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  • Richtig skurril!
14.04.2020

Kein goldenes Händchen bei Sammlermünzen

Bund lässt sich mögliche Einnahmen durch die Lappen gehen

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Was ist passiert?

Bund. Rund 300 Mio. Euro hat der Bund im Jahr 2019 durch den Verkauf von Sammlermünzen eingenommen – ein einträgliches Geschäft. Jetzt wurde jedoch bekannt, dass goldene Sammlermünzen von der offiziellen Verkaufsstelle des Bundes teils zu Preisen angeboten wurden, die unter dem Materialwert des jeweiligen Ausgabezeitpunkts lagen. Wir haken nach: Warum lässt sich der Bund hier Einnahmen durch die Lappen gehen?

Der Verkaufspreis der goldenen Sammlermünzen wird auf Basis des Materialpreises sowie der Produktions- und Handlingkosten festgelegt, wie das Bundesfinanzministerium auf Anfrage des BdSt mitteilt. Und weiter: Eine Münze zu planen und zu produzieren, nehme Zeit in Anspruch. Deshalb werde das benötigte Gold weit vor dem Verkauf der Sammlermünzen beschafft. Wenn der Goldpreis in dieser Zeit steigt, kann es dazu kommen, dass die Münzen zu einem Preis verkauft werden, der deutlich unter dem Wert des in der Münze enthaltenen Goldes liegt, wie wir weiter unten an einem Beispiel zeigen.

Wir meinen: Was für die Münz-Käufer ein gutes Geschäft ist, ist mit Blick auf den Bundeshaushalt zumindest unverständlich, da dem Bund durch diese Praxis mögliche Einnahmen entgehen. Zwar gibt der Bund an, dass negative Auswirkungen auf den Bundeshaushalt ausgeschlossen seien, da die aufgewendeten Materialkosten durch den aufgerufenen Preis vollständig gedeckt worden seien. Richtig ist aber auch, dass der Fiskus mehr einnehmen würde, wenn die goldenen Sammlermünzen zumindest zu dem Preis verkauft würden, der zum Zeitpunkt des Verkaufs dem Preis des enthaltenen Goldes entspricht. Tut der Bund dies nicht, lässt er sich zumindest Einnahmen durch die Lappen gehen.

Über die konkrete Höhe der entgangenen Einnahmen macht das Bundesfinanzministerium keine Angaben: Man wolle zu "hypothetischen Fragen" keine Stellung nehmen. Zugegeben: Die exakte Höhe der entgangenen Einnahmen ist vermutlich nicht ganz einfach zu ermitteln. Dennoch: Für Steuerzahler wäre es interessant zu wissen, auf welche Einnahmen aus Verkaufsgeschäften der Fiskus hier verzichtet.

Was wissen wir nun über die Verkaufspraxis? In ihrer Antwort auf eine „Kleine Anfrage“ des Abgeordneten Frank Schäffler (FDP) räumt die Bundesregierung ein, dass im Jahr 2019 die 100-Euro-Goldmünze zu einem Preis unter dem Materialwert angeboten wurde. Der Preis sei im Februar nach dem Goldkauf festgesetzt worden. Ende der Bestellfrist war der August. Diese Daten helfen, die entgangenen Einnahmen zumindest der Größenordnung nach zu ermitteln.

Wir wissen, dass das Gramm Gold im Februar 2019 im Mittelwert rund 37 Euro gekostet hat. Im August 2019 waren es im Mittelwert pro Gramm 43 Euro – also rund 6 Euro bzw. rund 16 Prozent mehr als im Februar. Wir wissen aus der Antwort der Bundesregierung auf die „Kleine Anfrage“ auch, dass im Jahr 2019 eine 100-Euro-Goldmünze mit einer Auflage von 155.150 Stück herausgegeben wurde. Pro Münze wurden 15,55 Gramm Gold eingesetzt – und damit rund 2,4 Tonnen Gold für die Ausgabe der Münze insgesamt. Diese Menge an Gold war im Mittelwert des Monats Februar rund 90 Mio. Euro wert. Im Mittelwert des Monats August war es rund 104 Mio. Euro wert. Die Differenz beträgt rund 15 Mio. Euro (Abweichungen wegen Rundungen der Werte).

Zu welchem Betrag das Gold im Februar 2019 genau gekauft wurde, ist dem BdSt ebenso wenig bekannt wie die genauen Zeitpunkte, zu denen die Münzen bis August 2019 verkauft wurden. Dass der Materialwert des eingesetzten Goldes allein für die 100-Euro-Goldmünze des Jahres 2019 zwischen Einkauf und Verkauf um rund 15 Mio. Euro zugenommen hat, lässt jedoch die Größenordnung erahnen, in der sich der Bund hier Einnahmen entgehen ließ, die er gut und gern hätte realisieren können. Immerhin zeigt sich eine Einsicht: Der Bund gibt auf Anfrage an, dass Änderungen der Ausgabepraxis geprüft würden.

Foto: PublicDomainPictures auf Pixabay

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Bund sollte sich mögliche Einnahmen aus dem Verkauf von Sammlermünzen nicht entgehen lassen. Die Nachfrage nach den Münzen besteht mutmaßlich auch, wenn der Verkaufspreis gestiegene Goldpreise abbilden würden.

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Autor des Artikels

Philipp Behm

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    Detlev 13/06/2020 um 03:14

    Ich vergleiche die Preise einmal mit dem Aktienmarkt.


    Ich kaufe heute "xy-Aktien" und morgen erfindet die Firma "das Perpetuum Mobile" ;-) Der Kurs schnellt in die Höhe.



    Umgekehrt ...


    Wie war es mit der AEG-Aktie?


    Was passierte mit der Telekom-Aktie?


    Wie ging es mit ....



    Genau!



    Von daher soll man von Anfang an nicht alles verteufeln.



    Gruß


    Detlev

  • user
    Martin 16/04/2020 um 21:10
    Hallo Herr Behm,
    wie Sie schon sagten, das Gold wird weit im Voraus eingekauft. Daraufhin wird ein fester Ausgabepreis definiert. Jeder Käufer kann dann diese Münze zu diesem Preis bestellen. Dabei geht er einen verbindlichen Vertrag ein. Er hat auch eine Abnahmeverpflichtung für die bestellten Goldmünzen. Das Risiko eines möglichen Verlustes besteht dann auf beiden Seiten. Mit welchem Recht sollte die Münze Deutschland den Preis anpassen dürfen, wenn der Goldpreis steigt? Im umgekehrten Fall wird der Preis der Sammlermünzen ja auch nicht reduziert. Es hätte in meinen Augen daher auch keine Mehreinnahmen geben können. Das ganze Bestellverfahren müsste überarbeitet werden, so dass die Münzen zum tagesaktuellen Goldpreis+ Aufschlag angeboten werden. Dieses würde die Deutschen Sammlermünzen in meinen Augen jedoch noch unatraktiver machen.
    • user
      Philipp Behm 17/04/2020 um 17:11
      Hallo Martin,

      vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Sie haben Recht: Es ist vermutlich nicht trivial, das Bestellverfahren zu überarbeiten. Vermutlich stößt es auch bei den Käufern der Sammlermünzen nicht auf Gegenliebe, einen etwas höheren Preis zu zahlen. Auf der anderen Seite sollte der Bund die Münzen nicht unter Wert verkaufen. Die dem Bundeshaushalt entgangenen Einnahmen müssen dann anderweitig aufgebracht werden (Steuern, geringere Ausgaben, höhere Verschuldung). Eine neue Ausgabepraxis zu prüfen ist aus Sicht des Steuerzahlers also aller Mühen Wert.
      • user
        Christian 18/04/2020 um 12:34
        Ich bin etwas verwundert über die ganze Diskussion. Wie Martin richtig dargelegt hat, besteht auf beiden Seiten das Risiko eines möglichen Verlusts. In den Jahren zuvor hat es ja auch niemanden interessiert, dass der Goldpreis nach Fixierung des Ausgabepreises der 100-Euro-Goldmünzen nachgegeben hat und die Sammler so einen Verlust hinnehmen mussten. Alleine der Aufschlag von 50 Euro/Münze bei der Fixierung des Preises ist im internationalen Vergleich extrem hoch. Ein Gewinn für den Bund damit garantiert. Wieso man jetzt darüber diskutiert, wie man diesen Gewinn einseitig noch weiter maximieren kann, erschließt sich mir nicht.
        Im Übrigen: Wir haben in Deutschland bei den Steuern kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem. Der Bund fährt Jahr für Jahr Rekordsteuereinnahmen ein und schröpft die Bevölkerung, wo es nur geht (die gesetzliche Abgabenlast in Deutschland ist nach Belgien die zweithöchste weltweit!). Jedoch verhärtet sich bei mir der Eindruck, desto mehr Geld eingenommen wird, desto mehr Geld wird verschwendet. In soweit kann ich den folgenden Satz auch nicht ansatzweise nachvollziehen: "Die dem Bundeshaushalt entgangenen Einnahmen müssen dann anderweitig aufgebracht werden (Steuern, geringere Ausgaben, höhere Verschuldung)."
  • user
    Rainer Däuble 16/04/2020 um 19:00
    Leute, alles schön und gut, die ganzen Jahre habe ich die Münzen auch gekauft, wenn der Goldkurs weniger Wert war als der Ausgabepreis.
    Schon einmal etwas von einem Kaufvertrag gehört, den es einzuhalten gibt.
    Kann nur den Kopf schütteln über soviel Realitätsfremdheit?
  • user
    Oliver Süß 16/04/2020 um 08:54
    Guten Tag,

    die Berechnung ist fehlerhaft. Die Goldmünzen werden gar nicht zu dem Goldpreis verkauft, zu dem die Bundesbank das Gold gekauft hat, sondern zum Goldpreis + 50€ je Münze.

    Der entgangene potentielle Gewinn ist deswegen deutlich geringer.

    Eine Änderung der Preisfindungspraxis würde wahrscheinlich keinen nennenswerten Effekt hervorrufen - und sogar die Gefahr eines tatsächlichen Verlustes (und nicht nur eines entgangenen Gewinns) bergen.

    Die einzig sinnvolle Alternative zum aktuellen Vorgehen (Goldpreis im Einkauf + 50€ pro Münze) wäre: tagesaktueller Goldpreis + 50€ pro Münze

    Wenn nun den Goldpreis zwischen Beschaffung des Goldes und Verkauf der Münze sinkt, dann werden echte Verluste generiert.
    Und dann wäre plötzlich doch wieder jeder froh, wenn nur entgangene hypotethische Gewinne zu bedauern wären.
    • user
      Philipp Behm 16/04/2020 um 10:58
      Hallo Herr Süß,

      vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar! Dass der Ausgabepreis der Münze sich aus Materialkosten und einem Aufschlag zusammensetzt, habe ich im im Text beschrieben ("Der Verkaufspreis der goldenen Sammlermünzen wird auf Basis des Materialpreises sowie der Produktions- und Handlingkosten festgelegt, wie das Bundesfinanzministerium auf Anfrage des BdSt mitteilt.").

      Die Schätzung über die Größenordnung der entgangenen Einnahmen durch den gestiegenen Goldpreis beziehen sich richtigerweise nur auf den Materialpreis. Der Aufschlag bleibt ja unabhängig vom Goldpreis fix. Insofern scheinen mir die Annahmen der Schätzung plausibel.

      Ich bin über Hinweise aber jederzeit dankbar. Gerne können Sie mir auch direkt via E-Mail schreiben. Meine Adresse ist oben unter meinem Autorenprofil verlinkt.
      • user
        Oliver Süß 16/04/2020 um 11:06
        Hallo Herr Behm,

        ich muss mich entschuldigen, den Hinweis auf den Aufschlag hatte ich überlesen (und dank ihrem Kommentar nun auch auf anhieb gefunden :D)
        Meine Ausführungen dazu sind dadurch natürlich obsolet.
  • user
    Alex 16/04/2020 um 00:42
    Der Bund hat keinen Verlust gemacht, sondern einfach weniger Gewinn als vielleicht möglich gemacht.

    Nur wie soll denn der Verkauf sonst ablaufen? Der Bund ist ja nun kein Goldhändler, der ein Ladengeschäft oder online shop hat und seine Preise minütlich anpasst.

    Sollte der Bund mit den echten Münzhändlern konkurrieren wollen, dann muss er sich auch auf einen Preisvergleich mit Münzhändlern einlassen.

    Mir wäre es egal, ob da jetzt auf einer Münze 100 Euro drauf steht, oder nicht entscheidend idt für mich der Preis. Denn eine halbe Unze ist immer eine halbe Unze. ;-)
    • user
      Philipp Behm 16/04/2020 um 10:44
      Vollkommen richtig: Einen Verlust hat der Bund nicht eingefahren. Davon ist im Text auch nicht die Rede. Wir kritisieren, dass der Bund hier weniger Einnahmen realisiert hat als aufgrund des gestiegenen Wertes des Goldes, welches in der Münze enthalten ist, möglich wäre.
      Für den Bundeshaushalt heißt das, dass entweder weniger ausgegeben werden kann, mehr Schulden aufgenommen werden müssen oder mehr Steuern erhoben werden müssen.
      Interessant ist doch, dass auch der Bund mit der bestehenden Ausgabepraxis unzufrieden zu sein scheint, da er eine Überprüfung der Praxis angekündigt hat.
  • user
    M. 15/04/2020 um 13:42
    Man will garnicht daraus lernen, denn so wie letztes Jahr wird es ja auch heuer praktiziert - Preis für Oktober 2020 ist ja schon fixiert
  • user
    Gerresheim 15/04/2020 um 11:41
    Wie kann man nur so dumm sein??
    Typische Beamtendenke, bloß nicht das Gehirn einschalten.
    Grüsse
  • user
    Sebastian 15/04/2020 um 11:28
    Wie soll der Bund denn hier agieren?
    Der Nennwert der Münzen ist nunmal bestimmt, es bliebe alleine die Möglichkeit die Münzen über Nennwert zu verkaufen, was aber ist, wenn der Goldwert in der Münze sinkt? Wenn man die Sache weiterdenkt, müsste dann der Bund die Münzen unter Nennwert verkaufen, weil ja nicht mehr wert. Gut man könnte Gegenreden, dass der Nennwert ja immer als Mindestwert vorhanden ist.
    Dem Bund ist, laut eigenen Angaben, hier kein Schaden entstanden, da alle Kosten durch den Verkaufspreis abgedeckt wurden, dass man den Gewinn hätte optimieren können...hätte man das Gold behalten und zu einem Zeitpunkt x verkauft, hätte man noch höhere Gewinne vielleicht erreichen können, oder Verluste.
    • user
      Philipp Behm 15/04/2020 um 11:52
      Die goldenen Sammlermünzen werden bereits zu Preisen verkauft, die über dem Nennwert liegen. Insofern könnte der Preis auch - abhängig vom Goldpreis - weiter darüber liegen.

      Dass dem Bund durch den Verkauf unter Materialwert kein Schaden entstanden ist, ist richtig und auch wieder nicht. Einen Verlust hat der Bund in der Tat nicht eingefahren, da der Materialwert zum Zeitpunkt des Einkaufs ja in die Kalkulation für den Ausgabepreis eingeflossen ist. Dennoch hat sich der Bund Einnahmen durch die Lappen gehen lassen, die er hätte realisieren können. Es wurde Gold unter Wert verkauft. Die nicht realisierten Einnahmen müssen dann im Bundeshaushalt durch geringere Ausgaben, höhere Steuereinnahmen oder höhere Verschuldung ausgeglichen werden.

      Interessant ist doch, dass der Bund selbst angegeben hat, dass die gängige Ausgabepraxis überprüft werde. Offenbar ist man hier im BMF auch nicht zufrieden mit der gängigen Praxis.
  • user
    Karl-Heinz Meyer 15/04/2020 um 11:24
    Das verstehe ich gar nicht! Die Regierung ist doch immer schlau! Siehe Minister Spahn: Wir sind bestens auf die Pandemie vorbereitet! Und es fehlen nur seit 6 Jahren die Masken und Schutzkleidungen. Siehe Minister Scheuer und seine Mautvorbereitungen und die Kanzlerin attestiert, er macht einen guten Job! Und die Reihe geht weiter bis hin zur Bundeswehr! Sowas unprofessionelles ... aber sie verbraten ja nicht ihr Geld und deshalb gibt es auch keine Konsequenzen ... Herr Spahn sollte sich darum kümmern, dass das Geld, was mit Kranken- und Pflegeversicherung eingenommen wird, auch da verbraucht wird. Wieso gibt es da Unternehmen, die mit dem Geld auch noch Gewinn erwirtschaften?