
Kostspielige Erleuchtung in Delmenhorst
Vom „touristischen Leuchtturmprojekt“ zur überteuerten Adventsdeko
Was ist passiert?
Delmenhorst (NI). Als eine Maßnahme zur Belebung der Innenstadt präsentierte die Stadt Delmenhorst im Jahr 2022 die Anschaffung von insgesamt 100 lebensgroßen Lichtskulpturen. Die Anschaffungskosten dieser Skulpturen beliefen sich auf stolze 344.000 Euro. Mit knapp 310.000 Euro kam fast die gesamte Summe aus dem mit EU-Geldern finanzierten Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes Niedersachsen. Dieses Programm war extra aufgelegt worden, um die Städte und Gemeinden nach überstandener Coronapandemie bei der Wiederbelebung ihrer zusehends verödenden Innenstädte zu unterstützen.
Doch wie sollen 100 Leuchtfiguren zur Belebung der Innenstadt beitragen? Der Plan der Stadt war, diese Figuren künftig jedes Jahr während der Adventszeit gebündelt und öffentlichkeitswirksam zu inszenieren, um so Besucher in die Innenstadt zu locken. Auf der eigenen Homepage sprach sie gar von einem „touristischen Leuchtturmprojekt“, wobei sich die vollständige Ausstellung aller Leuchtfiguren als feste Größe im städtischen Veranstaltungskalender etablieren sollte.
Sich selbst sah die Stadt allerdings erstaunlicherweise nicht zur Durchführung einer solchen Veranstaltung in der Lage, sodass sie das Unternehmen mit der Erstauflage der Veranstaltung „Deluminous – Insel der Lichter“ beauftragte, bei dem sie die Figuren zuvor bereits erworben hatte. Obendrein bewilligte die Stadt einen Zuschuss von 15.000 Euro für Marketingmaßnahmen und entband den Veranstalter auch noch von den sonst üblicherweise fällig werdenden Gebühren.
Wer nun glaubt, dass die Steuerzahler die von ihrem Geld gekauften Figuren kostenfrei bestaunen durften, der irrt. Um sämtliche Unkosten für die fast zweimonatige Veranstaltung zu decken, verlangte der Ausrichter nämlich bis zu 14 Euro Eintritt pro Person, auch deshalb, weil er der Stadt für die Veranstaltung noch zusätzliche Objekte wie einen imposanten Lichterbaum temporär zur Verfügung stellte.
Das Ende vom Lied: Statt der ursprünglich erhofften 25.000 Besucher fanden sich letztlich bloß rund 11.000 Menschen ein, die die Lichtfiguren in der Zeit vom 15.11.2024 bis zum 5.1.2025 auf der Delmenhorster Burginsel besuchten. Die Stadt entschied sich daher aufgrund des Missverhältnisses zwischen Aufwand und Nutzen, dass es keine Wiederholung von „Deluminous“ geben solle. Stattdessen sollen die teuren Leuchtfiguren nun während der Adventszeit einfach einzeln ohne große Inszenierung an verschiedenen Orten in der Innenstadt aufgestellt werden. So schnell verkommt ein „touristisches Leuchtturmprojekt“ also zu einer überteuerten Adventsdekoration.
Der Bund der Steuerzahler geht davon aus, dass die Einlagerung, Instandhaltung und Reparatur der immerhin 100 Leuchtfiguren zu weiteren laufenden Kosten führen wird. Wie hoch diese ausfallen werden, konnte die Stadt Delmenhorst bis zum Redaktionsschluss nicht mitteilen.
Foto: Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Immer wieder sorgen großzügige Förderkulissen dafür, dass Projekte realisiert werden, die nicht zu Ende gedacht sind. „Was soll’s? Man kann es ja mal probieren“ scheint die Devise zu sein, wenn der Großteil der Rechnung mit Geld aus Brüssel oder Berlin beglichen wird. Doch auch Fördergelder sind Steuergelder! Entsprechend bedarf der Umgang mit ihnen eines ebenso hohen Anspruchs an Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit.
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