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  • Bayern
  • Kostenexplosion
01.10.2026

Kostspielige Sanierung des Mainfranken Theaters

Dauerbaustelle Mainfranken Theater – Kostenexplosion statt Vorhang auf?

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Was ist passiert?

Würzburg (BY). Seit dem Jahr 2018 saniert und erweitert die Stadt Würzburg das Mainfranken Theater, einen Theaterbau aus den 1960er Jahren. Das klassische Mehrspartenhaus wird als kommunales Theater in städtischer Trägerschaft betrieben, produziert in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Konzert rund 400 Angebote und erreicht bis zu 140.000 Besucherinnen und Besucher in einer regulären Spielzeit.

In einem neu errichteten Erweiterungsbau ist das sogenannte „Kleine Haus“ mit 330 Plätzen integriert. Dieses wird vorwiegend durch das Schauspiel genutzt. Untergebracht sind in dem „Kleinen Haus“ auch die Kostümwerkstätten und der Orchesterproberaum, der hinter dem Bühnenturm spektakulär auf dem Theaterdach positioniert ist. Nachdem das Bestandsgebäude in den Rohbauzustand zurückversetzt und im Backstage ein Teilabriss vorgenommen wurde, wird im Altbau eine neue, baufachlich anspruchsvolle Gebäudestruktur aufgebaut.

Künftig wird das Mainfranken Theater als Staatstheater in kommunaler Trägerschaft betrieben werden. Die Finanzierung erfolgt dann paritätisch durch die Stadt Würzburg und den Freistaat Bayern, der auch bisher schon Betriebskostenzuschüsse für den laufenden Betrieb leistet.

Zu Beginn der Sanierung ging man von Gesamtkosten in Höhe von 71,65 Mio. Euro aus. Zwischenzeitlich war man für die Erweiterung und Sanierung des Mainfranken Theaters bei 96,5 Mio. Euro angelangt. Ursächlich hierfür war neben allgemeinen Baupreissteigerungen auch die Beseitigung von Fundamenten eines ehemaligen Bahnhofs, der unterhalb des Theaters gefunden worden war. Auch habe sich die Anpassung von Fluchtwegen an neue Vorgaben als kostenintensiver herausgestellt als bisher angenommen.

Nach Mitteilung des Oberbürgermeisters ist u. a. festzuhalten, dass „festzustellende Defizite bei der Planung auch in der Baustellenabwicklung umfangreiche Störungen nach sich ziehen. Diese gestörten Bauabläufe führen zugleich erneut zu massiven Kostensteigerungen und Zeitverzug“.

Der negative Trend bei der Kostenentwicklung setzte sich fort. So ließ der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg den Bund der Steuerzahler u. a. wissen, dass im Jahr 2021 der Würzburger Stadtrat beschließen musste, den „Kostenrahmen für die Erweiterung und Sanierung des Mainfranken Theaters auf 103 Mio. Euro anzupassen. […] Der ohnehin schon als sehr negativ aufgezeigte Trend der Kostenentwicklung hat sich noch einmal drastisch verschlechtert. Die Gründe sind insbesondere deutliche Kostensteigerungen in den Rohbauarbeiten der Bestandssanierung sowie in der gesamten Bauausführung des neuen Kopfgebäudes, wiederholt enorme Sprünge bei den Auftragsschätzwerten anstehender Vergaben und Mehrkosten der Baufirmen vor dem Hintergrund des bisherigen Bauverzugs. Erneut muss der Rückschluss getroffen werden, dass die Kostenberechnung der Fachplaner, hier insbesondere der Architekten, einem Abgleich auf die Realitäten der tatsächlichen Kosten und Kostenentwicklungen nicht standhält“. Dabei ist ein „strittiger Kostenblock von rund 18,1 Mio. Euro zu benennen, der aus der Sicht des Bauherrn durch unzulässige Budgetüberschreitungen der Fachplaner im Laufe der bisherigen Projektausführung entstanden ist. Diese unzulässigen Budgetüberschreitungen sind aus der Sicht des Auftraggebers aufgrund unvollständiger Planungen und einer nicht belastbaren Kostenberechnung entstanden. […] Die Stadt Würzburg wird als öffentlicher Auftraggeber konsequent Planungsfehlern und Mängeln bei der Umsetzung des Großbauprojekts Generalsanierung und Erweiterung des Mainfranken Theaters nachgehen. Verantwortung wird in diesem Zusammenhang klar zugeordnet. Wir positionieren uns hier unmissverständlich gegenüber den Planern und werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, hier unsere Positionen durchzusetzen“.

Aufgrund von massiven Störungen bei der Projektabwicklung musste nach Mitteilung des Oberbürgermeisters die „für den Herbst 2022 geplante Eröffnung des Großen Hauses und damit der Abschluss der Bestandssanierung in das Jahr 2024 verschoben werden“. Doch daraus wurde nichts.

Verzögerungen und Kostensteigerungen prägten den Projektverlauf. Schließlich hat die Stadt Würzburg dem ursprünglich beauftragten Planungsbüro „aufgrund mangelhafter Performance bei Planungsleistungen und der operativen Umsetzung des Großbauprojekts“ gekündigt. „Die gleichzeitige Insolvenz dieses Planungsbüros erschwerte das Krisenmanagement …“, so der Oberbürgermeister.

Ein neues Architektenteam musste daher das herausfordernde Projekt – Finalisierung des Neubaus („Kleines Haus“) und Sanierung des Bestandsgebäudes – weiterführen. Das neu verpflichtete Architekturbüro nahm seine Arbeit auf der Theaterbaustelle mit Beginn des Jahres 2023 auf. Der Fokus dieses Teams lag zunächst ganz auf der im Dezember 2023 gelungenen Eröffnung des Theaterneubaus. Nach Mitteilung des Oberbürgermeisters hat sich der Neubau zu einem wahren Besuchermagneten entwickelt. „Mehr Besucher, höhere Einnahmen und viele junge Menschen in den Vorstellungen, so lautet die derzeitige Bilanz zum aktuellen Spielbetrieb. Unser Theater arbeitet auch in der Umbauphase sehr erfolgreich und stößt auf eine sehr positive und breite Resonanz beim Publikum.“

Parallel zum laufenden Spielbetrieb im Neubau wird die Generalsanierung des Bestandsgebäudes fortgesetzt. Doch die Stadt Würzburg war weiterhin von Pech und Pannen verfolgt. Einem zweiten Fachplaner mit dem Aufgabenbereich Technische Gebäudeausrüstung (Haustechnik) musste aufgrund mangelhafter Leistung ebenfalls gekündigt werden. Nach einem durchgeführten europaweiten Vergabeverfahren wurde schließlich ein neuer Fachplaner für die Haustechnik beauftragt. Das Planungsteam in seinen vielfältigen und aufeinander aufbauenden Aufgabenstellungen war somit erst seit Jahresbeginn 2025 wieder vollständig.

Die aktuellen Zeitpläne sehen vor, dass das Bestandsgebäude erst Ende 2029 an das Theater übergeben werden soll. Ziel sei eine vollständige Wiedereröffnung des Theaters im Jahr 2030.

Wenn auch der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg versicherte, dass alle Regressansprüche „konsequent und umfassend“ verfolgt werden, so werden sich die in Rede stehenden Verfahren wohl noch über Jahre hinziehen.

Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Aktuell hat die Stadt Würzburg unter Berücksichtigung der bisher erfolgten Auszahlungen im Rahmen ihrer mittelfristigen Finanzplanung bis Ende 2029 „145,9 Mio. Euro in den Wirtschafts- und Haushaltsplan des Theaters und der Stadt eingestellt“, wobei „diese Zahl keine Kostenprognose für den voraussichtlichen Gesamtprojektrahmen“ sei, so der Oberbürgermeister.

Auch wenn für das Kulturprojekt staatliche Zuschüsse erwartet werden, ist dies aus Sicht der Steuerzahler wenig tröstlich. Denn auch Fördergelder sind Steuergelder!

Foto: Maria Ritch / Michael Stocker

Der Bund der Steuerzahler meint

Angesichts der bisherigen Kostenentwicklung bei der Sanierung des Mainfranken Theaters bleibt zu hoffen, dass das Theater planmäßig im Jahr 2030 seine Pforten öffnen kann – ohne weitere Kostensteigerung.

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Autor des Artikels

Maria Ritch

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