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  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Verschwendung droht
01.10.2026

Kaninchenwerder: Nostalgie wird teuer

Neuer Betreiber auf der Insel, alte Zweifel – Verschwendung droht

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Was ist passiert?

Schwerin (MV). Schöne Erinnerungen an Ausflugsziele in Kindertagen haben wohl die meisten Menschen. In Schwerin ist für viele Menschen ein Ort etwas ganz Besonderes: die Insel Kaninchenwerder. Einst war sie ein beliebtes Ausflugsziel nahe der Innenstadt, allerdings nur mit Boot oder Fähre erreichbar.

Viele Einheimische erinnern sich an eine große Gastronomie, einen Aussichtsturm mit Ausstellung, den Inselrundgang, Tischtennisplatten, Spielgeräte, eine öffentliche Kegelbahn, Bogenschießen, einen Lagerfeuerplatz, Bootsverleih und mehrere Badestellen.

Genau auf diesen Erinnerungen fußt eine Idee, die seit 30 Jahren regelmäßig von der Stadtpolitik verfolgt wird: die Insel wieder zu einem Tourismusmagneten zu entwickeln. Immer wieder wurde sie an Betreiber verpachtet, die eine Aufwertung versprachen – bislang ohne Erfolg. Im Jahr 2021 wurden dafür u. a. 95.000 Euro Fördermittel aus dem Strategiefonds des Landes zur Wiederaufnahme des Gaststättenbetriebs bewilligt. Das Geld ist ausgegeben, die Gaststätte weiterhin geschlossen, und der Pachtvertrag mit dem Betreiber konnte erst per Vergleich zum Ende des Jahres 2025 beendet werden.

Im Jahr 2024 wurden für 4,24 Mio. Euro der Schiffsanleger und die Hafenanlage saniert und aufgewertet. Eine Ausgabe, die sich auch durch Gebührenerträge nie selbst tragen dürfte. 2026 gibt es nun einen neuen Anlauf mit einem neuen Betreiber. Dieser soll das Gelände für eine Pacht von 3.600 Euro im Jahr übernehmen, die Hafenanlage im Auftrag der Stadt bewirtschaften, für Ordnung sorgen und langfristig auch die alte Gastwirtschaft mit einer Fläche von 480 Quadratmetern betreiben. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der Stadt und wird derzeit für 700.000 Euro zur Bestandssicherung saniert.

Damit es touristisch genutzt werden kann, wären weitere Investitionen notwendig: Rund zwei Mio. Euro schätzt der neue Betreiber in einem Interview. Er setzt gleich nach, dass er selbst nicht mit großen Einnahmen rechne und diese Investition allein nicht tätigen könne, dafür aber private Geldgeber habe, wenn die Verträge stünden und die Bedingungen stimmten. Wenn.

Seit 30 Jahren scheitert die Stadt immer wieder an der Wiederbelebung der Insel. Ein Erfolg bräuchte andere Vorzeichen, z. B. eine verlässliche Fährlinie. Die gibt es mit der „Weißen Flotte“ nur in sehr großen Abständen. Dass daraus deutlich mehr wird, ist nicht wahrscheinlich. Die „Weiße Flotte“ hat eigene gastronomische Angebote auf dem Festland und auf den Fahrgastschiffen. Der Betrieb einer Gastwirtschaft in einem historischen Fachwerkgebäude dieser Größe bräuchte regelmäßig sehr viele Gäste, um sich zu tragen. Mit solchen Immobilien – und davon hat Schwerin mehr als genug – stehen häufig sogar Gastronomen, die einen ganzjährigen Betrieb gewährleisten können, vor großen Herausforderungen. Für eine Gastronomie im Saisonbetrieb hingegen dürfte das wirtschaftlich mindestens schwierig sein. Attraktiv bleibt eine Bewirtschaftung vor allem dann, wenn weiterhin öffentliches Geld fließt, für die Infrastruktur und die Fähranbindung.

Und genau das muss hinterfragt werden: Schwerin leidet seit Jahren unter einem hohen Schuldenstand und kann kaum die Pflichtausgaben tragen. Jede weitere städtische Investition mit unsicherem Ausgang muss vermieden werden. Eine verdeckte Förderung privatwirtschaftlicher Angebote ist auch mit Blick auf die Gleichbehandlung anderer Unternehmen in der Stadt problematisch. Manche Erinnerungen sollten auch das bleiben dürfen, was sie sind: Erinnerungen.

Foto: Pixabay/soetinger

Der Bund der Steuerzahler fordert

Der Bund der Steuerzahler fordert, weitere Investitionen in das städtische Denkmal nur bei einem tragfähigen Betreiberkonzept zu tätigen und Transparenz darüber herzustellen. Kosten und Risiken müssen durch belastbare Verträge begrenzt werden. Erhalt darf keine Dauersubvention bedeuten.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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