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  • Nordrhein-Westfalen
  • Kostenexplosion
09.03.2022

Kölner Bühnen: Fertigstellung verzögert sich und die Kosten steigen

Die Sanierung wird 9 Jahre länger dauern als ursprünglich geplant

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Aktuelle Entwicklung

Im Dezember 2021 gab die Stadt bekannt, dass die Baukosten im schlimmsten Fall auf 647 Millionen Euro steigen werden. On top kommen Finanzierungskosten (Zinsen) in Höhe von 239 Millionen Euro über einen Zeitraum von 40 Jahren. Die Stadt indes freut sich über eine Reduzierung der Risikokosten bei der Bühnensanierung im vierten Quartal 2021 um 700.000 Euro.

Die Freude hielt allerdings nicht lang, denn schon im Januar 2022 folgte die nächste Hiobsbotschaft: Die Mietkosten für die Ausweichspielstätten „Staatenhaus am Rheinpark“ und „Carlswerk & Depot“ verschlingen weitere 17,3 Millionen Euro. Das bisherige Budget galt ausschließlich für die Interimsspielstätten bis einschließlich 2022. Jetzt summiert sich das Budget für das Bühneninterim von 2010 bis 2024 auf 130,8 Millionen Euro. Im Dezember lag der Schwerpunkt der Bauarbeiten auf den Grobmontagen der haustechnischen Gewerke. „Die Koordination der Baumaßnahmen mit mehr als 60 Firmen, die quasi Hand in Hand die Theater nun fertigbauen, ist weiterhin eine hochanspruchsvolle Aufgabe, die uns auch im kommenden Jahr sehr fordern wird“, erklärte der Technische Betriebsleiter.

Kulturfreunde und Steuerzahler warten gespannt, ob die Übergabe der fertig sanierten Bühnen zum März 2024 wie geplant vonstatten gehen kann – immerhin neun Jahre später als geplant.  

Was ist passiert?

Köln (NRW). Ende Januar 2021 haben Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Technische Betriebsleiter Bernd Streitberger bekanntgegeben, wie und zu welchem Preis es mit der Sanierung der Kölner Bühnen weitergehen wird. Dabei zeigte sich die Oberbürgermeisterin zerknirscht: „Es ist bitter.“ Statt im dritten Quartal 2023 soll die Sanierung nun bis März 2024 beendet sein. Aus geplanten 3 Jahren werden nun fast 12 Jahre.

Die erneute Verzögerung erhöht die Kosten ein weiteres Mal: So wurden zuletzt im Dezember 2020 für den Worst Case 899 Mio. Euro aufgerufen, nun kommen weitere 72 Mio. Euro on top. Wie teuer es letztlich wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zuletzt hatte eine Firmeninsolvenz für eine weitere Verzögerung gesorgt – und jeder Monat mehr kostet entsprechend mehr.

Immerhin daraus zieht Köln nun seine Lehren: „In Zukunft halten wir uns daran: Erst planen, dann bauen“, verkündete OBin Reker. Man mag es kaum glauben, aber erst jetzt liegen verlässliche Pläne vor. Die Stadt fängt noch einmal bei null an und stellt das Projekt komplett neu auf.

Bernd Streitberger erklärte: „Wir haben eine exzellente Planung, kann ich heute sagen. Und wir haben eine Planung in der Tiefe und Breite, wie sie dieses Haus noch nie gesehen hat (…).“ Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und Chuzpe diese Sätze gesagt werden. Bedeuten sie doch, dass jahrelang ohne Plan vor sich hingewerkelt wurde.

Teuer für den Steuerzahler fallen auch die Kredite über 40 Jahre und die Interimsspielstätte ins Gewicht. Um auf andere Spielorte ausweichen zu können, zahlt die Stadt pro Jahr zwischen 9 und 10 Mio. Euro. Das sind weitere rund 120 Mio. Euro, die die Sanierung der Städtischen Bühnen nach sich zieht. Der Technische Betriebsleiter tut diese Kosten eher launig ab: „Das kann man mit einrechnen, dann ist es aber falsch.“

Im März 2021 erschütterte die Städtischen Bühnen Köln die nächste Hiobsbotschaft: Sie müssen um 15 Mio. Euro bangen, weil sie ihr Geld bei der Pleite-Bank Greensill angelegt hatten.

Ursprünglich sollte die Oper saniert und das angrenzende Schauspielhaus neu gebaut werden. Damals wurde das Budget auf 230 Mio. begrenzt. Doch als ein Entwurf die Ausschreibung gewann, war schnell klar, dass dessen Umsetzung die Kosten sprengen würde. 355 Mio. Euro, so hieß es damals. Die Bürger liefen Sturm, und der Rat forderte eine „abgespeckte“ Version. Schließlich wurde der Neubau ganz gekippt, beide Spielstätten sollten „nur“ saniert werden. Dabei ging man von 253 Mio. Euro an Baukosten aus. Mitte 2015 musste die für November 2015 geplante Eröffnung abgesagt werden, weil auf der Baustelle Chaos herrschte und vor allem die Haustechnik etliche Mängel aufwies.

Foto: Oliver T. Müller

 

 

Der Bund der Steuerzahler meint

Die ganze Angelegenheit ist ein Skandal: Die Stadt hat zu lange gebraucht, die Probleme rund um die Opernsanierung in den Griff zu bekommen. Es wurde ohne eine endgültige Planung gebaut, zurückgebaut und wieder neu angefangen.

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Autor des Artikels

Janine Bergendahl

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Bemerkungen :

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    A. Herwig 19/07/2022 um 20:44
    Das ist einfach unglaublich. Für das Geld hätte man 2.000 Einfamilienhäuser oder Schulen für 10.000 Schüler bauen können.
    Aber Kultur ist ja so unschätzbar wichtig.
  • user
    Wilfried Schiebol 18/04/2022 um 13:47
    Sollte die Kölner Oper im Jahr 2024 wiedereröffnet werden, war sie 12 Jahre lang ohne Spielbetrieb.
    Dies ist ausbaufähig: das Teatro Massimo in Palermo war 23 Jahre lang geschlossen. Zitat aus Wikipedia: „Nach einer „provisorischen Schließung“ 1974 auf Grund baulicher Mängel blieb das Teatro Massimo wegen korrupter, mafioser Baupolitik über 20 Jahre lang geschlossen. Erst 1997 wurde es (…) wiedereröffnet.“