar ist und ein Herausfallen nicht möglich ist. […] Eltern und andere Aufsichtspersonen können durch ein einfaches Überprüfen per Handkontrolle am nicht überdachten Teil der Rutsche rasch und sicher feststellen, ob sich dieser Teil an Tagen mit extremer Hitze für ihr Gefühl eventuell zu stark erwärmt hat und entweder die Nutzung der Rutsche untersagen bzw. durch das Anlegen einer langen Hose die Kinder vor dem aufgewärmten Metall schützen. Andererseits ist eine Rutsche aus Metall wartungsarm. […] Wir werden und müssen die Rutsche auch künftig regelmäßig kontrollieren und werden auch das Thema Temperatur im Blick behalten …“.
Letztlich stellt sich aber aus Sicht der Steuerzahler die Frage, ob hier noch die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist.
Foto: Maria Ritch / Michael Stocker
Der Bund der Steuerzahler meint
Zu hoffen bleibt, dass sich viele Kinder auf dem Kletterturm tummeln werden. Sind allerdings die hohen Kosten für den Spielturm den Bad Tölzer Steuerzahlern noch vermittelbar?
Ärger allein ändert nichts. Ihre Spende schon.
Wir machen Steuergeldverschwendung öffentlich und bleiben dran, bis sich etwas ändert. Unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende.


Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert