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29.10.2019

Kauf des ehemaligen Sparkassengebäudes sorgt für Überraschungen

Die angedachten Umbaukosten stiegen von anvisierten 3,3 Mio. Euro auf ca. 15 Mio. Euro

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Was ist passiert?

Ebersberg. Das derzeitige Landratsamt in Ebersberg droht offenbar aus allen Nähten zu platzen. Daher hat der Landkreis Ebersberg Anfang 2017 das alte Sparkassengebäude mit dem Grundstück (rund 8.550 m2) in Innenstadtlage zu einem Kaufpreis von 12,1 Mio. Euro erworben, um dort dringend benötigte Büroräume für Mitarbeiter des Landratsamts zu schaffen.

Dabei drohen die Umbaukosten aus dem Ruder zu laufen. In einer „Voruntersuchung zur Umnutzung des Kreissparkassengebäudes als Landratsamt Ebersberg“ von externen Fachleuten aus dem Jahr 2016 war von einem „groben Kostenrahmen“ in Höhe von rund 3,3 Mio. Euro bis zum Einzug die Rede. Weitere ca. 2,6 Mio. Euro sollten mittelfristig eingeplant werden. Mitte des Jahres 2018 ging man schon von Umbaukosten in Höhe von 11,1 Mio. Euro aus. Die Ursachen für die immense Kostensteigerung sind zum einen in den aktuellen Brandschutzanforderungen begründet, zum anderen müsse die in einer Laboranalyse vom Februar 2018 festgestellte „Kanzerogenität“ der hinter den Wänden befindlichen Dämmstoffe durch entsprechende Ersatzmaßnahmen beseitigt werden. Ein Komplettaustausch der alten Beleuchtung durch LED-Beleuchtung sowie ein „Sicherheitspuffer“ von 20 Prozent tragen ebenso zur Kostensteigerung bei. Bei weiteren Untersuchungen hat sich nach Mitteilung des Landrats herausgestellt, dass „beim Bau des Gebäudes im Jahr 1991 von der Baugenehmigung abgewichen wurde, deshalb ist nun eine Baugenehmigung zu beantragen mit erheblichen Kostenauswirkungen auf den Brandschutz in Höhe von ca. 1 Mio. Euro“.

Aus Gründen der Transparenz wurde schließlich der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) mit der Prüfung des Vorgangs beauftragt. Zum Zeitpunkt des Schwarzbuch-Redaktionsschlusses stand allerdings das Prüfungsergebnis noch nicht fest. In der Zwischenzeit fallen jährlich Unterhaltskosten für das Gebäude an. Im Jahr 2019 sind hierfür immerhin 344.322 Euro veranschlagt. Der Landrat des Landkreises Ebersberg will zwar den Vorwurf des Bundes der Steuerzahler, man hätte „eine Katze im Sack gekauft“, so nicht stehen lassen. Er teilte unter anderem mit, dass „wir den Kauf bewusst getätigt haben, weil wir wussten, dass allein das Grundstück in dieser sehr attraktiven Lage unmittelbar an der S-Bahn einen höheren Wert hat…“. Ein wirtschaftlicher Schaden sei im Hinblick auf die bereits angefallenen Kosten weder dem Landkreis noch dem Steuerzahler entstanden, da allein aufgrund der Bodenrichtwertentwicklung seit Januar 2017 das Grundstück im Wert gestiegen sei. So liege „dem Landkreis ein schriftliches Kaufangebot in Höhe von 17 Mio. Euro vor“… „Der Kaufinteressent geht dabei davon aus, dass Baurecht für Wohnungen besteht. Dieses Baurecht müsste mit der Stadt noch geregelt werden“. Wie es schließlich um die Zukunft des ehemaligen Sparkassengebäudes – Eigennutzung, Fremdnutzung, Weiterveräußerung oder Vermietung bestellt ist, stand zum Zeitpunkt des Schwarzbuch-Redaktionsschlusses noch nicht fest.

Da es unterschiedliche Einschätzungen von verschiedenen Fachleuten zu den Kosten einer Innen-Entkernung (von 15 Mio. Euro bis 26 Mio. Euro) gibt, soll nun auf einstimmigen Beschluss des Kreistags ein Projektentwickler Vorschläge unterbreiten, was mit dem Gebäude geschehen könnte. Die Vorschläge von der Projektentwicklung erwartet der Landkreis Ebersberg bis Jahresende 2019.

(Foto: Maria Ritch / Michael Stocker, LV Bayern)

 

Der Bund der Steuerzahler meint

Selbst wenn es dem Landkreis Ebersberg gelingen sollte, das alte Sparkassengebäude ohne Verlust „an den Mann zu bringen“, fehlen derzeit immer noch die dringend benötigten Büroflächen für die Mitarbeiter der Landkreisverwaltung. Hoffentlich hat der Landkreis Ebersberg aus dem Kauf seine Lehre gezogen und lässt künftig vor Grundstückskäufen mehr Vorsicht walten.

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Maria Ritch

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