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29.10.2019

Kostenexplosion beim Bau des Ludwigsparkstadions

Baukostenexplosion beim Stadionneubau

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Was ist passiert?

Das Ludwigsparkstadion in Saarbrücken entspricht seit vielen Jahren nicht mehr den Standards einer zeitgemäßen Spielstätte. Als im Jahr 2013 Stadt und Land den Beschluss fassten, das Stadion zu renovieren, wurde eine Kostenschätzung von 15 Mio. Euro zugrunde gelegt. Diese ist zwischenzeitlich mehrfach nach oben korrigiert worden. Die Sanierung des Stadions wird mindestens 20 Mio. Euro teurer als geplant.

Saarbrücken. Das Ludwigsparkstadion in Saarbrücken, Heimspielstätte des 1. FC Saarbrücken, war in die Jahre gekommen. Längst verflogen ist auch der Glanz früherer Zeiten, in denen das Stadion Austragungsort von Länderspielen der Saarländischen Fußballnationalmannschaft des in den 1950er Jahren autonomen Saarlandes oder Stätte des 6:1 Triumphs des FC Saarbrücken über den FC Bayern in der Bundesliga-Spielzeit 1976/77 war. Aktuell spielt der Verein in der Regionalliga Südwest und hofft auf einen Aufstieg in die Dritte Liga. Lange hat man im Haushaltsnotlageland Saarland und im überschuldeten Saarbrücken gezögert, das Stadion bundesligatauglich zu modernisieren.

Doch dann beschlossen im Februar 2013 die Stadt Saarbrücken und das Land gemeinsam, das Stadion umzubauen. Eine 102 Kostenexplosion   Machbarkeitsstudie wurde vorgelegt und die Kosten auf 15 Mio. Euro beziffert – die gleichzeitig die Investitionsobergrenze sein sollten. 10 Mio. Euro wollte das Land beisteuern, die restlichen 5 Mio. sollte Saarbrücken übernehmen.

Allerdings lag 2013 kein Konzept für den Umbau vor – das sollten erst Beraterfirmen erarbeiten. Es stellt sich also die Frage, wie eine seriöse Bezifferung der Baukosten möglich gewesen sein soll, wenn es nicht bereits zu Beginn des Umbaus ein Planungskonzept gegeben hat.

So kam es, wie es kommen musste: Die Kostenodyssee begann. Im Februar 2016 wurden Mehrkosten in Höhe von 4,5 Mio. Euro bekannt. Diese zusätzlichen Kosten wollte das Land – Schuldenstand seinerzeit 14,36 Mrd. Euro – übernehmen. Die veranschlagten Kosten lagen nun bei knapp 20 Mio. Euro. Im Februar 2017 dann die nächste Kostensteigerung – wegen der aktuellen Baupreisentwicklung weitere 8 Mio. Euro. Von den 2013 ursprünglich kalkulierten 15 Mio. Euro war man jetzt bereits bei 28 Mio. Euro gelandet – eine Steigerung um fast 87 Prozent! Doch die Stadt blieb dabei: Die ursprüngliche Kostenkalkulation sei fundiert gewesen.

Nun tauchte ein neues Problem auf: Das Land wollte nicht mehr als die 2016 zugesagten 14,5 Mio. Euro zuschießen. Im Juni 2017 stimmte die Landesregierung schließlich einem Sonderkredit zu, mit dem die 8-Millionen- Lücke geschlossen werden sollte. Bereits im Juni 2018 gab es nochmals grünes Licht für einen weiteren Sonderkredit, damit der zwischenzeitlich gestoppte Umbau überhaupt weitergehen konnte. Der Kostenrahmen mittlerweile: 30,5 Mio. Euro. Doch damit nicht genug: Im Januar 2019 wurden die Baukosten wieder nach oben korrigiert – auf nunmehr 34 Mio. Euro.

Im Stadtrat fand sich indes keine Mehrheit für einen weiteren Sonderkredit. Laut Stadt ist immerhin noch genügend Geld vorhanden, um die laufenden Arbeiten durchführen und die nächsten Ausschreibungen realisieren zu können.

Wer gemeint hatte, dass damit die Kostenspirale ein Ende gefunden hätte, irrt: Nur einen Monat später – im Februar 2019 – stand die nächste Erhöhung im Raum. Die Bausumme belief sich jetzt auf 38 Mio. Euro. Diese Summe – das Zweieinhalbfache der ursprünglich geplanten 15 Mio. Euro – wäre jetzt aber die Gesamtrechnung, hieß es. Und sie enthalte Investitionen, die sich später refinanzieren würden. Wiederum signalisierte das Land Bereitschaft, der Stadt bei der Kostenübernahme zu helfen. Aber dies, so der saarländische Innenminister Klaus Bouillon, sei dann der „letzte Schuss“.

Die – zunächst letzte – Hiobsbotschaft folgte auf dem Fuß: Im August 2019 wurde bekannt, dass es bei Ausschreibungen formale Mängel gegeben habe und sich dadurch die Fertigstellung verzögere. Der zuständige Baudezernent versicherte jedoch, dass es bei den Gesamtkosten von 38 Mio. Euro bliebe.

(Foto: Christoph Walter)

Alternative Investition

Mit den 23 Mio. Mehrkosten könnte in jeder saarländischen Kommune ein neuer Fußballplatz gebaut werden.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Die Sanierung des Ludwigsparkstadions wurde ohne fundierte Kostenkalkulation begonnen. Der Stadtrat stimmte dem Umbau zu, bevor ein entsprechendes Planungskonzept vorlag. Aktuell haben sich die Kosten mehr als verdoppelt. Warum nicht bereits zu Beginn der Sanierungsüberlegungen Stadionbauer mit Erfahrung ins Boot geholt wurden, erschließt sich nicht.

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Christoph Walter

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Bemerkungen :

  • user
    Martin W. Dick 30/10/2019 um 15:48

    Unglaublich wie hier Geld verbrannt wird.

  • user
    Dirk Engel 29/10/2019 um 14:01

    Warum werden keine Namen genannt damit der Bürger weiß bei wem er sich für diesen Wahnsinn bedanken kann.


    Wenn keine Namen und Parteien genannt werden braucht man auch nicht auf die Verschwendung hinzuweisen da der Bürger außer sich ärgern nichts unternehmen kann.


    Meiner Meinung nach sollten wir uns nicht alla Mario Barth nur darüber lustig machen und es mit Humor einfach so hin nehmen, sondern Ross und Reiter nennen damit man bei den nächsten Wahlen reagieren kann.


    Nur darauf hinweisen auf die Verschwendung ist einfach nicht genug!!!


    Deswegen: her mit den Verursachern